Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017

Tumorzellen erweisen sich oftmals als resistent gegenüber klassischen Tumortherapien, deshalb ist die Suche nach neuen Behandlungswegen besonders bedeutsam.

Nachdem Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Signalwege in Tumorzellen entdeckt hatten, die wichtig für das Überleben dieser malignen (bösartigen) Zellen sind, haben sie jetzt einen neuen vielversprechenden Wirkstoff überprüft, der das Wachstum und vor allem die Metastasierung von Tumoren bremst.


Bösartige Zellen sind rot, sterbende Zellen grün gefärbt. Stribt eine Tumorzelle, überlagern sich die Farben und es kommt zu einer gelben Färbung. Die vielen gelben Zellen zeigen, dass das medikament DMF die Lymphomzellen wirksam bekämpft. (Es handelt sich um Lymphomzellen des Menschen, die auf Mäuse übertragen wurden; Nicolay et al. Blood 2016.)

Die Wissenschaftler des DKFZ konnten den gesamten molekularen Wirkmechanismus dieser Substanz aufklären und sind zur Zeit damit beschäftigt, aus diesen Forschungsergebnissen neue Therapien zu entwickeln.

Dr. Karsten Gülow und sein Team in der Abteilung von Prof. Dr. Peter H. Krammer am DKFZ haben in einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt nach neuen Therapieoptionen für resistente Tumore gesucht. Als Modellsystem diente die besonders agressive Form des kutanen T-Zell-Lymphoms – das sogenannte Sézary Syndrom. Für diese tödlich verlaufende Tumorerkrankung gibt es zur Zeit keinerlei Heilverfahren.

Schon 2009 konnten die Forscher mit Unterstützung der Wilhelm Sander-Stiftung zeigen, dass ein bestimmter Signalweg in diesem Tumor permanent aktiviert ist. Diese schon damals sehr bedeutsamen Daten wurden in der internationalen Fachzeitschrift Cancer Research veröffentlicht und stießen nicht nur in der wissenschaftlichen Gemeinschaft, sondern auch allgemein auf großes Interesse.

Eine direkte Anwendungsmöglichkeit für die Therapie ergab sich damals aber noch nicht. Karsten Gülow, Jan Nicolay und Anne Schröder erforschten in den folgenden Jahren viele mögliche Wege um diesen fehlgesteuerten Signalweg abzuschalten und die Tumorzellen zu töten. Jetzt haben sie einen Wirkstoff gefunden der diese Voraussetzungen erfüllt.

Gülow, Schröder, Nicolay und Kollegen erprobten beim kutanen T-Zell-Lymphom erstmals den Wirkstoff Dimethylfumarat (DMF). Sie konnten zeigen, dass dieser Wirkstoff den fehlgesteuerten Signalweg abschaltet und dass die malignen Zellen dadurch effektiv absterben (siehe Abbildung). Des Weiteren konnten sie auch zeigen, dass die Ausbreitung (Metastasierung) des Tumors auf andere Gewebe verhindert wird.

DMF wird bereits klinisch zur Behandlung der Schuppenflechte und bei Multipler Sklerose angewandt. Daher ist bekannt, dass dieser Wirkstoff nahezu keine Nebenwirkungen aufweist. Der Einsatz von DMF in der Tumortherapie hingegen ist neu und ermöglicht neue Ansätze zur Behandlung von Tumoren wie dem Sézary Syndrom. Diese bedeutenden Erkenntnisse wurden nun in den internationalen Fachzeitschrift Blood und Scientific Reports veröffentlicht.

Literatur:
Kiessling MK, Klemke CD, Kaminski MM, Galani IE, Krammer PH, Gulow K (2009) Inhibition of constitutively activated nuclear factor-kappaB induces reactive oxygen species- and iron-dependent cell death in cutaneous T-cell lymphoma. Cancer Res 69: 2365-74

Nicolay JP, Muller-Decker K, Schroeder A, Brechmann M, Mobs M, Geraud C, Assaf C, Goerdt S, Krammer PH, Gulow K (2016) Dimethyl fumarate restores apoptosis sensitivity and inhibits tumor growth and metastasis in CTCL by targeting NF-kappaB. Blood 128: 805-15

Schroeder A, Warnken U, Roth D, Klika KD, Vobis D, Barnert A, Bujupi F, Oberacker T, Schnolzer M, Nicolay JP, Krammer PH, Gulow K (2017) Targeting Thioredoxin-1 by dimethyl fumarate induces ripoptosome-mediated cell death. Sci Rep 7: 43168

Kontakt:
P.D. Dr. Karsten Gülow / Prof. Dr. Peter H. Krammer
Tumor Immunology Program
Abteilung Immungenetik
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
k.guelow@dkfz.de / p.krammer@dkfz.de

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft und ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland.

Die Wilhelm Sander-Stiftung unterstützte dieses Forschungsprojekt seit 2012 mit 177.000 Euro und fördert die zweite Phase mit über 100.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 220 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Weitere Informationen zur Stiftung: http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Bernhard Knappe | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Nervenbahnen unter Strom
03.07.2020 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Herzreparatur mit der Gen-Schere
02.07.2020 | Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein neuer Weg zur superschnellen Bewegung von Flussschläuchen in Supraleitern entdeckt

Ein internationales Team von Wissenschaftern aus Österreich, Deutschland und der Ukraine hat ein neues supraleitendes System gefunden, in dem sich magnetische Flussquanten mit Geschwindigkeiten von 10-15 km/s bewegen können. Dies erschließt Untersuchungen der reichen Physik nichtlinearer kollektiver Systeme und macht einen Nb-C-Supraleiter zu einem idealen Materialkandidaten für Einzelphotonen-Detektoren. Die Ergebnisse sind in Nature Communications veröffentlicht.

Supraleitung ist ein physikalisches Phänomen, das bei niedrigen Temperaturen in vielen Materialien auftritt und das sich durch einen verschwindenden...

Im Focus: Elektronen auf der Überholspur

Solarzellen auf Basis von Perowskitverbindungen könnten bald die Stromgewinnung aus Sonnenlicht noch effizienter und günstiger machen. Bereits heute übersteigt die Labor-Effizienz dieser Perowskit-Solarzellen die der bekannten Silizium-Solarzellen. Ein internationales Team um Stefan Weber vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz hat mikroskopische Strukturen in Perowskit-Kristallen gefunden, die den Ladungstransport in der Solarzelle lenken können. Eine geschickte Ausrichtung dieser „Elektronen-Autobahnen“ könnte Perowskit-Solarzellen noch leistungsfähiger machen.

Solarzellen wandeln das Licht der Sonne in elektrischen Strom um. Dabei wird die Energie des Lichts von den Elektronen des Materials im Inneren der Zelle...

Im Focus: Electrons in the fast lane

Solar cells based on perovskite compounds could soon make electricity generation from sunlight even more efficient and cheaper. The laboratory efficiency of these perovskite solar cells already exceeds that of the well-known silicon solar cells. An international team led by Stefan Weber from the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz has found microscopic structures in perovskite crystals that can guide the charge transport in the solar cell. Clever alignment of these "electron highways" could make perovskite solar cells even more powerful.

Solar cells convert sunlight into electricity. During this process, the electrons of the material inside the cell absorb the energy of the light....

Im Focus: Das leichteste elektromagnetische Abschirmmaterial der Welt

Empa-Forschern ist es gelungen, Aerogele für die Mikroelektronik nutzbar zu machen: Aerogele auf Basis von Zellulose-Nanofasern können elektromagnetische Strahlung in weiten Frequenzbereichen wirksam abschirmen – und sind bezüglich Gewicht konkurrenzlos.

Elektromotoren und elektronische Geräte erzeugen elektromagnetische Felder, die bisweilen abgeschirmt werden müssen, um benachbarte Elektronikbauteile oder die...

Im Focus: The lightest electromagnetic shielding material in the world

Empa researchers have succeeded in applying aerogels to microelectronics: Aerogels based on cellulose nanofibers can effectively shield electromagnetic radiation over a wide frequency range – and they are unrivalled in terms of weight.

Electric motors and electronic devices generate electromagnetic fields that sometimes have to be shielded in order not to affect neighboring electronic...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz QuApps zeigt Status Quo der Quantentechnologie

02.07.2020 | Veranstaltungen

Virtuelles Meeting mit dem BMBF: Medizintechnik trifft IT auf der DMEA sparks 2020

17.06.2020 | Veranstaltungen

Digital auf allen Kanälen: Lernplattformen, Learning Design, Künstliche Intelligenz in der betrieblichen Weiterbildung, Chatbots im B2B

17.06.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der sechste Sinn der Tiere: Ein Frühwarnsystem für Erdbeben?

03.07.2020 | Biowissenschaften Chemie

Effizient, günstig und ästhetisch: 
Forscherteam baut Elektroden aus Laubblättern

03.07.2020 | Energie und Elektrotechnik

Ein neuer Weg zur superschnellen Bewegung von Flussschläuchen in Supraleitern entdeckt

03.07.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics