Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Beweis erbracht: Reiner Sauerstoff hilft gegen Clusterkopfschmerz

01.02.2010
Die bislang besten Beweise für den Nutzen von inhaliertem Sauerstoff gegen so genannte Cluster-Kopfschmerzen hat eine Studie mit 76 Erwachsenen erbracht, die vor Kurzem in der Fachzeitschrift JAMA veröffentlicht wurde.

Die stets als unerträglich heftig erlebten Qualen bei dieser Kopfschmerz-Art konnten bei nahezu vier Fünftel dieser Patienten binnen 15 Minuten adäquat gelindert werden.

"Seit mehr als 40 Jahren wird in allen Lehrbüchern der Neurologie und Schmerztherapie die Inhalation von reinem Sauerstoff bei Clusterattacken empfohlen, auch zeigte die klinische Erfahrung eine gute Wirksamkeit", erinnerte der Essener Neurologe und Kopfschmerz-Experte Professor Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. "Erstaunlich ist, wie lange es gedauert hat, bis eine wissenschaftlich sauber durchgeführte Studie die Wirksamkeit dieses Ansatzes bewiesen hat."

Clusterkopfschmerzen zählen zu den vier wichtigsten der 176 verschiedenen Kopfschmerzarten. Sie sind zwar vergleichsweise selten - schätzungsweise jeder Hundertste bis Tausendste hat Clusterkopfschmerzen - die Patienten erleben sie jedoch als extrem qualvoll. Geburtsschmerzen seien dagegen leichter auszuhalten, berichten weibliche Betroffene und ein erschreckend hoher Anteil jener Patienten, denen die Ärzte nicht helfen können, begeht Selbstmord. Typisch ist, dass die Attacken anfallsartig auftreten, immer auf derselben Seite des Kopfes und dort hinter dem Auge, in der Schläfe oder der Stirn wüten.

Der qualvolle Rhythmus gab dem Leiden seinen Namen

Seinen Namen (Cluster) hat dieser spezielle Kopfschmerz-Typ daher, dass die Qualen in einem regelmäßigen Rhythmus gehäuft wiederkehren - zum Teil täglich -, mitunter sogar jeweils zur gleichen Tageszeit, und zwischen 15 Minuten und drei Stunden anhalten. Behandelt wird das Leiden zuvorderst mit bestimmten Migränemitteln aus der Gruppe der Triptane. Diese müssen gespritzt oder als Nasenspray angewandt werden müssen, um eine möglichst schnelle Wirkung zu erzielen. Sie sind wegen ihrer Nebenwirkungen beispielsweise für Herzpatienten nicht ratsam.

In den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, in denen renommierte Experten die jeweils neuesten Erkenntnisse der Forschung für ihre Kollegen zusammenfassen, ist die Sauerstofftherapie bereits enthalten. Mit der jetzt veröffentlichten Studie dürfte sich deren Akzeptanz und Verbreitung in der Praxis aber weiter verbessern. Zu verdanken ist dies Anna S. Cohen und Brian Burns von der Kopfschmerzgruppe der Nationalen Klinik für Neurologie und Neurochirurgie in London, sowie Peter J. Goadsby, dem Leiter der Kopfschmerz-Abteilung an der Universität von Kalifornien in San Francisco, die mit ihrer Veröffentlichung die Sauerstofftherapie nun endgültig auf eine solide Basis gestellt haben.

In ihrer Studie hatten die Neurologen die Teilnehmer im Gebrauch von Atemmasken unterrichtet und ihnen jeweils zwei Behälter mit nach Hause gegeben, die mit "Behandlung 1" und "Behandlung 2" gekennzeichnet waren. In einem der Behälter war reiner Sauerstoff, im anderen normale Atemluft, und die Patienten wurden instruiert, die beiden Behälter jeweils bei vier aufeinander folgenden Attacken abwechselnd zu benutzen. Dabei sollten sie notieren, ob sie nach 15 beziehungsweise 30 Minuten schmerzfrei waren und abschätzen, wie sehr sich die Schmerzen in der ersten Stunde verringerten. Mit 78 gegenüber 20 Prozent erwies sich der Sauerstoff in punkto "Schmerzfreiheit nach 15 Minuten" als eindeutig überlegen und auch nach einer halben Stunde betrug das Verhältnis 72 zu 24 Prozent zugunsten der Sauerstofftherapie. Während mehr als die Hälfte der Patienten bei einer Luftbehandlung auf zusätzliche Medikamente zurück greifen mussten, war es mit Sauerstoff nur etwa ein Viertel.

"Der große Vorteil der Sauerstofftherapie ist, dass sie offenbar keine Nebenwirkungen hat, leicht mit anderen Behandlungen zu kombinieren ist und mehrmals täglich angewandt werden kann", ergänzen die Autoren. Nun sei der Weg frei für eine häufigere Anwendung dieser Behandlung, die eine Alternative darstelle für diejenigen Patienten, die Triptane nicht einnehmen können.

Quellen
o Cohen AS, Burns B, Goadsby PJ. High-flow oxygen for treatment of cluster headache: A randomized trial. JAMA 2009 Dec 9;302(22) :2451-7

o Leitlinie der DGN: Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen
Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener
Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Duisburg-Essen
Hufelandstr 55, 45122 Essen
Tel.: +49-(0)201-7232460
E-Mail: hans.diener@uni-duisburg-essen.de

Frank A. Miltner | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgn.org/pressemitteilung-01.02.2010-2.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Telomerverlängerung entscheidend für Krankheitsverlauf
07.12.2018 | Uniklinik Köln

nachricht Frischfleisch schnell und mobil kontrollieren
06.12.2018 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuartige Lasertechnik für chemische Sensoren in Mikrochip-Größe

Von „Frequenzkämmen“ spricht man bei speziellem Laserlicht, das sich optimal für chemische Sensoren eignet. Eine revolutionäre Technik der TU Wien erzeugt dieses Licht nun viel einfacher und robuster als bisher.

Ein gewöhnlicher Laser hat genau eine Farbe. Alle Photonen, die er abstrahlt, haben genau dieselbe Wellenlänge. Es gibt allerdings auch Laser, deren Licht...

Im Focus: Topological material switched off and on for the first time

Key advance for future topological transistors

Over the last decade, there has been much excitement about the discovery, recognised by the Nobel Prize in Physics only two years ago, that there are two types...

Im Focus: Neue Methode verpasst Mikroskop einen Auflösungsschub

Verspiegelte Objektträger ermöglichen jetzt deutlich schärfere Bilder / 20fach bessere Auflösung als ein gewöhnliches Lichtmikroskop - Zwei Forschungsteams der Universität Würzburg haben dem Hochleistungs-Lichtmikroskop einen Auflösungsschub verpasst. Dazu bedampften sie den Glasträger, auf dem das beobachtete Objekt liegt, mit maßgeschneiderten biokompatiblen Nanoschichten, die einen „Spiegeleffekt“ bewirken. Mit dieser einfachen Methode konnten sie die Bildauflösung signifikant erhöhen und einzelne Molekülkomplexe auflösen, die sich mit einem normalen Lichtmikroskop nicht abbilden lassen. Die Studie wurde in der NATURE Zeitschrift „Light: Science and Applications“ veröffentlicht.

Die Schärfe von Lichtmikroskopen ist aus physikalischen Gründen begrenzt: Strukturen, die näher beieinander liegen als 0,2 tausendstel Millimeter, verschwimmen...

Im Focus: Supercomputer ohne Abwärme

Konstanzer Physiker eröffnen die Möglichkeit, Supraleiter zur Informationsübertragung einzusetzen

Konventionell betrachtet sind Magnetismus und der widerstandsfreie Fluss elektrischen Stroms („Supraleitung“) konkurrierende Phänomene, die nicht zusammen in...

Im Focus: Drei Nervenzellen reichen, um eine Fliege zu steuern

Uns wirft so schnell nichts um. Eine Fruchtfliege kann dagegen schon ein kleiner Windstoß vom Kurs abbringen. Drei große Nervenzellen in jeder Hälfte des Fliegenhirns reichen jedoch aus, um die Fliege mit Hilfe visueller Signale wieder auf Kurs zu bringen.

Bewegen wir uns vorwärts, zieht die Umwelt in die entgegengesetzte Richtung an unseren Augen vorbei. Drehen wir uns, verschiebt sich das Bild der Umwelt im...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Januar und Februar 2019

11.12.2018 | Veranstaltungen

Eine Norm für die Reinheitsbestimmung aller Medizinprodukte

10.12.2018 | Veranstaltungen

Fachforum über intelligente Datenanalyse

10.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuartige Lasertechnik für chemische Sensoren in Mikrochip-Größe

11.12.2018 | Physik Astronomie

Besser Bohren – Neues Nanokomposit stabilisiert Bohrflüssigkeiten

11.12.2018 | Geowissenschaften

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Januar und Februar 2019

11.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics