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Biological bei Bandscheibenvorfall wirksam und sicher

30.08.2007
Die Behandlung von bandscheibenbedingten Rückenschmerzen mit körpereigenen, entzündungshemmenden Proteinen ist wirksam und sicher. Dies ist das Ergebnis einer randomisierten, prospektiven Doppelblindstudie, die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Spine veröffentlicht wurde.

Ziel der klinischen Studie war es, die Wirkung der mit dem Orthokin-Verfahren hergestellten körpereigenen Schutzproteine mit der Standardtherapie Kortison zu untersuchen und zu vergleichen. Das Ergebnis: Über den Zeitraum von sechs Monaten konnten mit dem Biological bessere Ergebnisse als mit der Kortisonbehandlung erzielt werden.

Düsseldorf, 30.08.2007. Wenn der Rücken wegen eines Bandscheibenvorfalls quälende Schmerzen bereitet, ist in der Regel ein eingeklemmter oder entzündeter Nerv die Ursache. Beim Bandscheibenvorfall gerät die Bandscheibe aus ihrer ursprünglichen Position und drückt auf die Nervenwurzel. Dabei kommt es zur Ausschüttung von bestimmten Botenstoffen des Immunsystems, wie Interleukin-1 oder TNF-alpha. Diese Stoffe sind für Entzündung, Schmerz und Gefühlsstörungen verantwortlich. Durch die Behandlung mit den biologischen Gegenspielern, insbesondere Interleukin-1-Rezeptorantagonist (IL-1Ra), können Entzündungen und Schmerzen jedoch gestoppt werden.

"Ausgehend vom Verständnis dieser Krankheitsmechanismen bietet die Orthokin-Therapie einen neuen Ansatz in der Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen", erklärte Prof. Dr. med. Peter Wehling vom Zentrum für Molekulare Orthopädie am Donnerstag in Düsseldorf. Bei dem von Wehling und dem Molekularbiologen Dr. Julio Reinecke entwickelten Verfahren werden diese Proteine aus dem Blut des Patienten gewonnen. Dazu nehmen die Ärzte dem Patienten mit einer Spezialspritze Blut ab. Die Blutzellen werden darin zur Produktion von IL-1Ra und anderen Zytokinantagonisten und Wachstumsfaktoren angeregt. Nach der Aufarbeitung im Labor kann diese Proteinlösung entnommen und in Form von Spritzen verabreicht werden. In einer unabhänigen klinischen Studie an der Ruhruniversität Bochum ist dieser molekulare Therapieansatz untersucht worden, wie die Fachzeitschrift Spine in der aktuellen Ausgabe berichtete.

Wissenschaftliche Studie vergleicht Wirkung von Orthokin mit Kortison
84 Patientinnen und Patienten, die unter druckbedingter Nervenwurzelentzündung der Lendenwirbelsäule litten, nahmen an der randomisierten, prospektiven, doppelblinden klinischen Studie teil. In der von der Ethikkommission der Universität Bochum genehmigten Studie wurden 32 Patienten mit der Orthokin-Therapie behandelt, 27 Patienten erhielten 5 mg Kortison, weitere 25 Teilnehmer bekamen 10 mg Kortison. Alle drei Medikamente wurden als Injektionen an die betroffene Nervenwurzel verabreicht, wobei die Patienten drei Spritzen im Abstand von einer Woche erhielten. Die Studienteilnehmer wurden über sechs Monate medizinisch betreut. Die Kontrollen erfolgten sechs, zehn und 22 Wochen nach der ersten Injektion.

Orthokin wirkt besser als Kortison

Wichtigstes Messinstrument für die Schwere der Erkrankung, war die wissenschaftlich anerkannte Visuelle Analogskala (VAS), auf der die Patienten auf einer Skala von 0 bis 100 die Intensität ihrer Schmerzen angeben (0 = kein Schmerz, 100 = höchster vorstellbarer Schmerz). Alle Probanden gaben zu Studienbeginn mittlere bis starke Schmerzen an (VAS=80), die mindestens seit sechs Wochen bestanden. Vier Wochen nach den Behandlungen zeigte sich bei allen Patienten eine statistisch signifikante Besserung der Symptome (VAS 30-34). Im Verlauf der Studie gingen die Schmerzen der Orthokin-Patienten weiter zurück auf VAS=15, während sich bei den Kortisonpatienten das Schmerzniveau auf VAS=24 bzw. VAS=34 einpendelte. Insgesamt war die Schmerzreduktion unter der Orthokin-Therapie größer als unter der Standardtherapie.

"Diese Studie hat unsere Ergebnisse bestätigt und erstmals nachgewiesen, dass es eine wirksame, gut verträgliche Alternative zur Behandlung mit Kortison gibt", sagte Wehling. Die weit verbreitete Standardtherapie mit Kortison ist wirksam, jedoch mit möglichen Nebenwirkungen verbunden. Wiederholt man die Gabe von Kortison zu häufig, kann es unter Umständen zu schwerwiegenden Nebenwirkungen, wie Schwächung des Immunsystems, Osteoporose, Wassereinlagerungen oder Stoffwechselentgleisungen kommen. Die Behandlung mit dem körpereigenen Wirkstoff kann daher jedem Patienten empfohlen werden, der eine natürliche, nebenwirkungsarme und wirksame Behandlung wünscht.

Rückenschmerzen - eine häufige Erkrankung

Zehn Prozent der Bevölkerung leiden an Bandscheibenvorfällen und Rückenschmerzen. Das Kreuz mit dem Kreuz kann je nach Alter verschiedene Gründe haben. Im mittleren Alter, wenn die Muskulatur noch kräftig ist, sind häufig Bandscheibenvorfälle die Ursache des Leidens. Besonders häufig sind Männer betroffen. Älteren Menschen machen oft Veränderungen der Wirbelsäule und Abnutzungserscheinungen zu schaffen. Auch Fehlhaltungen, genetische Faktoren oder seelische Belastungen spielen eine Rolle. Gemeinsam ist vielen Rückenleiden, dass Bandscheibe oder Knochen auf die empfindlichen Nerven drücken und dadurch Schmerzen, Bewegungseinschränkungen sowie Gefühlsstörungen auslösen.

Spine
Spine ist das international führende Fachmagazin im Bereich von Erkrankungen der Wirbelsäule. Veröffentlicht werden ausschließlich Originalarbeiten, die sich in einem Peer-Review-Verfahren qualifiziert haben. www.spinejournal.com

Efficacy of Epidural Perineural Injections With Autologous Conditioned Serum for Lumbar Radicular Compression. An Investigator-Initiated, Prospective, Double-Blind, Reference-Controlled Study. Cordelia Becker, MD, et.al., SPINE Volume 32, Number 17, pp 1803-1808

Antje Kassel | idw
Weitere Informationen:
http://www.spinejournal.com
http://www.orthokin.de

Weitere Berichte zu: Bandscheibenvorfall Kortison Schmerz

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