Darmflora schuld am Baby-Dauerweinen

Bauchkoliken bereiten gesunden Neugeborenen Schmerzen mit lang andauernden Weinkrämpfen und können dabei auch Eltern in Ratlosigkeit und Verzweiflung treiben.

War die Ursache des Leidens bisher völlig ungeklärt, berichten nun US-Forscher im Journal of Pediatrics, dass sie einen Hinweis dafür entdeckt haben, der zudem Hoffnung auf zukünftige Behandlung gibt.

Schreikrampf-betroffene Säuglinge haben doppelt so viele Calprotectin-Proteine wie unauffällige Babys, was auf eine hohe Anzahl von Darm-Abwehrzellen schließen lässt. Zudem wurde bei den Schreibabys eine geringere Vielfalt von Bakterien im Darm festgestellt, wobei allerdings das in Mund, Haut und Magen anzutreffende Klebsiella-Bakterium überdurschnittlich häufig vertreten war.

Stuhlproben von Babys führten die Forscher auf die Fährte. Kolik-geplagte Neugeborene wiesen hier im Vergleich zu Alterskollegen, die von diesem Leiden verschont blieben, eine deutlich höhere Konzentration von Klebsiella-Bakterien auf.

„Wir glauben, dass das Bakterium eine Entzündungsreaktion hervorruft. Die Entzündung im Darm der Kinder mit Kolik entsprach fast derjenigen von Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen“, so Studienleiter J. Marc Rhoads, Pädiatrist an der Texas Medical School. Beeinflussen könnte man vielleicht den weiteren gefundenen Faktor der geringeren Darmflora-Vielfalt, die laut Rhoads üblicherweise das Gleichgewicht im Darm wiederherstellt. Derzeit wird getestet, ob probiotische Nahrung die Klebsiella-Besiedlung reduzieren oder verhindern kann.

Man weiß heute, dass Koliken bei Frühgeborenen vor allem auf die fehlende Reifung von Verdauungssystem und Darmmuskulatur sowie auf das unbeabsichtigte Luftschlucken bei künstlicher Beatmung zurückgehen können. Bei den Drei-Monats-Koliken nach einer Normalgeburt tappt die Medizin jedoch bisher im Dunkeln. „Wir wissen nicht, was genau Koliken auslöst. Nach heutigem Stand sind sie ungefährlich, plagen jedoch Babys wie auch ihre Eltern ungemein“, bestätigt ein Neugeborenen-Mediziner der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde gegenüber pressetext.

Eine der Ursachen könnte die Einnahme blähender Speisen und Getränke durch die Mutter sein, die per Milch an das Neugeborene weitergegeben werden. Kinderärzte empfehlen daher, nach dem Stillen die mitgeschluckte Luft aufstoßen zu lassen.

Verzweifelte Eltern sind bisher im Bedarfsfall auf Hausmittel angewiesen. „Wärmewickel mit Kirschkernsäckchen entspannen die Darmmuskeln und lösen Krämpfe. Man kann das Baby auf den Unterarm nehmen, mit leichtem Gegendruck halten oder den Bauch im Uhrzeigersinn massieren, was Gase leichter nach außen gelangen lässt. Es gibt zwar Medikamente, die die Schaumbildung im Darm mildern, leider wirken sie jedoch nicht bei jedem Neugeborenen“, so der Neonatologe.

Media Contact

Johannes Pernsteiner pressetext.austria

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