Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einfache Testreihe zur Früherkennung von Nervenschäden bei Kindern mit Diabetes geeignet

21.11.2012
Viele Kinder mit Typ-1-Diabetes weisen periphere Nervenschäden auf. Diese so genannten Neuropathien bleiben wegen ihrer schleichenden Entwicklung meist lange unbemerkt.
Nun konnten Forscher des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz e.V. (DFNS e.V.) in Kooperation mit der Universität Witten/ Herdecke bei diesen scheinbar beschwerdefreien Kindern mit Hilfe der Quantitativ Sensorischen Testung (QST) eine Beeinträchtigung verschiedener Nervenfunktionen nachweisen, darunter häufig ein vermindertes Empfinden für leichte Berührungen. Die Studie zeigt damit, dass sich die QST als einfache Methode zur Früherkennung von Neuropathien eignet.

Eine frühe Erkennung von Neuropathien, die ohne erkennbare Symptome einhergehen, war bei Kindern mit Typ-1-Diabetes bislang herausfordernd. Dabei ist diese wichtig, um die Kinder möglichst früh zu einer optimalen Einstellung des Blutzuckerspiegels zu motivieren und damit die Entwicklung der diabetischen Neuropathie, die sich später häufig durch brennende Schmerzen äußert, einzudämmen.

QST zeigt auffällig häufig Sensibilitätsstörungen
Nun haben Forscher des DFNS e.V. in Kooperation mit der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln der Universität Witten/Herdecke 45 Kinder mit Typ-1-Diabetes, die hinsichtlich einer Neuropathie und Schmerz unauffällig waren, erstmals mit der standardisierten QST-Testreihe des Verbundes untersucht. Dabei wurden die Wahrnehmung und das Schmerzempfinden für Kälte- und Wärme, feine und spitze Berührungen sowie Vibration und Druck geprüft. „Bei etwa der Hälfte der Kinder konnten wir eine Nervenschädigung aufdecken. Da die QST das gesamte Spektrum der Nervenfaserfunktionalität prüft, konnten wir zeigen, dass neben dicken auch dünne Nervenfasern betroffen waren, die mit keinem anderen Verfahren fassbar sind.“, so Studienleiter Dr. Markus Blankenburg, Klinikum Stuttgart (ehemals Universität Witten/Herdecke). Auffällig häufig trat folgendes Sensibilitätsprofil auf (38 Prozent): ein vermindertes Empfinden für leichte Berührungen mittels dünner Nylonfäden und für Kälte bzw. Wärme, die oft zusammen mit einer Schmerzüberempfindlichkeit auf Druck, spitze Nadelreize oder Kälte bzw. Hitze einhergingen.

Früherkennung: Test auf feine Berührung besser als Vibrationstest
Hinsichtlich eines schnellen Screenings auf Neuropathien ist interessant, dass ein vermindertes Empfinden für leichte Berührungen (33 Prozent) deutlich häufiger vertreten und aussagekräftiger war als eine Einschränkung des Vibrationsempfindens (11 Prozent), das bislang zur Früherkennung angewandt wird. Dazu Prof. Boris Zernikow von der Universität Witten/Herdecke, der die Studie betreut hat: „Der Test auf feine Berührungen ist laut unserer Studie deutlich besser zur Früherkennung einer Neuropathie bei Kindern mit Typ-1-Diabetes geeignet. Der Test ist nicht-invasiv, nicht schmerzhaft, schnell durchführbar, kostengünstig und damit breit einsetzbar.“ Bei einem gestörten Berührungsempfinden auf feine Reize wird die Durchführung der kompletten QST-Batterie angeraten, um das gesamte Sensibilitätsprofil zu erfassen und der Entwicklung einer Neuropathie möglichst frühzeitig entgegenzuwirken. Künftige Studien sind nötig, um die Sensibilitätsprofile bei Kindern mit Typ-1-Diabetes genauer zu klassifizieren und für eine genaue Evaluation der QST als Screeningtest bei asymptomatischer diabetischer Neuropathie.

Literatur (DOI: 10.1111/j.1464-5491.2012.03685.x):
Blankenburg M, Kraemer N, Hirschfeld G, Krumova EK, Maier C, Hechler T, Aksu F, Magerl W, Reinehr T, Wiesel T, Zernikow B (2012) Childhood diabetic neuropathy: functional impairment and non-invasive screening assessment. Diabet Med. 29(11):1425-1432

Über den DFNS e.V.:
Seit 2011 ist der Deutsche Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz (DFNS) ein gemeinnütziger eingetragener Verein. Der DFNS e.V. soll die Nachhaltigkeit des Forschungsverbundes, auch über die Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hinaus, sichern. Ziel ist, die medizinische Versorgung von Patienten mit Nervenschmerzen grundlegend zu verbessern. Im Fokus des DFNS e.V. stehen die Optimierung einer qualitativ hochwertigen Diagnostik und der weiteren Therapie- und Versorgungsforschung neuropathischer Schmerzen. Die Geschäftsstelle ist am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München angesiedelt. Der Vorstand besteht aus Prof. Dr. R. Baron, Kiel (1. Vorsitzender), Prof. Dr. R.-D. Treede, Mannheim (2. Vorsitzender), Prof. Dr. C. Maier, Bochum (Schriftführer) und Prof. Dr. Dr. T. R. Tölle, München (Schatzmeister).

Tanja Schmidhofer | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.tu-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gangmessdaten visualisieren und analysieren
16.07.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht „Small meets smaller“ – Nanopartikel beeinflussen Schimmelpilzinfektion der Atemwege
05.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vertikales Begrünungssystem Biolit Vertical Green<sup>®</sup> auf Landesgartenschau Würzburg

16.07.2018 | Architektur Bauwesen

Feinstaub macht Bäume anfälliger gegen Trockenheit

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Krebszellen Winterschlaf halten

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics