Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemo-Resistenz überwinden

06.05.2002


Heilungschancen von Patienten mit Gehirntumoren verbessern

Die Heilungschancen von Patienten mit einem Glioblastom sind nach wie vor schlecht: Diese bösartige Krebserkrankung des Gehirns führt trotz Behandlung oft innerhalb eines Jahres zum Tod. Forscher an der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Tübingen untersuchen, warum Glioblastomzellen so widerstandsfähig sind. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Forschungsvorhaben mit rund 107.000 Euro.

Glioblastome sind die bösartigsten Tumoren des Gehirns. Trotz Operation und Strahlentherapie stirbt die Hälfte der Betroffenen innerhalb eines Jahres. Auch eine zusätzliche Chemotherapie verlängert das Leben der Patienten im Schnitt lediglich um zwei bis drei Monate. Der Grund hierfür ist die so genannte Chemo-Resistenz: Tumorzellen, die normalerweise durch Krebsmedikamente zugrunde gehen, sind biologisch so verändert, dass das Zelltodprogramm (Apoptose) ausgeschaltet ist. Die Geschwulst überlebt und wuchert weiter.

Über die Ursachen dieser Chemo-Resistenz wissen Forscher immer noch sehr wenig. Sie vermuten, dass ein "saures" Milieu, also ein niedriger pH-Wert (Azidose) im Gewebe, für die Widerstandsfähigkeit eines Gehirntumors verantwortlich ist. Aber auch ein Mangel an Sauerstoff (Hypoxie) im Tumorgewebe könnte eine Ursache sein.

Azidose und Hypoxie entstehen durch rasch wachsende Tumorzellen sowie eine chaotische und oft unzureichende Versorgung mit Blutgefäßen. Solche schlechten Lebensbedingungen erzeugen einen Selektionsdruck, der besonders aggressive Tumorzellen hervorbringt. Es wachsen Zellen heran, die weniger Sauerstoff brauchen und nicht mehr in den programmierten Zelltod getrieben werden. Hypoxie und Azidose verändern die Aktivität von Apoptose-Genen. Sauerstoffmangel und ein saures Milieu schwächen vermutlich außerdem auch direkt die Verteilung und Wirkung von Krebsmedikamenten.

Wissenschaftler der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Tübingen versuchen nun, den Nachweis für die Wirkung dieser beiden Faktoren auf die Chemo-Resistenz zu liefern. Unter der Leitung von Privatdozent Dr. Michael Weller entwickeln sie dafür Zellkulturmodelle, mit denen das saure Milieu und der Sauerstoffmangel in einem Tumor nachgeahmt werden können. "Wir müssen Bedingungen schaffen, die denen eines echten Tumors entsprechen", so Projektleiter Weller. Nur dann könne man den Ursachen der Chemo-Resistenz wirklich auf die Spur kommen.

"Ein besseres Verständnis der Lebensbedingungen von Glioblastomzellen kann uns helfen, die medikamentöse Behandlung dieser bösartigen Hirntumoren zu optimieren", so der Tübinger Forscher. Beispielsweise könne man dann Chemotherapeutika auswählen, die auch im sauren Milieu und bei Sauerstoffmangel wirken. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit dem Ziel, die Heilungschancen von Patienten mit einem Hirntumor maßgeblich zu verbessern.

Im Rahmen ihrer Reihe "Die blauen Ratgeber" hat die Deutsche Krebshilfe zum Thema "Gehirntumoren" eine Broschüre herausgegeben. Allgemeinverständlich und anschaulich wird beschrieben, wie das Gehirn aufgebaut ist und wie es funktioniert, welche Tumorenarten es gibt und wie sie behandelt werden können. Die Broschüre kann kostenfrei angefordert werden bei der Deutschen Krebshilfe, Thomas-Mann-Straße 40, 53111 Bonn oder im Internet unter www.krebshilfe.de heruntergeladen werden. Dort erhalten Interessierte außerdem weitere Informationen über die Arbeit und die Projekte der Deutschen Krebshilfe.

Infokasten: Hirntumoren

 

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Berlin erkranken jährlich in Deutschland rund 6.300 Menschen neu an einem Hirntumor. Er macht damit knapp zwei Prozent aller Krebserkrankungen aus und gehört zu den eher seltenen Tumorarten. Im Jahr 1999 starben 5.051 Patienten an den Folgen dieser Krebserkrankung. Gehirntumoren können von der Gehirnsubstanz selbst ausgehen, von den Hirnhäuten, den Hirnnerven oder der Hirnanhangdrüse. Darüber hinaus gibt es die Gehirnmetastasen, die sich als Tochtergeschwülste von Krebserkrankungen anderer Organe in das Gehirn abgesiedelt haben. Warum sich Zellen des Gehirns bösartig verändern können, ist noch weitgehend ungeklärt. Es sind bislang weder Lebensgewohnheiten noch Umwelteinflüsse bekannt, die die Entstehung dieser Tumoren begünstigen.
Projekt-Nr. 10-1802-We5

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/

Weitere Berichte zu: Chemo-Resistenz Gehirntumor Hirntumor Hypoxie Krebserkrankung Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Coronavirus: Reproduktionszahl genauer geschätzt
02.06.2020 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Teamwork entschlüsselt Immunschädigung im Auge
02.06.2020 | Uniklinik Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

Ist die Elektronik, so wie wir sie kennen, am Ende?

Der Einsatz moderner elektronischer Schaltkreise für immer leistungsfähigere Rechentechnik und mobile Endgeräte stößt durch die zunehmende Miniaturisierung in...

Im Focus: K-State study reveals asymmetry in spin directions of galaxies

Research also suggests the early universe could have been spinning

An analysis of more than 200,000 spiral galaxies has revealed unexpected links between spin directions of galaxies, and the structure formed by these links...

Im Focus: Neue Messung verschärft altes Problem

Seit Jahrzehnten rätseln Astrophysiker über zwei markante Röntgen-Emissionslinien von hochgeladenem Eisen: ihr gemessenes Helligkeitsverhältnis stimmt nicht mit dem berechneten überein. Das beeinträchtigt die Bestimmung der Temperatur und Dichte von Plasmen. Neue sorgfältige, hoch-präzise Messungen und Berechnungen mit modernsten Methoden schließen nun alle bisher vorgeschlagenen Erklärungen für diese Diskrepanz aus und verschärfen damit das Problem.

Heiße astrophysikalische Plasmen erfüllen den intergalaktischen Raum und leuchten hell in Sternatmosphären, aktiven Galaxienkernen und Supernova-Überresten....

Im Focus: New measurement exacerbates old problem

Two prominent X-ray emission lines of highly charged iron have puzzled astrophysicists for decades: their measured and calculated brightness ratios always disagree. This hinders good determinations of plasma temperatures and densities. New, careful high-precision measurements, together with top-level calculations now exclude all hitherto proposed explanations for this discrepancy, and thus deepen the problem.

Hot astrophysical plasmas fill the intergalactic space, and brightly shine in stellar coronae, active galactic nuclei, and supernova remnants. They contain...

Im Focus: Neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren auf Basis innovativer DNA-Polymerasen entwickelt

Eine Forschungskooperation der Universität Konstanz unter Federführung von Professor Dr. Christof Hauck (Fachbereich Biologie) mit Beteiligung des Klinikum Konstanz, eines Konstanzer Diagnostiklabors und des Konstanzer Unternehmens myPOLS Biotec, einer Ausgründung aus der Arbeitsgruppe für Organische Chemie / Zelluläre Chemie der Universität Konstanz, hat ein neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren entwickelt. Dieser Test ermöglicht es, Ergebnisse in der Hälfte der Zeit zu ermitteln – im Vergleich zur klassischen Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR).

Die frühe Identifikation von Patienten, die mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert sind, ist zentrale Voraussetzung bei der globalen Bewältigung...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

03.06.2020 | Informationstechnologie

Wundheilung detailliert aufgeschlüsselt

03.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Ein einzelnes Gen bestimmt das Geschlecht von Pappeln

03.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics