Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fachhochschule Gelsenkirchen sagt gefährlichen Krankenhauskeimen den Kampf an

11.06.2010
Forscher der Fachhochschule Gelsenkirchen haben ein intelligentes Handhygiene-Monitoring-System (IHMoS) entwickelt, das helfen soll, die Händedesinfektionsrate zu erhöhen, um Krankenhausinfektionen, sogenannte nosokomiale Infektionen, zu reduzieren. Die Erfindung ist mittlerweile zum Patent angemeldet. Im Rahmen einer klinischen Studie ist das System bereits in einem Krankenhaus im Einsatz.

In Deutschland treten ca. 500.000 Krankenhausinfektionen im Jahr auf. Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass sich jedes Jahr fünf Prozent der Krankenhauspatienten mit einem Keim infizieren. Die Folgen sind Lungenentzündungen, Wundinfektionen oder Blutvergiftungen, die bei rund 40.000 Patienten zum Tod führen. Besonders problematisch in diesem Zusammenhang sind sogenannte Methicillin-resistente-Staphylococcus-aureus-Bakterien (MRSA). Diese sind unempfindlich gegenüber dem Antibiotikum „Methicillin“ und den meisten anderen Antibiotika.

Studien haben bewiesen, dass eine verbesserte Handdesinfektion die Zahl nosokomialer Infektionen signifikant reduzieren kann. Als wichtigste Maßnahme zur Vermeidung von Krankenhausinfektionen wird von Experten daher eine sorgfältige Händehygiene angesehen. 20 bis 40 Prozent aller dieser Infektionen sind laut dem ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) durch bessere Überwachungssysteme vermeidbar.

„Genau hier setzt unsere Erfindung an“, so Prof. Dr. Udo Jorczyk. „Das intelligente Handhygiene-Monitoring-System ermöglicht eine kontinuierliche, automatisierte Überwachung der Handhygiene in Krankenhäusern, führt zu einer deutlichen Entlastung des Krankenhauspersonals und ermöglicht Kosteneinsparungen durch vermiedene Infektionen“.

Seit 2007 gibt es ein Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS) zur Verbesserung der Händehygiene. Dieses wurde vom NRZ (Nationales Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen) etabliert. Die Umsetzung in den Krankenhäusern gestaltet sich allerdings sehr aufwendig, da der Handdesinfektionsmittelverbrauch erfasst werden muss.

Für das Personal bedeutet die Dokumentation und Verarbeitung der zu erhebenden Daten einen großen zeitlichen Aufwand. Als besonders nachteilig erweist sich, dass mit KISS allein ein kurzfristiges Reagieren auf Ereignisse, wie z.B. das gehäufte Auftreten von Infektionen, nicht möglich ist. Dies liegt daran, dass die Datenerhebung bei KISS für einen Beobachtungszeitraum von einem Jahr vorgenommen wird. Daten, die für eine Entscheidungsfindung benötigt werden, liegen zu diesem Zeitpunkt möglicherweise noch nicht vor.

„IHMoS setzt daher darauf, die Daten zur Händedesinfektion kontinuierlich und automatisch zu erfassen und sie jederzeit abrufen zu können“, so Bastian Urban, zusammen mit Jorczyk einer der Erfinder von IHMoS. „Sobald jemand den Desinfektionsspender betätigt, erfasst IHMoS das als Information und speichert es im Krankenhausinformationssystem (KIS). Die Daten sind daher jederzeit und unmittelbar auswertbar und können zu Handlungsempfehlungen führen. Diese Informationen dienen der Hygienefachkraft, um zeitnah auf Ereignisse reagieren zu können oder notwendige, hygienerelevante Arbeitsanweisungen zu entwickeln“.

Nach Aussage von Jorczyk wurde das System nach umfangreichen Interviews mit Anwendern konzipiert und nachhaltig sowie ressourcenschonend entwickelt. Durch einen einfachen Austausch von Modulen ist IHMoS in Europa, Asien und den USA einsetzbar. Die im Krankenhaus vorhandenen Desinfektionsmittelspender können in der Regel nachgerüstet werden. Nachträgliche elektrische oder mechanische Installationen sind nicht notwendig. Die Handdesinfektionsmittelspender benötigen keine Batterien.

„Hier liegt der besondere Vorteil von IHMoS“, so Urban. „Die Akzeptanz von Geräten für deren Gebrauch Batterien benötigt werden, ist sehr gering und sicherlich aus Sicht des Umweltschutzes und der Ressourcenschonung abzulehnen, wenn eine bessere Alternative verfügbar ist. Daher verwenden wir für die Erzeugung der benötigten Energie eine neue Technologie, die beispielsweise aus der Betätigung eines Desinfektionsmittelspenders in Verbindung mit einer sehr energieeffizienten Elektronik die benötigte Funktionalität gewährleistet. IHMoS benötigt daher keine Batterien und ist praktisch wartungsfrei.“

Nach Abschluss der klinischen Studie Anfang September rechnet Jorczyk damit, die weitere Produktentwicklung zügig abzuschließen. Das System wurde bisher zwei führenden Medizintechnik-Unternehmen vorgeführt. Beide Unternehmen sind an IHMoS interessiert. Momentan werden Gespräche mit einem der beiden Unternehmen bezüglich einer Technologiepartnerschaft für Europa und Asien zwecks Einführung von IHMoS in Kliniken und Unternehmen der Lebensmittel verarbeitenden Industrie geführt.

„Der Erfolg von IHMoS hängt sicherlich von vielen Faktoren ab, von denen einige heute vielleicht noch nicht bekannt sind. Ich bin aber zuversichtlich, dass in naher Zukunft IHMoS in Kliniken und Unternehmen zum Einsatz kommen wird, um Patienten und Kunden eine angemessene Transparenz bezüglich hoher Hygiene-Qualitätsstandards bieten zu können“, so Jorczyk.

Ihr Medienansprechpartner für weitere Informationen:
Prof. Dr. Udo Jorczyk, Fachbereich Physikalische Technik der Fachhochschule Gelsenkirchen, Telefon (0209) 9596-584, Telefax (0209) 9596-760, E-Mail: udo.jorczyk@fh-gelsenkirchen.de

Dr. Barbara Laaser | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-gelsenkirchen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Grundlagen der Funktionen von Glutaredoxin-Proteinen im Eisenstoffwechsel und der Signalübertragung aufgeklärt
10.07.2020 | Universität Greifswald

nachricht Internationale Empfehlungen für nicht-tuberkulöse Mykobakterien
08.07.2020 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Electron cryo-microscopy: Using inexpensive technology to produce high-resolution images

Biochemists at Martin Luther University Halle-Wittenberg (MLU) have used a standard electron cryo-microscope to achieve surprisingly good images that are on par with those taken by far more sophisticated equipment. They have succeeded in determining the structure of ferritin almost at the atomic level. Their results were published in the journal "PLOS ONE".

Electron cryo-microscopy has become increasingly important in recent years, especially in shedding light on protein structures. The developers of the new...

Im Focus: Neue Schlankheitstipps für Computerchips

Lange Zeit hat man in der Elektronik etwas Wichtiges vernachlässigt: Wenn man elektronische Bauteile immer kleiner machen will, braucht man dafür auch die passenden Isolator-Materialien.

Immer kleiner und immer kompakter – das ist die Richtung, in die sich Computerchips getrieben von der Industrie entwickeln. Daher gelten sogenannte...

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Im Focus: The spin state story: Observation of the quantum spin liquid state in novel material

New insight into the spin behavior in an exotic state of matter puts us closer to next-generation spintronic devices

Aside from the deep understanding of the natural world that quantum physics theory offers, scientists worldwide are working tirelessly to bring forth a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Ansatz für Gentherapie gegen Herzschwäche

13.07.2020 | Studien Analysen

Komet C/2020 F3 (NEOWISE) mit bloßem Auge am Abendhimmel sichtbar

13.07.2020 | Physik Astronomie

Verbesserte Prüfverfahren für sichere Batteriesysteme

13.07.2020 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics