Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ergotherapie bei Demenz erfolgreich

06.08.2013
Bei mittlerer bis schwerer Demenz wirkt eine an die Betroffenen angepasste Ergotherapie. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler, die dazu im Auftrag des DIMDI die Wirksamkeit der Ergotherapie untersucht haben. Demnach kann sie auch kostengünstiger sein als eine medikamentöse Behandlung.

Die Wissenschaftler bewerteten das verfügbare Wissen auf Basis einer systematischen Literaturrecherche. Im jetzt vom DIMDI publizierten HTA-Bericht (Health Technology Assessment, wissenschaftliche Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien) fassen sie ihre Ergebnisse zusammen. Er ist kostenfrei auf den Webseiten des DIMDI erhältlich.

Positive Effekte durch Ergotherapie

Der Bericht weist nach, dass sich ergotherapeutische Verfahren positiv auf unterschiedliche Lebensbereiche von Patienten auswirken. Die medizinischen Effekte unterscheiden sich je nach untersuchtem Behandlungsverfahren:

- Kognitive Stimulation (Training geistiger Funktionen wie Konzentrationsfähigkeit oder Gedächtnis): verzögert bei leichter bis mittlerer Demenz den geistigen Abbau und vermindert Verhaltensauffälligkeiten wie Aggression. Bei schwerer Demenz kaum wirksam.

- Sensorische Stimulation (Sinnesanregung und verstärkte Reizwahrnehmung, z.B. durch Licht, Musik oder Duft): zeigt positive Effekte in allen drei Stadien der Demenz, z.B. beim Sozialverhalten und täglichen Aktivitäten.

- Funktions- und Fertigkeitstraining (geistig wie körperlich): kann in Kombination mit anderen Verfahren Lebensqualität, Stimmung und Gesundheitszustand verbessern.

Auch Angehörigenberatung wirkt positiv. Sie entlastet Betreuende und steigert ihre Lebensqualität, sodass sie besser zum Therapieerfolg beitragen können. Zwei Studien belegen, dass Ergotherapie zudem kosteneffektiv ist. Die ergotherapeutische Behandlung verringert demnach Kosten für ärztliche, pflegerische und familiäre Betreuung. Eine weitere Studie gibt Hinweise darauf, dass durch Ergotherapie Demenzerkrankte um bis zu eineinhalb Jahre später in ein Heim kommen.

Bei anderen Behandlungsmethoden sind die Ergebnisse nicht eindeutig: Höchstens geringe Effekte finden die Autoren zur sogenannten Validation. Dabei wird im Umgang mit den Patienten ihre Vorstellungswelt angenommen. Auch zu Aktivierungskonzepten fehlen eindeutige Ergebnisse (anleiten dementer Patienten zu einer Aktivität). Multikomponentenprogramme, die kognitive Stimulation, Erinnerungsarbeiten und Entspannungsmaßnahmen kombinieren, zeigen zwar Erfolge. Unklar ist jedoch, ob dies auf die jeweiligen Therapien oder lediglich die regelmäßige Aktivierung zurückzuführen ist.

Aussagekraft der Studien eingeschränkt

Die Autoren betonen, dass methodische Einschränkungen die Aussagekraft der ausgewerteten Studien begrenzen. So berücksichtigen nur wenige Studien die verschiedenen Stadien der Erkrankung oder befassen sich ausdrücklich mit mittlerer bis schwerer Demenz. Auch die kurzen Beobachtungszeiträume nach einer Behandlung beurteilt der Bericht kritisch. Die meist wenigen Wochen bis maximal sechs Monate seien zu kurz, um Aussagen zur Entwicklung der Krankheit treffen zu können.

Fazit der Autoren

Trotz dieser Mängel empfehlen sie Ergotherapie bei moderater bis schwerer Demenz. Therapiemaßnahmen seien dabei an den Bedürfnissen der jeweiligen Patienten zu orientieren, so die Autoren. Positive Effekte sehen sie vor allem bei der Lebensqualität und dem Gemütszustand sowie im alltäglichen Leben von Patienten und Angehörigen. Zudem könne Ergotherapie ggf. Kosten gegenüber medikamentösen Therapien einsparen, da sie den medizinisch-pflegerischen Aufwand reduziert. Zu verbessern sei vor allem die begrenzte Datenlange. Dafür fordern die Autoren weitere Studien, die vor allem die unterschiedlichen Stadien der Demenz abbilden sollten.

Hintergrund

Ergotherapie setzt gezielt Aktivitäten als Behandlungsmaßnahme ein. Ziel ist eine möglichst hohe Lebensqualität im Alltag – auch ohne Medikamente. Geistige Leistungsfähigkeit und Selbstständigkeit im Alltag sollen dazu möglichst lange aufrechterhalten werden.

(Wirksamkeit von Ergotherapie bei mittlerer bis schwerer Demenz; Dieter Korczak, Carola Habermann, Sigrid Braz)

HTA-Berichte bei DAHTA
Die HTA-Berichte sind in der DAHTA-Datenbank beim DIMDI bzw. im HTA-Journal bei German Medical Science (GMS) kostenfrei als Volltext abrufbar. Für die Inhalte der HTA-Berichte sind die genannten Autoren verantwortlich. Alle durch die DAHTA beauftragten Berichte werden in einem standardisierten, anonymisierten Verfahren erstellt, um die Unabhängigkeit der Autoren zu gewährleisten.

Das DIMDI stellt über das Internet hochwertige Informationen für alle Bereiche des Gesundheitswesens zur Verfügung. Es entwickelt und betreibt datenbankgestützte Informationssysteme für Arzneimittel und Medizinprodukte und verantwortet ein Programm zur Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien (Health Technology Assessment, HTA). Das DIMDI ist Herausgeber amtlicher medizinischer Klassifikationen wie ICD-10-GM und OPS und pflegt medizinische Terminologien, Thesauri, Nomenklaturen und Kataloge (z. B. MeSH, UMDNS, Alpha-ID, LOINC, OID), die für die Gesundheitstelematik von Bedeutung sind. Das DIMDI ermöglicht den Online-Zugriff auf seine Informationssysteme und rund 50 Datenbanken aus der gesamten Medizin. Dafür entwickelt und pflegt es moderne Software-Anwendungen und betreibt ein eigenes Rechenzentrum.

Weitere Informationen:

http://www.dimdi.de/de/linkgalerie/hta-bericht-343.elnk
- HTA-Bericht: Volltext (PDF 672 kB)
http://www.dimdi.de/de/linkgalerie/hta-bericht-343-zusammenfassung.elnk
- HTA-Bericht: Kurzfassung (PDF 31 kB)
http://www.dimdi.de/de/hta/db/index.htm
- HTA-Berichte beim DIMDI suchen
http://www.dimdi.de/de/hta/index.htm
- HTA beim DIMDI

Sven Borowski | idw
Weitere Informationen:
http://www.dimdi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aussicht auf neue Therapie bei rheumatoider Arthritis
21.08.2018 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Weiterer Schritt im Kampf gegen Lungenkrebs
21.08.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Dialog an Deck, Science Slam und Pong-Battle

21.08.2018 | Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Zukünftige Informationstechnologien: Wärmetransport auf der Nanoskala unter die Lupe genommen

21.08.2018 | Physik Astronomie

Bedeutung des „Ozeanwetters“ für Ökosysteme

21.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Auf dem Weg zur personalisierten Medizin

21.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics