Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gemeinsam gegen gefährliche Krankheitserreger

21.11.2012
Die Universitäten in Marburg und Gießen erhalten einen neuen Sonderforschungsbereich (SFB), der dem Thema der so genannten RNA-Viren gewidmet ist; hierzu zählen beispielsweise das Influenza-A- oder das SARS-Virus. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die Errichtung des SFB mit voraussichtlich gut acht Millionen Euro für zunächst vier Jahre.

„Die Entscheidung der DFG belegt, dass die mittelhessischen Universitäten dank ihrer vorausschauenden Planung wettbewerbsfähige Bedingungen für die Lebenswissenschaften bieten“, erklärt anlässlich der Bewilligung Professorin Dr. Katharina Krause, die Präsidentin der Philipps-Universität Marburg.

„Mit dem Marburger BSL4-Labor, einem der modernsten virologischen Einrichtungen weltweit, steht an der Philipps-Universität eine Forschungsinfrastruktur zur Verfügung, die eine wissenschaftliche Untersuchung höchst gefährlicher Krankheitserreger möglich macht“, führt Krause aus. „Der gemeinsame SFB ist ein weiteres Beispiel für die hervorragend funktionierende Partnerschaft zwischen den Universitäten Gießen und Marburg, die wir soeben durch unsere Forschungsallianz bekräftigt und gestärkt haben“, sagt Professor Dr. Joybrato Mukherjee von der Justus-Liebig-Universität Gießen.

„Die überwiegende Mehrheit derjenigen Viren, die sich neu ausbreiten, hat ein Genom auf RNA-Basis“, erläutert Professor Dr. Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie der Philipps-Universität und Koordinator des neuen SFB 1021. „Die besonderen biologischen Eigenschaften dieser RNA-Viren begünstigen ihre Ausbreitung über Artengrenzen hinweg von einem Wirt zu einem anderen, insbesondere auch vom Tier zum Menschen“, ergänzt Beckers Stellvertreter, der Gießener Virologe Professor Dr. John Ziebuhr.

RNA-Viren können sich besonders gut an neue Bedingungen anpassen, weil sie eine ungewöhnlich große genetische Variabilität aufweisen. Der Grund: Das Enzym Polymerase, mit dem das Erbgut dieser Viren vervielfältigt wird, unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt von den Polymerasen anderer Viren – es nimmt keine Korrektur von Fehlern vor, die bei der Replikation immer wieder vorkommen. Auf diese Weise entstehen in kurzer Zeit zahlreiche neue Virusvarianten, die in vielen Fällen auch neue Eigenschaften besitzen. Die Unzuverlässigkeit der viralen RNA-Polymerase beim Kopieren des viralen Genoms ist also die Ursache dafür, dass sich RNA-Viren besonders schnell an neue Wirte anpassen oder auch neue krankmachende Eigenschaften entwickeln können.

Die Initiatoren des neuen Verbunds planen, RNA-Viren auf mehreren Ebenen zu erforschen. Dazu gehört das Schicksal der viralen RNA in der infizierten Zelle, insbesondere ihre Synthese und ihre vielfältigen biologischen Aufgaben. Weitere Schwerpunkte bilden virale Faktoren, die die Schwere des Krankheitsbildes bestimmen, sowie zelluläre Abwehrmechanismen gegen Virusinfektionen und virale Faktoren, die diesen Mechanismen entgegenwirken. Hierfür untersuchen die beteiligten Wissenschaftler vor allem solche Viren, die genetisch nah verwandt sind, sich jedoch in ihrem Infektionsverhalten und ihren krankmachenden Eigenschaften unterscheiden. „Wir erwarten, dass sich daraus neue Eingriffsmöglichkeiten gegen Virusinfektionen ergeben“, erklärt Becker. Als zentrales Vorhaben sollen auf lange Sicht neue Modelle entwickelt werden, mit denen sich hochpathogene Erreger besser als bisher erforschen lassen, wie etwa das Marburg-, Ebola- oder Lassa-Virus.

Der neue Verbund umfasst 15 wissenschaftliche Arbeitsgruppen aus Marburg und Gießen. „Unser SFB kann sich dabei auf seit langem bestehende intensive Kooperationen stützen und setzt die erfolgreiche Forschungstradition auf dem Gebiet der Virologie an beiden Universitäten fort“, hebt Ziebuhr hervor.

Weitere Informationen:

Professor Dr. Stephan Becker,
Institut für Virologie der
Philipps-Universität Marburg
Tel.: 06421 28-6 6253
E-Mail: becker@staff.uni-marburg.de
Professor Dr. John Ziebuhr,
Institut für Medizinische Virologie der
Justus-Liebig-Universität Gießen
Tel. 0641 99-41200/01/02
E-Mail: john.ziebuhr@viro.med.uni-giessen.de
Medienkontakt:
Philipps-Universität Marburg
Stabsstelle Wissenschaftskommunikation
Tel.: 06421 28-26219
E-Mail: pressestelle@uni-marburg.de
Justus-Liebig-Universität Gießen
Pressestelle
Tel.: 0641 99-12041
E-Mail: pressestelle@uni-giessen.de

Johannes Scholten | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-giessen.de
http://www.uni-marburg.de

Weitere Berichte zu: Genom Krankheitserreger RNA-Viren Virologie Virus Virusinfektion Wirt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gangmessdaten visualisieren und analysieren
16.07.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht „Small meets smaller“ – Nanopartikel beeinflussen Schimmelpilzinfektion der Atemwege
05.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vertikales Begrünungssystem Biolit Vertical Green<sup>®</sup> auf Landesgartenschau Würzburg

16.07.2018 | Architektur Bauwesen

Feinstaub macht Bäume anfälliger gegen Trockenheit

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Krebszellen Winterschlaf halten

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics