Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hyperbarer Sauerstoff

23.10.2000


... mehr zu:
»HBO »HBO-Therapie
Modifikation der Sauerstoff-Überdrucktherapie
AGA-HBO-Award für Prof. Speit

Prof. Dr. Günter Speit, Dr. Claudia Dennog und Dipl.-Biol. Andreas Rothfuß (alle Abteilung Humangenetik der Universität Ulm, Leiter Prof. Dr. Walther Vogel) sind mit dem AGA-HBO-Award 2000 für ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wirkung von hyperbarem Sauerstoff (HBO) und ihren Beitrag zum Verständnis der Hyperbaren Sauerstofftherapie (Sauerstoff-Überdrucktherapie) ausgezeichnet worden. Der AGA-HBO-Award ist mit 5.000,- DM dotiert. Er wird jährlich von der AGA Gas GmbH & Co. KG und dem Verband Deutscher Druckkammerzentren e.V. vergeben.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Speit beforscht seit mehreren Jahren genetische Effekte in Zellen, die verstärkt der Einwirkung von Sauerstoff ausgesetzt sind. Dabei hat sich die HBO-Therapie als besonders geeignetes Modell erwiesen. Sauerstoff ist für Zellen einerseits lebensnotwendig, kann jedoch in aktivierter Form (Sauerstoffradikale) zu Zellschäden führen. Die HBO-Therapie ist eine medizinische Behandlung, bei der die Patienten in einer Überdruck-Kammer für kurze Zeit reinen Sauerstoff atmen, wodurch es zur Erhöhung des Gehalts an physikalisch gelöstem Sauerstoff in den Geweben kommt. Die Therapie wird bei verschiedenen Indikationen, zum Beispiel bei Luft/Gas-Embolie, Kohlenmonoxidvergiftung, akuter traumatischer Ischämie u.a. eingesetzt. In der Regel erfolgen die Behandlungen täglich. Sie erstrecken sich über unterschiedliche lange Zeiträume.

Prof. Speit und seine Mitarbeiter haben einerseits Blutzellen von Probanden nach HBO untersucht (in Kooperation mit Dr. Günther Frey und PD Dr. Lorenz Lampl von der Abteilung Anästhesie am Bundeswehrkrankenhaus Ulm) und andererseits Zellkulturexperimente in einer experimentellen Überdruckkammer der Sektion Anästhesiologische Pathophysiologie und Verfahrensentwicklung (in Kooperation mit Prof. Dr. Peter Radermacher) durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten zunächst, dass HBO zu Schäden an der DNA führen kann, die mit einem empfindlichen Test (Einzelzellgelelektrophorese oder Comet Assay) nachgewiesen wurden. In weiteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass diese Schäden beim Menschen unter therapeutischen Bedingungen von den Zellen repariert werden können und sich wahrscheinlich nicht als Mutationen (vererbbare Veränderungen) manifestieren. Die biologische Bedeutung der gefundenen DNA-Veränderungen ist noch unklar. Sie sind jedoch als unerwünschte Nebenwirkung der HBO-Behandlung anzusehen.

Interessanterweise führt die HBO gleichzeitig auch zu einer Induktion von zellulären Schutzmechanismen, die die Zellen (bzw. den Organismus) vor weiteren Sauerstoff-bedingten Schäden schützen. Durch molekulargenetische Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass die Aktivierung des Gens für das Enzym Hämoxygenase-1 dabei eine zentrale Rolle spielt (in Kooperation mit Prof. Dr. Bernd Kaina, Universität Mainz). Da diese Aktivierung der Schutzfunktion schon nach sehr kurzer HBO-Behandlung auftritt, die selbst keine nachweisbaren DNA-Veränderungen zur Folge hat, ist von der Arbeitsgruppe eine Modifikation des Standardprotokolls der HBO-Therapie vorgeschlagen worden: Wird beim ersten Mal eine verkürzte Behandlung durchgeführt und ab dem zweiten Tag das Standardprotokoll angewendet, können die zellulären Schutzfunktionen aufgebaut und die Induktion von DNA-Schäden vermieden werden. Die Arbeiten wurden im Rahmen des Projekts »Umwelt und Gesundheit« am Forschungszentrum Karlsruhe mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg finanziell unterstützt.

Peter Pietschmann | idw

Weitere Berichte zu: HBO HBO-Therapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Phänomene im magnetischen Nanokosmos

22.06.2018 | Physik Astronomie

Roboter zeichnet Skizzen von Messebesuchern

22.06.2018 | Messenachrichten

Wärmestrahlung bei kleinsten Teilchen

22.06.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics