Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Zukunft gehört der minimal-invasiven Herzchirurgie

17.07.2000


Herzzentrum der Universität Bonn und GMD intensivieren ihre Zusammenarbeit

Im Juni diesen Jahres zählte das Herzzentrum Bonn den dreihundertsten Patienten, der seit Neubesetzung des Lehrstuhls für Herzchirurgie mit Prof. Dr. med. Armin Welz eine koronare Bypassversorgung am schlagenden Herzen ohne Einsatz der Herz-Lungenmaschine erhielt. Der Anteil solcher minimal-invasiver Operationsverfahren an den auf dem Venusberg durchgeführten Bypassoperationen ist inzwischen auf annähernd 15 Prozent gestiegen.
Diese neuen Operationstechniken reduzieren die Belastung des Patienten auf zweierlei Art und Weise: Erstens durch den Verzicht auf die Herz-Lungenmaschine und zweitens durch die Verkleinerung des Zugangswegs. Dadurch erreicht man in der Regel eine raschere postoperative Erholung, und ermöglicht die Versorgung bei schweren Begleitleiden, die einen Einsatz der Herz-Lungenmaschine sehr risikoreich erscheinen lassen oder gar ganz verbieten.
Ein Eingriff am schlagenden Herzen wird gemäß der Nomenklatur der International Society for Minimal Invasive Cardiac Surgery (ISMICS) als OPCAB (Off Pump Coronary Artery Bypass) bezeichnet. Verläßt man zusätzlich den großen Brustkorbschnitt und eröffnet den Brustkorb über einen linksseitigen Minizugang, begrenzt sich die Bypassmöglichkeit zwar auf die durch diesen schmalen Weg erreichbaren Kranz-gefäße, aber diese sind häufig befallen und die Belastung des Patienten ist sehr gering. Diese Operation wird als MIDCAB-Verfahren (Minimal Invasive Direct Coronary Artery Bypass) bezeichnet.
Seit Gründung des Herzzentrums der Universität Bonn wird diese Operation bei geeigneter Indikation auch in Kombination mit einer vor- oder nachgeschalteten Ballondilatation minimal-invasiv nicht erreichbarer Herzkranzarterien angeboten. Das Herzzentrum bemüht sich derzeit um die Einrichtung eines sogenannten Hybrid-Op, der in nur einer Narkose die kombinierte herzchirurgisch-kardiologische Behandlung mehrerer Herzkranzarterien erlaubt.
Um die Zugangswege weiter zu verkleinern und die Anwendung sicher auf möglichst viele Patienten ausdehnen zu können, haben das Herzzentrum Bonn und das Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) der GMD in Sankt Augustin eine Intensivierung der bisherigen Zusammenarbeit vereinbart. Die GMD als Forschungspartner auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnik hat mit der Universität bereits in der Vergangenheit Systeme zur Unterstützung von Kardiologen und Chirurgen in der Ultraschalldiagnostik entwickelt. Zudem wurde ein Navigationssystem für die minimal-invasive Neurochirurgie entwickelt und über die GMD-Firmenausgründung LOCALITE als zertifiziertes Medizinprodukt in mehreren Kliniken installiert. Diese Vorarbeiten sollen auf den technisch anspruchsvolleren Bereich der Herzchirurgie übertragen werden.
Geplant ist ein computergestütztes System für die präoperative Planung und intraoperative Navigation. Unter dreidimensionaler Auswertung präoperativ erhobener computertomographischer Daten werden die Präparation der linken inneren Brustkorbarterie und deren Transplantation auf das Herzkranzgefäß simuliert, um die auf den einzelnen Patienten zugeschnittene exakte Positionierung und Ausdehnung der Brustkorberöffnung zu ermitteln. Damit werden Risiken verringert und weitere Chirurgen an die Methode herangeführt. Neben der mentalen Vorbereitung des Chirurgen dient die Simulation auch dem gefahrlosen Training des chirurgischen Nachwuchses.
Dazu Prof. Welz: "Die Zukunft der Herzchirurgie gehört den roboterunterstützten
minimal-invasiven Eingriffen. Aber je kleiner der Zugang, desto sorgfältiger muss der Chirurg vorbereitet sein. Dafür sind spezifische computergraphische Simulationen bald unverzichtbar. Technologie und chirurgische Techniken müssen in enger Verzahnung weiterentwickelt werden."
Chirurgische Planungs- und Navigationssysteme sind bisher vorwiegend in der Neurochirurgie im Einsatz und dort, wo es um die Modellierung von Knochen geht. Bereichen also, in denen räumliche Verschiebung während der Operation vernachlässigt oder kompensiert werden kann. Die Herausforderung bei der Herzchirurgie liegt in der räumlichen Verlagerung während der Operation, zum Beispiel durch Variationen im Lungenvolumen. "Glücklicherweise haben wir aus unseren bisherigen Arbeiten ein strukturiertes Modell des Herzens zur Verfügung, aus dem eine Reihe von Vorhersagen abgeleitet werden können", sagt Dr. Thomas Berlage, verantwortlich für den Bereich Biomedizin im Institut FIT. "Dieses Modell spielt eine entscheidende Rolle als Mittler zwischen patientenspezifischen Bilddaten und allgemeinem medizinischen Wissen. Auf diese Weise hoffen wir, bereits im nächsten Jahr vermarktbare Ergebnisse vorweisen zu können."

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Armin Welz, Klinik für Herzchirurgie,
Sigmund-Freud-Str. 35, 53105 Bonn, E-Mail: Armin.Welz@meb.uni-bonn.de
Dr. Thomas Berlage, Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT),
Schloss Birlinghoven, 53754 Sankt Augustin, Tel.: 02241-14-2141, Fax: -2146
E-Mail: berlage@gmd.de, http://fit.gmd.de
Das GMD-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) forscht in interdisziplinärer Kooperation mit Anwendern und Industrie. Die Resultate führten in den letzten Jahren zur Gründung vier neuer Spin-off-Unternehmen.

Ute Schuetz |

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Zu viel Salz hemmt die Immunabwehr
26.03.2020 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Antikörper im Gehirn lösen Epilepsie aus
24.03.2020 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nachwuchswissenschaftler der Universität Rostock erfinden einen Trichter für Lichtteilchen

Physiker der Arbeitsgruppe von Professor Alexander Szameit an der Universität Rostock ist es in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Universität Würzburg gelungen, einen „Trichter für Licht“ zu entwickeln, der bisher nicht geahnte Möglichkeiten zur Entwicklung von hypersensiblen Sensoren und neuen Technologien in der Informations- und Kommunikationstechnologie eröffnet. Die Forschungsergebnisse wurden jüngst im renommierten Fachblatt Science veröffentlicht.

Der Rostocker Physikprofessor Alexander Szameit befasst sich seit seinem Studium mit den quantenoptischen Eigenschaften von Licht und seiner Wechselwirkung mit...

Im Focus: Junior scientists at the University of Rostock invent a funnel for light

Together with their colleagues from the University of Würzburg, physicists from the group of Professor Alexander Szameit at the University of Rostock have devised a “funnel” for photons. Their discovery was recently published in the renowned journal Science and holds great promise for novel ultra-sensitive detectors as well as innovative applications in telecommunications and information processing.

The quantum-optical properties of light and its interaction with matter has fascinated the Rostock professor Alexander Szameit since College.

Im Focus: Künstliche Intelligenz findet das optimale Werkstoffrezept

Die möglichen Eigenschaften nanostrukturierter Schichten sind zahllos – wie aber ohne langes Experimentieren die optimale finden? Ein Team der Materialforschung der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat eine Abkürzung ausprobiert: Mit einem Machine-Learning-Algorithmus konnten die Forscher die strukturellen Eigenschaften einer solchen Schicht zuverlässig vorhersagen. Sie berichten in der neuen Fachzeitschrift „Communications Materials“ vom 26. März 2020.

Porös oder dicht, Säulen oder Fasern

Im Focus: Erdbeben auf Island über Telefonglasfaserkabel registriert

Am 12. März 2020, 10.26 Uhr, ereignete sich in Südwestisland, ca. 5 km nordöstlich von Grindavík, ein Erdbeben mit einer Magnitude von 4.7, während eines längeren Erdbebenschwarms. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ haben jetzt dort ein neues Verfahren zur Überwachung des Untergrunds mithilfe von Telefonglasfaserkabeln getestet.

Ein von GFZ-Forschenden aus den Sektionen „Oberflächennahe Geophysik“ und „Geoenergie“ durchgeführtes Online-Monitoring, das Glasfaserkabel des isländischen...

Im Focus: Quantenoptiker zwingen Lichtteilchen, sich wie Elektronen zu verhalten

Auf der Basis theoretischer Überlegungen von Physikern der Universität Greifswald ist es Mitarbeitern der AG Festkörperoptik um Professor Alexander Szameit an der Universität Rostock gelungen, photonische topologische Isolatoren als Lichtwellenleiter zu realisieren, in denen sich Photonen wie Elektronen verhalten, und somit fermionische Eigenschaften zeigen. Ihre Entdeckung wurde jüngst im renommierten Fachblatt „Nature Materials“ veröffentlicht.

Dass es elektronische topologische Isolatoren gibt – Festkörper die im Innern den elektrischen Strom nicht leiten, dafür aber umso besser über die Oberfläche –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

“4th Hybrid Materials and Structures 2020” findet web-basiert statt

26.03.2020 | Veranstaltungen

Wichtigste internationale Konferenz zu Learning Analytics findet statt – komplett online

23.03.2020 | Veranstaltungen

UN World Water Day 22 March: Water and climate change - How cities and their inhabitants can counter the consequences

17.03.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltweit einzigartig: Neue Anlage zur Untersuchung von biogener Schwefelsäurekorrosion in Betrieb

27.03.2020 | Architektur Bauwesen

Schutzmasken aus dem 3D-Drucker

27.03.2020 | Materialwissenschaften

Nachwuchswissenschaftler der Universität Rostock erfinden einen Trichter für Lichtteilchen

27.03.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics