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Der Patient im Mittelpunkt

11.03.2002


25. Deutscher Krebskongress in Berlin eröffnet

"Der Patient steht im Mittelpunkt des diesjährigen Kongresses und in seinem Sinne gilt es, zuzuhören, zu diskutieren, zu streiten und Konsens zu finden", sagte Frau Professor Dr.-Ing. habil. Dagmar Schipanski, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, bei der Eröffnung des 25. Deutschen Krebskongresses in Berlin. Der Kongress wird erstmals gemeinsam von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe gestaltet und tagt vom 10. bis 14. März 2002 im ICC Berlin. Es werden über 5.000 Ärzte, Wissenschaftler, Pflegende und Interessierte erwartet, um den aktuellen Stand der Krebsforschung darzustellen und zu diskutieren. Der Dialog zwischen Wissenschaftlern und Gesellschaft steht dabei im Vordergrund.

"Seit wir uns vor zwei Jahren zuletzt in Berlin getroffen haben, sind rund eine Dreiviertelmillion Menschen hier in Deutschland neu mit der Diagnose Krebs konfrontiert worden", sagte Frau Professor Schipanski in ihrer Eröffnungsrede. Am Beispiel einer 31-jährigen Brustkrebspatientin stellte sie sehr eindringlich dar, welche wichtige Rolle dabei die Krebs-Früherkennung spielt: Der jungen Frau musste die Brust amputiert und eine Chemotherapie zugemutet werden, weil ihr Tumor zu spät diagnostiziert wurde. "Die Krebs-Früherkennung wird einerseits von den Menschen viel zu wenig wahrgenommen, und andererseits nehmen viele Ärzte die Früherkennung nicht ernst genug", konstatierte die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe. Doch gerade die so genannten Massentumoren wie Brustkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs und Hautkrebs seien einer Früherkennung zugänglich. Alle Bürger müssten dazu motiviert werden, ihrem Körper mehr Aufmerksamkeit zu schenken und den Gang zum Arzt nicht zu scheuen. Die niedergelassenen Ärzte müssten die Krebs-Früherkennung zu ihrer Sache machen.

Frau Professor Schipanski versuchte aber auch die Entscheidungsträger des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen und nicht zuletzt die Politiker davon zu überzeugen, dass es sich lohne, den Schatz der Früherkennung zu heben. Überzeugende Zahlen liegen dafür vor: So kostet beispielsweise die Behandlung von Darmkrebspatienten im unheilbaren Stadium derzeit rund 1,3 Milliarden Euro jährlich. Eine umfassende Krebs-Früherkennung, die die Darmspiegelung ab 55 Jahren einschließt, würde dagegen nur 200 Millionen Euro kosten - ein Einsparpotential von über einer Milliarde Euro. Dazu Frau Schipanski: "Angesichts leerer Kassen im Gesundheitswesen wundert es mich sehr, dass die Erweiterung des Programms der gesetzlichen Krebs-Früherkennung nur so schleppend voran geht".

Den zweiten Schwerpunkt des Kongress-Themas "Der Patient im Mittelpunkt" beschrieb Frau Professor Schipanski mit der Frage: Wie werden wir dem Krebspatienten während der Behandlung gerecht? Ihre Antwort: Durch eine interdisziplinäre Versorgung unter anderem in Tumorzentren. Doch wie Professor Dr. Lothar Weißbach, Past-Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, bereits auf dem letzten Krebskongress kritisch dargelegt hatte, nehmen die bisherigen Tumorzentren ihre Arbeit nicht ausreichend und zeitgemäß wahr. Die Deutsche Krebshilfe hat diese Kritik aufgenommen und gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren, der Deutschen Krebsgesellschaft und Krankenkassen-Vertretern die Evaluierung der Zentren und ihre Weiterentwicklung initiiert. Über die ersten Ergebnisse dieser Studie sprach die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe bei der Eröffnung des diesjährigen Krebskongresses: "Tumorzentren sollten künftig mehr als bisher Aufgaben übernehmen bei der Behandlung von Tumorpatienten nach etablierten Leitlinien, um einen hohen Therapiestandard in Deutschland zu garantieren. Und sie sollten sich als Lotsen in der Onkologie verstehen".

"Der Patient im Mittelpunkt" bedeutet für die Deutsche Krebshilfe nicht zuletzt aber auch, immer ein offenes Ohr für die Belange der Betroffenen zu haben. Die Deutsche Krebshilfe arbeitet bereits seit ihrer Gründung eng mit den großen Krebs-Selbsthilfeverbänden zusammen und unterstützt deren Arbeit sowohl ideell wie auch finanziell. "Ein kürzlich eigens dafür eingerichtetes Steuerungsgremien sichert den direkten Dialog zwischen den Patientenvertretern und den Beratungsgremien der Deutschen Krebshilfe", sagte Frau Professor Schipanski in Berlin. Dieses Gremien sei Ansprechpartner für die geförderten Selbsthilfe-Organisationen, berate diese in grundlegenden Fragen und agiere als politisches Sprachrohr für die Selbsthilfe.

"Wir werden als Bürgerbewegung im Kampf gegen die Krebskrankheiten nicht nachlassen, den Patienten in den Mittelpunkt zu stellen und wir werden unsere Bemühungen zur besseren Versorgung der Tumorpatienten in Deutschland weiter verstärken", versprach die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/

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