Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Glucocorticoid-Therapie bei entzündlichen Erkrankungen

15.07.2013
Seit mehr als 50 Jahren gehören Glucocorticoide, wie Dexamethason und Prednison, zu den effektivsten und am häufigsten eingesetzten Medikamenten zur Behandlung von Entzündungsreaktionen.

Speziell bei chronisch entzündlichen Krankheitsbildern und Autoimmunerkrankungen, wie dem systemischen Lupus Erythematodes (SLE), sind sie im klinischen Alltag nahezu unentbehrlich.

Bisher wurde die therapeutische Wirkung von Glucocorticoiden im Wesentlichen auf eine Hemmung der Produktion entzündungsfördernder Signalmoleküle, sogenannter pro-inflammatorische Cytokine, zurückgeführt.

Eine aktuelle Studie aus der Klinik für Strahlentherapie am LMU-Klinikum München (Prof. Kirsten Lauber) in Zusammenarbeit mit der Abteilung Innere Medizin 3 der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen (Prof. Martin Herrmann) und dem Institut für medizinische Chemie der Universität Kyoto (Prof. Shigekazu Nagata) zeigt einen neuartigen, bisher nicht bekannten Wirkmechanismus in diesem Zusammenhang.

„Täglich sterben in unserem Körper Milliarden von Zellen im Rahmen von Gewebserneuerungsprozessen. Sie werden schnell und äußerst effektiv von der körpereigenen ´Müllabfuhr´, den Fresszellen des angeborenen Immunsystems, aufgespürt, gefressen und abgebaut.“ sagt Kirsten Lauber. „Gibt es Verzögerungen oder Störungen bei der Eliminierung abgestorbener Köperzellen, können die nicht abgeräumten Zellreste das umliegende Gewebe schädigen, und es kann zu Autoimmunreaktionen gegen das an sich körpereigene Material kommen. Das ist z.B. bei Patienten mit SLE und der Fall.“

In der aktuell in Cell Death and Differentiation veröffentlichten Studie untersuchten die Wissenschaftler, inwiefern eine Glucocorticoid-Behandlung die Eliminierung abgestorbener Zellen beeinflusst. Sie beobachteten, dass Fresszellen aus dem Blut von Patienten mit chronisch entzündlichen und Autoimmunerkrankungen unter Glucocorticoid-Therapie sehr große Mengen eines Eiweiß-Moleküls (MFG-E8) produzieren, das abgestorbene Zellen für den Fressprozess markiert und ihre Aufnahme damit erleichtert bzw. beschleunigt. In weiterführenden Untersuchungen charakterisierten sie die zugrunde liegenden Mechanismen, über die Glucocorticoide die Produktion von MFG-E8 in Fresszellen anschalten und damit den Zell-Eliminierungsprozess stimulieren. Abschließend konnten sie in einem neu etablierten Mausmodell zeigen, dass die durch Glucocorticoide aktivierten und mit großen Mengen an MFG-E8 ausgestatteten Fresszellen hoch effektiv der Anhäufung von gefährlichem Zellschrott unter Bedingungen von massivem Zellsterben entgegenwirken.

„Unsere Ergebnisse stellen eine neue, bisher unbekannte Facette der Glucocorticoid-Therapie dar.“ so Kirsten Lauber. „Oft limitieren die zum Teil schwerwiegenden Nebenwirkungen die Langzeitverabreichbarkeit von Glucocorticoiden. Auf Basis der neuen Erkenntnisse macht es Sinn, über eine neue, molekular zielgerichtete Therapie-Alternative zu den Glucocorticoiden nachzudenken. Die Adressierung der Eliminierung abgestorbener Körperzellen und speziell MFG-E8 scheinen in diesem Zusammenhang viel versprechende Kandidaten zu sein.”

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Kirsten Lauber – Leitung Molekulare Onkologie
Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie
Klinikum der Universität München, Campus Großhadern
Tel: +49 (0)89 / 7095-6740
E-Mail: kirsten.lauber@med.uni-muenchen.de
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2012 an den Standorten Großhadern und Innenstadt 473.000 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt worden. Den 45 Fachkliniken, Instituten und Abteilungen sowie den 45 interdisziplinären Zentren stehen 2.080 Betten zur Verfügung. Von insgesamt über 10.000 Beschäftigten sind rund 1.800 Mediziner und 3.400 Pflegekräfte. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2012 rund 78 Millionen Euro an Drittmitteln verausgabt und ist seit 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität ist das Klinikum der Universität München an fünf Sonderforschungsbereichen der DFG (SFB 455, 571, 596, 684, 914), an drei Transregios (TR 05, 127, 128), zwei Forschergruppen (FOR 535, 809) sowie an zwei Graduiertenkollegs (GK 1091, 1202) beteiligt. Hinzu kommen die vier Exzellenzcluster „Center for Integrated Protein Sciences“ (CIPSM), „Munich Center of Advanced Photonics“ (MAP), „Nanosystems Initiative Munich“ (NIM) und „Munich Cluster for Systems Neurology“ (SyNergy) sowie die Graduiertenschulen „Graduate School of Systemic Neurosciences“ (GSN-LMU) und „Graduate School of Quantitative Biosciences Munich (QBM)“.

Philipp Kressirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht MHH-Forscher entdeckt: Ein Muskelprotein hilft bei der Eizellteilung
14.10.2019 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Forscher entschlüsseln Wirkung von Ebola-Impfstoff - Virologen der Uniklinik Köln identifizieren neue Antikörper
08.10.2019 | Uniklinik Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuer Werkstoff für den Bootsbau

Um die Entwicklung eines Leichtbaukonzepts für Sportboote und Yachten geht es in einem Forschungsprojekt der Technischen Hochschule Mittelhessen. Prof. Dr. Stephan Marzi vom Gießener Institut für Mechanik und Materialforschung arbeitet dabei mit dem Bootsbauer Krake Catamarane aus dem thüringischen Apolda zusammen. Internationale Kooperationspartner sind Prof. Anders Biel von der schwedischen Universität Karlstad und die Firma Lamera aus Göteborg. Den Projektbeitrag der THM fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand mit 190.000 Euro.

Im modernen Bootsbau verwenden die Hersteller als Grundmaterial vorwiegend Duroplasten wie zum Beispiel glasfaserverstärkten Kunststoff. Das Material ist...

Im Focus: Novel Material for Shipbuilding

A new research project at the TH Mittelhessen focusses on the development of a novel light weight design concept for leisure boats and yachts. Professor Stephan Marzi from the THM Institute of Mechanics and Materials collaborates with Krake Catamarane, which is a shipyard located in Apolda, Thuringia.

The project is set up in an international cooperation with Professor Anders Biel from Karlstad University in Sweden and the Swedish company Lamera from...

Im Focus: Controlling superconducting regions within an exotic metal

Superconductivity has fascinated scientists for many years since it offers the potential to revolutionize current technologies. Materials only become superconductors - meaning that electrons can travel in them with no resistance - at very low temperatures. These days, this unique zero resistance superconductivity is commonly found in a number of technologies, such as magnetic resonance imaging (MRI).

Future technologies, however, will harness the total synchrony of electronic behavior in superconductors - a property called the phase. There is currently a...

Im Focus: Ultraschneller Blick in die Photochemie der Atmosphäre

Physiker des Labors für Attosekundenphysik haben erkundet, was mit Molekülen an den Oberflächen von nanoskopischen Aerosolen passiert, wenn sie unter Lichteinfluss geraten.

Kleinste Phänomene im Nanokosmos bestimmen unser Leben. Vieles, was wir in der Natur beobachten, beginnt als elementare Reaktion von Atomen oder Molekülen auf...

Im Focus: Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Wie kommt es, dass manche Neutronensterne zu den stärksten Magneten im Universum werden? Eine mögliche Antwort auf die Frage nach der Entstehung dieser sogenannten Magnetare hat ein deutsch-britisches Team von Astrophysikern gefunden. Die Forscher aus Heidelberg, Garching und Oxford konnten mit umfangreichen Computersimulationen nachvollziehen, wie sich bei der Verschmelzung von zwei Sternen starke Magnetfelder bilden. Explodieren solche Sterne in einer Supernova, könnten daraus Magnetare entstehen.

Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung trifft Energiewende

15.10.2019 | Veranstaltungen

Bauingenieure im Dialog 2019: Vorträge stellen spannende Projekte aus dem Spezialtiefbau vor

15.10.2019 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2019

14.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue potenziell therapeutische Targets für nicht-alkoholische Fettlebererkrankung entdeckt

15.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Bessere Rheuma-Früherkennung dank neuer Fußkamera

15.10.2019 | Medizintechnik

Cardioband repariert undichte Herzklappe

15.10.2019 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics