Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keine Schmerzen mehr nach Brustoperationen

12.12.2007
Frankfurter Universitätsfrauenklinik wendet mit der thorakalen Paravertebralblockade ein neues risikoarmes Verfahren zur Schmerzbetäubung nach einer Brustoperation an / "Hohe Zufriedenheit bei den Patientinnen"

Wundschmerzen nach einer Operation stellen für die Patienten eine erhebliche emotionale und körperliche Belastung dar. Moderne schmerztherapeutische Konzepte können die Häufigkeit und Intensität von postoperativen Schmerzen deutlich mindern und leisten so einen wesentlichen Beitrag zu einer rascheren und komplikationsärmeren Genesung der Patienten nach einer Operation.

An der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Frankfurt am Main unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Manfred Kaufmann ist man der Idealvorstellung eines schmerzfreien Krankenhauses wiederum ein Stück näher gekommen. In Zusammenarbeit mit dem für die Frauenklinik verantwortlichen Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Privatdozent Dr. med. Christian Byhahn, wird seit einiger Zeit ein neues Verfahren zur Schmerztherapie bei Frauen angewendet, die sich einer Brustoperation - meistens im Rahmen von Krebserkrankungen - unterziehen müssen.

Bei dieser so genannten thorakalen Paravertebralblockade wird vor der Operation den Patientinnen an einer Rippe am Rücken ein Schmerzmittel gespritzt, das die Nerven betäubt, die Brust und Achselhöhle versorgen. Durch die Verwendung von Ropivacain, einem modernen, langwirksamen Lokalanästhetikum, können so die operationsbedingten Schmerzen für 36-48 Stunden ausgeschaltet werden. Die Operation findet wie bisher auch unter Vollnarkose statt, jedoch werden durch die zusätzliche, direkte Betäubung des Operationsgebietes weniger Narkosemittel als bisher benötigt.

Nach der Operation wachen die Patientinnen ohne Schmerzen auf, können rascher aus dem Aufwachraum auf ihr Stationszimmer verlegt werden und schneller zu den Aktivitäten des täglichen Lebens zurückkehren. Die Effektivität dieses Anästhesieverfahrens wird neben der hohen Zufriedenheit der Frauen mit dieser Methode auch dadurch unterstrichen, dass in den ersten zwei Tagen nach der Operation ein zusätzliches Schmerzmittel nur noch in Ausnahmefällen von den Patientinnen angefordert wird.

Die so genannte thorakale Paravertebralblockade ist ein technisch einfaches, rasch durchführbares und vor allem risikoarmes Verfahren zur Schmerzausschaltung. Komplikationen wurden bislang im Zusammenhang mit der Paravertebralblockade nicht beobachtet, jedoch ist eine Verletzung des Lungenfells durch die Punktionsnadel in Ausnahmefällen denkbar. Tritt eine solche Komplikation auf, muss diese gegebenenfalls durch die Einlage eines dünnen Drainageschlauchs in den Brustkorb der Patientin während der Operation behandelt werden. Statistisch liegt dieses Risiko deutlich unter einem Prozent.

In einer Studie an 129 Patientinnen, die sich einer Brustamputation und Entfernung der benachbarten Lymphknoten unterziehen mussten, konnten irische Wissenschaftler zudem zeigen, dass das Risiko des Auftretens eines Tumorrezidivs oder von Metastasen bei den Frauen, die zusätzlich zur Vollnarkose einen Paravertebralblock erhielten, nach drei Jahren signifikant geringer war als bei der Patientengruppe, die ohne zusätzliches Regionalanästhesieverfahren operiert wurden (Anesthesiology 2006;105-660-4). Die Autoren der Arbeit führen diese Beobachtungen auf die verminderte Ausschüttung von potentiell prokanzerogenen Stressmediatoren während einer kombinierten Allgemein- und Regionalanästhesie zurück. Auch die Häufigkeit von chronifizierenden Schmerzen, etwa des so genannten Postmastektomieschmerzes, ist bei der Anwendung der Paravertebralblockade deutlich geringer als bei einer alleinigen Vollnarkose.

"Eine Befragung der Patientinnen an der Frankfurter Universitätsfrauenklinik ergab eine extrem hohe Zufriedenheit mit diesem Verfahren zur Schmerzausschaltung", erklärt Prof. Dr. Manfred Kaufmann. Als objektiver Parameter kann zusätzlich der postoperative Bedarf an intravenös verabreichten Schmerzmitteln herangezogen werden: weniger als 2% der Frauen benötigten in den ersten beiden Tagen nach der Operation zusätzliche Schmerzmittel (z. B. Opioide wie Morphin), was ohne Paravertebralblockade nahezu regelhaft der Fall war.

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Manfred Kaufmann
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Klinikum der J. W. Goethe-Universität Frankfurt/M.
Fon (0 69) 63 01 - 51 15
Fax (0 69) 63 01 - 63 17
E-Mail M.Kaufmann@em.uni-frankfurt.de
Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
Fon (0 69) 63 01 - 77 64
Fax (0 69) 63 01 - 8 32 22
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Genaue Entschlüsselung von Brustkrebszellen könnte neue Therapie eröffnen
16.04.2019 | Universität Zürich

nachricht Dauerstress stört die Frakturheilung Überreaktionen des Immunsystems behindern Knochenneubildung
08.04.2019 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Explosion on Jupiter-sized star 10 times more powerful than ever seen on our sun

A stellar flare 10 times more powerful than anything seen on our sun has burst from an ultracool star almost the same size as Jupiter

  • Coolest and smallest star to produce a superflare found
  • Star is a tenth of the radius of our Sun
  • Researchers led by University of Warwick could only see...

Im Focus: Neues „Baustein-Konzept“ für die additive Fertigung

Volkswagenstiftung fördert Wissenschaftler aus dem IPF Dresden bei der Erkundung eines innovativen neuen Ansatzes im 3D-Druck

Im Rahmen Ihrer Initiative „Experiment! - Auf der Suche nach gewagten Forschungsideen“
fördert die VolkswagenStiftung ein Projekt, das von Herrn Dr. Julian...

Im Focus: Vergangenheit trifft Zukunft

autartec®-Haus am Fuß der F60 fertiggestellt

Der Hafen des Bergheider Sees beherbergt seinen ersten Bewohner. Das schwimmende autartec®-Haus – entstanden im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung...

Im Focus: Hybrid-Neuronen-Netzwerke mit 3D-Lithografie möglich

Netzwerken aus wenigen Neuronenzellen können gezielt künstliche dreidimensionale Strukturen vorgegeben werden. Sie werden dafür elektronisch verschaltet. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, Fehler in neuralen Netzwerken besser zu verstehen und technische Anwendungen mit lebenden Zellen gezielter zu steuern. Dies stellt ein Team aus Forschenden aus Greifswald und Hamburg in einer Publikation in der Fachzeitschrift „Advanced Biosystems“ vor.

Eine der zentralen Fragen der Lebenswissenschaften ist, die Funktionsweise des Gehirns zu verstehen. Komplexe Abläufe im Gehirn ermöglichen uns, schnell Muster...

Im Focus: Was geschieht im Körper von ALS-Patienten?

Wissenschaftler der TU Dresden finden Wege, um das Absterben von Nervenzellen zu verringern und erforschen Therapieansätze zur Behandlung von ALS

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems. Nicht selten verläuft ALS nach der Diagnose innerhalb...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck

17.04.2019 | Veranstaltungen

Augmented Reality und Softwareentwicklung: 33. Industrie-Tag InformationsTechnologie (IT)²

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Irdischer Schutz für außerirdisches Metall

18.04.2019 | Verfahrenstechnologie

Erster astrophysikalischer Nachweis des Heliumhydrid-Ions

18.04.2019 | Physik Astronomie

Radioteleskop LOFAR blickt tief in den Blitz

18.04.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics