Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflanzliche Ersatz-Hormone zeigen Wirkung im Tiermodell

16.05.2002


Europäisches Projekt EUROSTERONE untersucht sexualhormon-ähnliche Substanzen

Pflanzliche Ersatz-Hormone haben erste positive Wirkungen bei Beschwerden in den Wechseljahren im Tiermodell und in klinischen Studien gezeigt.


Die so genannten Phyto-Östrogene können Geschlechtshormone ersetzen, die Steroid-Hormone, die für die Hormonumstellung des menschlichen Körpers in den Wechseljahren verantwortlich sind. Ob auch spätere Ausfallserscheinungen der Sexualhormone durch diese pflanzlichen Ersatz-Substanzen günstig beeinflusst werden, ist wenig bekannt. Seit zwei Jahren befasst sich eine Forschergruppe am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen in dem Projekt (E)UROESTROGEN(E)S mit den Wirkungsweisen von Sexualsteroiden und von pflanzlichen Inhaltsstoffen mit geschlechtshormonähnlicher Wirkung speziell im Urogenitaltrakt. In dem von der Europäischen Union mit insgesamt 3,9 Millionen Euro geförderten Projekt arbeiten sieben medizinische Fakultäten aus ganz Europa zusammen. Vom Bereich Humanmedizin Göttingen kooperieren die Abteilungen Klinische und Experimentelle Endokrinologie (Leiter Prof. Wolfgang Wuttke), Urologie (Leiter Prof. Rolf-Hermann Ringert) und Gynäkologie und Geburtshilfe (Leiter Prof. Günter Emons).

Steroidhormone sind niedermolekulare Substanzen, die von den Geschlechtsdrüsen (Hoden, Eierstöcke) und der Nebennierenrinde produziert werden. Sie spielen für die Fortpflanzung wie auch für zahlreiche Körperfunktionen eine wichtige Rolle. Ihr Wegfall nach dem Klimakterium kann zu krankhafter Osteoporose (Veränderung von Knochen), Arteriosklerose (Veränderung von Arterien) und möglicherweise zur Entwicklung der Alzheimer Krankheit führen. Ebenso werden die Organe des Urogenitaltraktes (Gebärmutter, Scheide, Harnblase und Harnleiter der Frau sowie Harnblase und Vorsteherdrüse des Mannes) von den Hormonen beeinflusst. Im Vordergrund des Forschungsprojektes stehen die Wirkungen der Steroidhormone im weiblichen und männlichen Urogenitaltrakt. Diese werden zunächst im Tierexperiment untersucht. Es sind besonders ältere Menschen, die unter dem Mangel an Steroidhormonen leiden. Bei Frauen in der Postmenopause häufen sich Blasenerkrankungen, insbesondere chronisch auftretende Blasenentzündungen. Eine trockene Scheide kann chronisch entzündliche Prozesse verursachen und den Geschlechtsverkehr erschweren. Harninkontinenz gehört ebenfalls zu den Folgen des Östrogenmangels. Viele Frauen und Männer leiden unter dem unwillkürlichen Abgang von Harn bei Husten, Niesen oder körperlicher Anstrengung. Dieses als Stressinkontinenz bezeichnete Symptom ist durch die ausbleibende Östrogenproduktion bedingt. Da auch die Harnblase und der Verschlussmechanismus der Harnblase des Mannes mit Östrogenrezeptoren ausgestattet ist, liegt die Vermutung nahe, dass auch hier eine östrogene Komponente eine Rolle spielt, die bisher noch völlig unerforscht ist. Durch Einnahme von Östrogenen können diese Beschwerden gelindert werden. Allerdings können auch unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Die Forschungen von (E)UROESTROGEN(E)S könnten vor allem klären, ob diese unerwünschten Nebenwirkungen in der Gebärmutter (wie Blutungen oder Begünstigung der Entstehung eines Gebärmutterkrebses) auch bei den pflanzlichen Ersatzstoffen auftreten.

Zahlreiche Pflanzen produzieren Substanzen, die eine so genannte SERM-Aktivität aufweisen. Das sind selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren, die Osteoporose und Arteriosklerose in den Arterien zu verhindern scheinen, aber keine Wirkungen in der Brustdrüse oder der Gebärmutter haben. Über eine Wirkung im Urogenitaltrakt von Frauen und Männern liegen bisher noch keine Untersuchungen vor. Deshalb hat es sich das (E)UROESTROGEN(E)S-Konsortium zur Aufgabe gemacht, die Rolle der SERM-Substanzen mit dem der Phyto-Östrogene im weiblichen und im männlichen Urogenitaltrakt zunächst tierexperimentell und später in klinischen Studien zu vergleichen. Die bekanntesten bisher isolierten Phytoöstrogene stammen aus der Sojabohne und dem Süßklee; aber auch lange bekannte Mittel zur Verhinderung von klimakterischen Beschwerden, wie aufsteigende Hitzewallungen etc., wie Präparate aus der Wurzel der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) werden untersucht. Sie besitzen nach jüngeren Forschungsergebnissen positive Wirkungen auf den Knochen und das Herzkreislaufsystem. Ihre Wirkung auf den Urogenitaltrakt von Mann und Frau sind bisher ebenfalls noch nicht untersucht worden.
Beim Mann ist im höheren Lebensalter eine Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostata), die so genannte benigne Prostatahyperplasie (BPH), ein häufiger Grund für erhebliche Beschwerden. Da das Gewebe der Vorsteherdrüse in erheblichem Ausmaß die verschiedenen Östrogenrezeptortypen produziert, hat das (E)UROESTROGEN(E)S-Programm auch tierexperimentelle Untersuchungen zur Entstehung der BPH geplant. Die bösartige Entartung von Prostatagewebe, das Prostatakarzinom, ist die zweithäufigste Karzinomart des Mannes. Entstehung und die frühe Progression des Prostatakarzinoms unterliegt der Steuerung durch männliche Geschlechtshormone, den Androgenen. Aber auch hier wird eine Rolle der weiblichen Geschlechtshormone, die noch weitestgehend unerforscht sind, postuliert.

Weitere Informationen:

Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Abt. Klinische und Experimentelle Endokrinologie
Prof. Dr. Wolfgang Wuttke
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 - 6714

Bettina Bulle | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gegen multiresistente Tuberkulose-Erreger: Mit künstlicher Intelligenz neuen Wirkstoffkombinationen auf der Spur
27.02.2020 | Klinikum der Universität München

nachricht Seeschnecken-Roboter erwacht durch Licht zum Leben
27.02.2020 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wiegende Halme auf der Handwerksmesse München

Talente-Sonderschau: Architekturstudenten der HTWK Leipzig zeigen filigrane Skulptur aus Strohhalmen – dahinter steckt eine Konstruktionsidee für organisch gekrümmte Fassaden

Swaying Straws (Wiegende Halme) heißt die Skulptur, die die zwei Architekturstudenten Fabian Eidner und Theodor Reinhardt von der Hochschule für Technik,...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten aktuellen Stand der Anwendung des Maschinenlernens bei Forschung an aktiven Materialien

Verfahren des Maschinenlernens haben durch die Verfügbarkeit von enormen Datenmengen in den vergangenen Jahren einen großen Zuwachs an Anwendungen in vielen Gebieten erfahren: vom Klassifizieren von Objekten, über die Analyse von Zeitreihen bis hin zur Kontrolle von Computerspielen und Fahrzeugen. In einem aktuellen Review in der Zeitschrift „Nature Machine Intelligence“ beleuchten Autoren der Universitäten Leipzig und Göteborg den aktuellen Stand der Anwendung und Anwendungsmöglichkeiten des Maschinenlernens im Bereich der Forschung an aktiven Materialien.

Als aktive Materialien bezeichnet man Systeme, die durch die Umwandlung von Energie angetrieben werden. Bestes Beispiel für aktive Materialien sind biologische...

Im Focus: Computersimulationen stellen bildlich dar, wie DNA erkannt wird, um Zellen in Stammzellen umzuwandeln

Forscher des Hubrecht-Instituts (KNAW - Niederlande) und des Max-Planck-Instituts in Münster haben entdeckt, wie ein essentielles Protein bei der Umwandlung von normalen adulten humanen Zellen in Stammzellen zur Aktivierung der genomischen DNA beiträgt. Ihre Ergebnisse werden im „Biophysical Journal“ veröffentlicht.

Die Identität einer Zelle wird dadurch bestimmt, ob die DNA zu einem beliebigen Zeitpunkt „gelesen“ oder „nicht gelesen“ wird. Die Signalisierung in der Zelle,...

Im Focus: Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

Forscher der Universität Bayreuth haben ein ungewöhnliches Material entdeckt: Bei einer Abkühlung auf zwei Grad Celsius ändern sich seine Kristallstruktur und seine elektronischen Eigenschaften abrupt und signifikant. In diesem neuen Zustand lassen sich die Abstände zwischen Eisenatomen mithilfe von Lichtstrahlen gezielt verändern. Daraus ergeben sich hochinteressante Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Informationstechnologien. In der Zeitschrift „Angewandte Chemie – International Edition“ stellen die Wissenschaftler ihre Entdeckung vor. Die neuen Erkenntnisse sind aus einer engen Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen in Augsburg, Dresden, Hamburg und Moskau hervorgegangen.

Bei dem ungewöhnlichen Material handelt es sich um ein Eisenoxid mit der Zusammensetzung Fe₅O₆. In einem Hochdrucklabor des Bayerischen Geoinstituts (BGI),...

Im Focus: Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

Studie von Mainzer Physikern zeigt: Experimente der nächsten Generation versprechen Antworten auf eine der aktuellsten Fragen der Neutrinophysik

Eine der spannendsten Herausforderungen der modernen Physik ist die Ordnung oder Hierarchie der Neutrinomassen. Eine aktuelle Studie, an der Physiker des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hate Speech bis KI: Online-Forscher_innen aus aller Welt treffen sich zur General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2020 | Veranstaltungen

CLIMATE2020 – Weltweite Online-Klimakonferenz vom 23. bis 30. März 2020

26.02.2020 | Veranstaltungen

Automatisierung im Dienst des Menschen

25.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Asteroid in eiserner Rüstung

28.02.2020 | Geowissenschaften

Hate Speech bis KI: Online-Forscher_innen aus aller Welt treffen sich zur General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

UV-Licht gegen störenden Unterwasserbewuchs – Innovatives Antifouling-System des IOW jetzt reif für Serienproduktion

28.02.2020 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics