Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Extremitätenverlängerung im Schlaf

12.03.2002


Röntgenaufnahme des Implantats im Knochen


Das Implantat


Seit über 10 Jahren ist die Chirurgie des Klinikums der Universität München, Innenstadt auf dem Gebiet der korrigierenden und rekonstruktiven Extremitätenchirurgie weltweit führend. Die ursprünglich aus Sibirien bekannt gewordene Methode der Knochendehnung (Kallusdistraktion), mit der Arme und Beine kontinuierlich verlängert werden können, wurde in München mit westlicher Technologie und neuen Operationsverfahren revolutioniert und ständig weiter entwickelt.

Das Verfahren

Nach Abschluss des Längenwachstums muss zum Zwecke der Achsen- oder Längenkorrektur der Knochen zunächst durchtrennt werden. Dies gelingt inzwischen sehr schonend über zwei fast unsichtbare Minischnitte von je 3mm Länge. Bei dem ursprünglichen Verfahren waren monströse externe Gestänge erforderlich, die von außen den Knochen lang zogen und stabilisierten. Dabei wächst unter dem stetigen Dehnungsreiz nicht nur der Knochen, sondern auch das gesamte Weichteil, die Blutgefäße, die Nerven und die Haut. Die Methode galt bisher als langwierig und schmerzhaft, weil an den Metalleintrittstellen oftmals Hautreizungen oder gar Infektionen auftraten. Den Münchner Medizinern unter der Leitung von Privatdozent Dr. Rainer Baumgart ist es nun gelungen, die gesamte Apparatur soweit zu miniaturisieren, dass sie komplett innerhalb des Knochens Platz findet. Hierbei wird auf bewährte Prinzipien der Knochenbruchbehandlung zurückgegriffen. Ein in den Markraum des Knochens platzierter, neu konstruierter Marknagel wird mit einem eingekapselten Antriebsaggregat ergänzt und entfaltet so immense Kräfte, die die Knochen auseinanderziehen. Die Haut ist nach der Operation vollkommen geschlossen und die Infektionsgefahr damit minimiert. Über eine ausgefeilte Steuerelektronik, überwacht von einem Mikrocomputer, wird von außen über einen Sender Energie eingekoppelt und die Verlängerung in Gang gesetzt. "Während der Patient schläft, wächst das Bein um einen Millimeter - jede Nacht! Verlängerungsstrecken von 6 cm und mehr an Ober- und Unterschenkel sind inzwischen keine Seltenheit mehr", so Baumgart.

Professionelle Weiterentwicklung

Veranlasst durch anatomische Besonderheiten bei einer 24-jährigen Patientin entwickelte das Team um Baumgart die Technik Anfang letzten Jahres noch einen entscheidenden Schritt weiter. Während das Implantat bisher am Oberschenkel über einen seitlichen Schnitt von ca. 5 cm Länge im Bereich Hüfte eingebracht wurde, gelang es nun über einen Hautschnitt von nur 2,5 cm unterhalb der Kniescheibe das Implantat in den Oberschenkelknochen zu platzieren. Vorteile sind nicht nur das wesentlich bessere kosmetische Ergebnis, da dieser Schnitt in den Hautfalten praktisch unsichtbar verheilt, sondern auch die geringere Schmerzbelastung durch die Operation und die nahezu optimalen Korrekturmöglichkeiten. Sowohl die Operation als auch die Verlängerung über 3cm gestaltete sich bei der Patientin völlig unproblematisch, der neue Knochen bildete sich außergewöhnlich schnell. Jetzt nach genau einem Jahr hat sich der Knochen soweit verfestigt, dass das Implantat vor wenigen Tagen wieder entfernt werden konnte.

Und nochmal einen Schritt weiter

Nach den guten Erfahrungen mit dieser neuen Operationstechnik wagte Baumgart im August 2001 mit diesen neuartigen Implantaten die weltweit erste simultane Ober- und Unterschenkelverlängerung über nur einen einzigen 2,5cm langen Schnitt. Bereits früher gehörten Beinverlängerungen an Ober- und Unterschenkel mit den voll implantierbaren Distraerlängerung von insgesamt 2 mm pro Tag erfolgen konnte. Das Verfahren hat sich inzwischen so weit bewährt, dass es für simultane Ober- und Unterschenkelverlängerung zum Standard geworden ist.

Was an einem Bein geht, funktioniert auch an zwei Beinen!?

Die Münchner Chirurgen sehen sich derzeit zunehmend Anfragen von Minderwüchsigen gegenüber, die gerne 5 oder 10 cm größer werden möchten. Im Rahmen einer Spezialsprechstunde für Längendifferenzen an Armen und Beinen, ein- und beidseitigen Minderwuchs, Achsenfehlstellungen und Knochentumore erfolgt in jedem Fall zunächst eine genaue Analyse und Vermessung der Beingeometrie. In einem ausführlichen Beratungsgespräch werden die verschiedenen Optionen genau besprochen. Es ist beeindruckend, welche Möglichkeiten sich mit dem Einsatz moderner Technik und einem ausgefeilten operativen Kow-how eröffnen. Wenn es aber allein um den Wunsch nach mehr Körpergröße geht, muss das Chirurgenteam die Euphorie etwas bremsen. "Nicht alles Machbare ist auch bezahlbar", schränkt Baumgart ein. Kosmetische Operationen werden von den Krankenkassen nicht übernommen.

Bei Rückfragen können Sie sich wenden an PD Dr. med. Rainer Baumgart - Chirurgie Klinikum der Universität München, Innenstadt Tel. 089-5160-2569ktions-Marknägeln zwar zum Standardrepertoire des Münchner Chirurgen, bisher waren dazu aber immer zwei verschiedene Schnitte erforderlich. Bei einer 28-jährigen Patientin mit Beinverkürzung nach Kinderlähmung (Poliomyelitis) wurden nun erstmals über einen einzigen Minischnitt zwei Implantate, einen für den Ober- und einen für den Unterschenkel problemlos eingebracht, so dass eine gleichzeitige Verlängerung von insgesamt 2 mm pro Tag erfolgen konnte. Das Verfahren hat sich inzwischen so weit bewährt, dass es für simultane Ober- und Unterschenkelverlängerung zum Standard geworden ist.

Was an einem Bein geht, funktioniert auch an zwei Beinen!?

Die Münchner Chirurgen sehen sich derzeit zunehmend Anfragen von Minderwüchsigen gegenüber, die gerne 5 oder 10 cm größer werden möchten. Im Rahmen einer Spezialsprechstunde für Längendifferenzen an Armen und Beinen, ein- und beidseitigen Minderwuchs, Achsenfehlstellungen und Knochentumore erfolgt in jedem Fall zunächst eine genaue Analyse und Vermessung der Beingeometrie. In einem ausführlichen Beratungsgespräch werden die verschiedenen Optionen genau besprochen. Es ist beeindruckend, welche Möglichkeiten sich mit dem Einsatz moderner Technik und einem ausgefeilten operativen Kow-how eröffnen. Wenn es aber allein um den Wunsch nach mehr Körpergröße geht, muss das Chirurgenteam die Euphorie etwas bremsen. "Nicht alles Machbare ist auch bezahlbar", schränkt Baumgart ein. Kosmetische Operationen werden von den Krankenkassen nicht übernommen.

Bei Rückfragen können Sie sich wenden an PD Dr. med. Rainer Baumgart - Chirurgie Klinikum der Universität München, Innenstadt Tel. 089-5160-2569

S. Nicole Bongard | idw
Weitere Informationen:
http:///idw-online.de/public/www.beinverlaengerung.de.

Weitere Berichte zu: Chirurgie Implantat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Zwei Städte, ein Operationstisch
17.10.2018 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht Antiblockiersystem in Arterien schützt vor Herzinfarkt
16.10.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ultraleichte und belastbare HighEnd-Kunststoffe ermöglichen den energieeffizienten Verkehr

19.10.2018 | Materialwissenschaften

IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos

19.10.2018 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics