Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

PET-Kostenerstattung in Frage gestellt: Bald Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Krebsdiagnostik?

04.04.2002


Anlass zu großer Sorge um ihre Kassenpatienten haben derzeit viele Mediziner in Deutschland - insbesondere dann, wenn sie der "Volkskrankheit" Krebs eine optimale Diagnostik und Therapie entgegensetzen wollen.

In einer Pressemitteilung vom 26. Februar 2002 teilte der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (BAÄK) mit, dass die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) nicht als ambulante Kassenleistung zugelassen werden soll. Damit erteilt er einem Diagnoseverfahren eine Absage, das in den USA und vielen europäischen Ländern längst eine reguläre Kassenleistung ist. Bestätigt die Bundesgesundheitsministerium die Meinung des BAÄK, steht die PET bald nur noch Privatpatienten offen.

Mit der PET kann - anders als mit radiologischen bildgebenden Verfahren - der Zellstoffwechsel sichtbar gemacht werden. Dies ermöglicht einen hervorragenden diagnostischen Zugang zu Erkrankungen des Herzens und des Zentralen Nervensystems. Besonders wertvoll ist die PET-Diagnostik jedoch bei Krebserkrankungen.

Bei dem Verfahren erhält der Patient eine geringe Dosis schwach radioaktiven Traubenzuckers (FDG). Krebszellen haben einen gegenüber dem umliegenden gesunden Gewebe einen deutlich erhöhten Zuckerumsatz. Als Folge reichert sich der Traubenzucker in ihnen verstärkt an, was mit einem PET-Scanner - einer großen Kamera - ohne zusätzliche Belastung für den Patienten (also ohne Röntgenstrahlung) sichtbar gemacht werden kann.
Im PET-Bild heben sich die Krebszellen gut vom gesunden Gewebe ab, so dass beispielsweise auch winzige Tochtergeschwülste nachgewiesen werden können - egal wo im Körper sie sich befinden.
Die PET eignet sich hervorragend für die Suche nach Tochtergeschwülsten (und damit zur Bestimmung des Krankheitsstadiums) oder Rezidiven (Rückfall). Auch unerkannte Primärtumoren lassen sich mit ihr aufspüren, so dass eine Operation möglich wird. Sie liefert zuverlässige Informationen, um eine optimale Therapieplanung zu ermöglichen und stellt gleichzeitig ein Instrument der sehr frühzeitigen Therapiekontrolle dar.

Diese Vorteile der PET werden seit 1995 regelmäßig von interdisziplinär besetzten Expertengremien überprüft, die Ergebnisse als Konsensuspapiere in wissenschaftlichen Journalen publiziert. Auch der Wissenschaftsrat hat sich in seiner Stellungnahme vom 13. Juli 2001 sehr positiv über die PET geäußert. Er "appelliert an die verantwortlichen Institutionen im Gesundheitswesen, für die wissenschaftlich gesicherten Indikationen eine Aufnahme der PET in das Finanzierungssystem zu forcieren".
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat sogar bereits für fünf geprüfte PET-Indikationen den schwach radioaktiv markierten Traubenzucker FDG als Arzneimittel zugelassen - auf Grundlage einer ausführlichen wissenschaftlichen Begutachtung des klinischen Nutzens Ohne eine Zulassung der PET bliebe dies jedoch sinnlos.

Prof. Dr. Wolfram H. Knapp, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin, sieht ganz klar die Gefahr, dass PET in Zukunft nur noch Privatpatienten zugänglich ist. "Diese Entscheidung wird in Nuklearmedizin und vor allen Dingen bei den Krebsmedizinern auf wenig Verständnis stoßen. Unsere Kollegen im Ausland schütteln mittlerweile den Kopf über die Verhältnisse in Deutschland. Aus wissenschaftlicher und medizinischer Sicht ist die Entscheidung des BAÄK in keiner Weise nachzuvollziehen."

Sollte die Entscheidung des BAÄK rechtskräftig werden, so wird auch die Durchführung von Modellvorhaben, die laut Sozialgesetzbuch zur gesundheitsökonomischen Bewertung neuer Behandlungsverfahren vorgesehen sind, unzulässig.


Das Thema Kostenerstattung für die PET wird ein wesentliches Thema der Pressekonferenz anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (11.-13. April 2002, Konzerthaus Freiburg) am 11. April 2002, 12.30-14.00 Uhr im Konzerthaus in Freiburg im Breisgau sein. 

Heike Jordan | idw
Weitere Informationen:
http://www.nuklearmedizin.de/

Weitere Berichte zu: BAÄK Gewebe PET

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit körpereigenem Protein Herpes bekämpfen
13.11.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Mit Lichtimpulsen Herzzellen abschalten
06.11.2018 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Kalikokrebse: Erste Fachtagung zu hochinvasiver Tierart

16.11.2018 | Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mikroplastik in Kosmetik

16.11.2018 | Studien Analysen

Neue Materialien – Wie Polymerpelze selbstorganisiert wachsen

16.11.2018 | Materialwissenschaften

Anomale Kristalle: ein Schlüssel zu atomaren Strukturen von Schmelzen im Erdinneren

16.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics