Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Sniffin’ Sticks" als Mittel zur Parkinson-Diagnose

21.12.2000


Wenn auffällige Anzeichen wie heftiges Zittern oder Muskelstarre sich bemerkbar machen, ist die Parkinsonsche Krankheit oft schon in eine fortgeschrittene Phase eingetreten. Riechstörungen dagegen treten frühzeitig auf und sind eines der häufigsten Symptome für das Parkinsonsyndrom. Bisher fehlte aber ein praktikables Testverfahren für den Schwund des Geruchssinns. Am Institut für Pharmakologie der Universität Erlangen-Nürnberg hat Prof. Dr. Gerd Kobal ein solches Verfahren entwickelt: den Erlanger Riechtest (ERT). Duftnoten auf"Sniffin’ Sticks" oder Riechstäbchen können einer Studie zufolge, die in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Christoph Lang von der Neurologischen Universitätsklinik durchgeführt wurde, von Parkinson-Patienten deutlich schlechter wahrgenommen werden als von gesunden Personen.

Auf dem Erlanger Riechtest könnte künftig eine einfache, preiswerte, standardisierte und zuverlässige Methode der Diagnose von Morbus Parkinson basieren, die den Verdacht beizeiten in die richtige Richtung lenkt. Tremor und Rigor, die beiden typischen Erkennungszeichen, leiten keineswegs in allen Fällen die Erkrankung ein. Das Zittern in Ruhestellung befällt im Frühstadium etwa die Hälfte der Patienten; das Erstarren der Muskeln kommt nur bei 17 Prozent in einer frühen Phase vor. Dass die Fehlerrate der klinischen Diagnostik derzeit bei 30 Prozent liegt, ist unter diesen Umständen nicht verwunderlich; beispielsweise werden die Patienten dann zunächst orthopädisch behandelt.

Störungen der Geruchswahrnehmung, auch wenn sie den Erkrankten oftmals nicht zu Bewusstsein kommen, könnten deshalb als früher Indikator äußerst hilfreich sein. Sie sind unabhängig von einer medikamentösen Behandlung und kommen bei Erkrankungen, die sonst nur schwer von der Parkinsonschen Krankheit abgrenzbar sind, überhaupt nicht oder nur in sehr geringem Ausmaß vor.

Klare Unterschiede in drei Teststufen

In einer Studie verglichen die Erlanger Wissenschaftler die Riechfähigkeit von 40 Parkinsonpatienten mit der von 40 gesunden Kontrollpersonen. Unter anderen testeten Mitglieder von Parkinson-Selbsthilfegruppen in Nürnberg und Erlangen die "Sniffin’ Sticks", mit Duftstoffen gefüllte Röhrchen, die den Testpersonen im Abstand von einem Zentimeter unter die Nase gehalten werden. Andere mögliche Beeinträchtigungen des Geruchssinns wurden vorab ausgeschlossen; auch das Alter wurde berücksichtigt, da im 7. bis 8. Lebensjahrzehnt die Riechfähigkeit generell abnimmt. Die Ergebnisse fielen eindeutig aus: Beim Schwellenwert - der geringsten Konzentration eines Duftstoffs, die eben noch wahrnehmbar ist - ebenso wie bei der Unterscheidung ähnlicher Geruchsrichtungen oder der Benennung von Düften schnitt die Kontrollgruppe signifikant besser ab.

In seiner derzeitigen dreiteiligen Form ist der Text noch relativ zeitaufwendig und anspruchsvoll. Einer der Untertests - die Identifikation von 16 verschiedenen Duftstoffen wie Apfel, Kaffee, Schuhleder oder Benzin - könnte für die klinische Diagnostik ausreichen. Dieser Test dauert höchstens eine Viertelstunde und kostet nicht mehr als eine Mark pro Person. Da die Parkinsonsche Krankheit bisher nicht heilbar ist, kann eine richtige Diagnose im Frühstadium keinen Beitrag in dieser Richtung liefern; eine gezieltere Behandlung mit Medikamenten, die zumindest den Verlauf verlangsamen, ist jedoch möglich.

* Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Kobal

... mehr zu:
»Parkinson »Pharmakologie

Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie
Krankenhausstraße 9, 91054 Erlangen, Tel.: 09131/85 -22277, Fax: 09131/85 -26898
E-Mail: gerd.kobal@physpharm.uni-erlangen.de

Gertraud Pickel | idw

Weitere Berichte zu: Parkinson Pharmakologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bekannte Arzneimittel – neue Wirkung im Kampf gegen Infektionen?
06.06.2019 | Paul-Ehrlich-Institut - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel

nachricht Erste zugelassene Gentherapie in der Augenheilkunde am Klinikum der LMU München durchgeführt
05.06.2019 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die verborgene Struktur des Periodensystems

Die bekannte Darstellung der chemischen Elemente ist nur ein Beispiel, wie sich Objekte ordnen und klassifizieren lassen.

Das Periodensystem der Elemente, das die meisten Chemiebücher abbilden, ist ein Spezialfall. Denn bei dieser tabellarischen Übersicht der chemischen Elemente,...

Im Focus: The hidden structure of the periodic system

The well-known representation of chemical elements is just one example of how objects can be arranged and classified

The periodic table of elements that most chemistry books depict is only one special case. This tabular overview of the chemical elements, which goes back to...

Im Focus: MPSD-Team entdeckt lichtinduzierte Ferroelektrizität in Strontiumtitanat

Mit Licht lassen sich Materialeigenschaften nicht nur messen, sondern auch verändern. Besonders interessant sind dabei Fälle, in denen eine fundamentale Eigenschaft eines Materials verändert werden kann, wie z.B. die Fähigkeit, Strom zu leiten oder Informationen in einem magnetischen Zustand zu speichern. Ein Team um Andrea Cavalleri vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie in Hamburg, hat nun Lichtimpulse aus dem Terahertz-Frequenzspektrum benutzt, um ein nicht-ferroelektrisches Material in ein ferroelektrisches umzuwandeln.

Ferroelektrizität ist ein Zustand, in dem die Atome im Kristallgitter eine bestimmte Richtung "aufzeigen" und dadurch eine makroskopische elektrische...

Im Focus: MPSD team discovers light-induced ferroelectricity in strontium titanate

Light can be used not only to measure materials’ properties, but also to change them. Especially interesting are those cases in which the function of a material can be modified, such as its ability to conduct electricity or to store information in its magnetic state. A team led by Andrea Cavalleri from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg used terahertz frequency light pulses to transform a non-ferroelectric material into a ferroelectric one.

Ferroelectricity is a state in which the constituent lattice “looks” in one specific direction, forming a macroscopic electrical polarisation. The ability to...

Im Focus: Konzert der magnetischen Momente

Forscher aus Deutschland, den Niederlanden und Südkorea haben in einer internationalen Zusammenarbeit einen neuartigen Weg entdeckt, wie die Elektronenspins in einem Material miteinander agieren. In ihrer Publikation in der Fachzeitschrift Nature Materials berichten die Forscher über eine bisher unbekannte, chirale Kopplung, die über vergleichsweise lange Distanzen aktiv ist. Damit können sich die Spins in zwei unterschiedlichen magnetischen Lagen, die durch nicht-magnetische Materialien voneinander getrennt sind, gegenseitig beeinflussen, selbst wenn sie nicht unmittelbar benachbart sind.

Magnetische Festkörper sind die Grundlage der modernen Informationstechnologie. Beispielsweise sind diese Materialien allgegenwärtig in Speichermedien wie...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Automatisiertes Fahren

17.06.2019 | Veranstaltungen

Doc Data – warum Daten Leben retten können

14.06.2019 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - August 2019

13.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Weizensorten bewähren sich auch unter widrigen Anbaubedingungen

17.06.2019 | Agrar- Forstwissenschaften

Inventur in der Synapse

17.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Zellbiologie - Qualitätskontrolle für Mitochondrien

17.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics