Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Sport gegen Brustkrebs

11.10.2000


Deutsche Krebshilfe fördert Kölner Arbeitsgruppe

Köln - Am Anfang einer Brustkrebs-Behandlung steht meist ein operativer Eingriff, gefolgt von Bestrahlung und Chemotherapie. Teilen sich bösartige Zellen des Brustgewebes vermehrt unter dem Einfluss von weiblichen Sexualhormonen, kommt auch eine Behandlung mit Anti-Hormonen in Frage. Aber auch gemäßigtes sportliches Ausdauertraining hat einen nachweisbaren Therapieeffekt: Es senkt den Spiegel an weiblichen Sexualhormonen und wirkt damit dem Tumorwachstum entgegen. Zudem stimuliert körperliche Aktivität das Immunsystem von Patientinnen, die an Brustkrebs erkrankt sind. Bislang hat man diese beiden Effekte bei der Behandlung von betroffenen Frauen noch nicht genutzt. Eine Forschergruppe an der Deutschen Sporthochschule in Köln untersucht tierexperimentell, ob und wie sportliches Training die Wirkung einer Hormontherapie steigern kann. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Projekt über einen Zeitraum von zwei Jahren mit 135.000 Mark.

Oftmals sind die weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron daran beteiligt, dass sich Brustzellen unkontrolliert teilen und bestehende Tumoren der Brust sich vergrößern. Solche hormonabhängig wachsenden bösartigen Tumoren behandeln die Ärzte mit Anti-Hormonen: Zum einen reduzieren sie die natürliche Hormonproduktion. Zum anderen blockieren sie bestimmte Eiweißstoffe der Krebszellen, die so genannten Hormon-Rezeptoren. Sind diese Rezeptoren besetzt, können die weiblichen Sexualhormone ihre wachstumstimulierende Wirkung nicht mehr entfalten. Auch maßvolles Ausdauertraining scheint den Hormonhaushalt zu beeinflussen: Es senkt den Östrogen- und Progesteron-Spiegel. Eine Arbeitsgruppe vom Institut für Morphologie und Tumorforschung unter der Leitung von Professor Dr. Dr. Horst Michna an der Deutschen Sporthochschule in Köln konnte im Tierexperiment zeigen, dass sich nach moderater körperlicher Aktivität auch die Zahl der Hormon-Rezeptoren verringert. Diese Ergebnisse stellten die Kölner Forscher erst kürzlich auf internationalen Fachkongressen der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vor.

Aber nicht nur der Einfluss der sportlichen Betätigung auf das Hormonsystem vermag das Wachstum von Tumoren und die Absiedelung von Tochtergeschwülsten zu reduzieren. Sondern gemäßigtes sportliches Training stärkt auch das natürliche Abwehrsystem des Körpers, das Immunsystem. Dabei werden insbesondere die Zellen des Immunsystems angeregt, die für die Bekämpfung von Krebszellen verantwortlich sind.

In dem von der Deutschen Krebshilfe geförderten Projekt widmen sich die Kölner Wissenschaftler unter der Leitung von Professor Michna und Privatdozent Dr. Helmut Lötzerich einer Kombinationstherapie: "Wir untersuchen an Brusttumor-tragenden Ratten, ob und wie moderate körperliche Aktivität zusammen mit einer Hormontherapie die Effektivität der Krebs-Behandlung steigern kann", so Professor Michna. Im Anschluss an die Therapie werden die Kölner Forscher die Tumorgröße, verschiedene molekulare Parameter in den Tumoren, die Überlebensrate, den Hormonspiegel, die Rezeptormenge und den Immunstatus der unterschiedlich behandelten Versuchstiere analysieren. Projektleiter Michna: "Sollten die Ergebnisse erfolgversprechend sein, könnte zukünftig die moderate sportliche Aktivität der Hormontherapie zur Seite gestellt werden. Eventuell wäre es sogar möglich die Dosis der Anti-Hormone zu reduzieren."

Info-Kasten Brustkrebs:

Jährlich erkranken etwa 46.000 Frauen neu an Brustkrebs. Mehr als 17.000 davon sind jünger als 60 Jahre. Auf der Liste der krebsbedingten Todesursachen in Deutschland rangiert das Mammakarzinom bei Frauen an erster Stelle. Steht die Diagnose Brustkrebs fest, so ist in den meisten Fällen ein chirurgischer Eingriff notwendig. Im Anschluss bestrahlen die Ärzte die Brust, um die bei einer Operation nicht entfernten Krebszellen zu vernichten. In bestimmten Fällen wenden sie ergänzend eine Chemo- oder Hormontherapie an.

Interviewpartner auf Anfrage!

 

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw

Weitere Berichte zu: Brustkrebs Hormontherapie Immunsystem Krebszelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Zwei Fliegen mit einer Klappe: Entzündung gehemmt, Knochenheilung gefördert
20.02.2020 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Jenaer Sepsisexperten erforschen im EU-Verbund personalisierte Immuntherapie bei Sepsis
11.02.2020 | Universitätsklinikum Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Im Focus: Einblicke in die Rolle von Materialdefekten bei der spin-abhängigen Petahertzelektronik

Die Betriebsgeschwindigkeit von Halbleitern in elektronischen und optoelektronischen Geräten ist auf mehrere Gigahertz (eine Milliarde Oszillationen pro Sekunde) beschränkt. Die Rechengeschwindigkeit von modernen Computern trifft dadurch auf eine Grenze. Forscher am MPSD und dem Indian Institute of Technology in Bombay (IIT) haben nun untersucht, wie diese Grenze mithilfe von Lichtwellen und Festkörperstrukturen mit Defekten erhöht werden könnte, um noch größere Rechenleistungen zu erreichen.

Lichtwellen schwingen mehrere hundert Trillionen Mal pro Sekunde und haben das Potential, die Bewegung von Elektronen zu steuern. Im Gegensatz zu...

Im Focus: Charakterisierung von thermischen Schnittstellen für modulare Satelliten

Das Fraunhofer IFAM in Dresden hat ein neues Projekt zur thermischen Charakterisierung von Kupfer/CNT basierten Scheiben für den Einsatz in thermalen Schnittstellen von modularen Satelliten gestartet. Gefördert wird das Projekt „ThermTEST“ für 18 Monate vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Zwischen den Einzelmodulen von modularen Satelliten werden zur Kopplung eine Vielzahl von Schnittstellen benötigt, die nach ihrer Funktion eingeteilt werden...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

10.000-mal schnellere Berechnungen möglich

20.02.2020 | Physik Astronomie

Darmkrebs: Erhöhte Lebenserwartung dank individueller Therapien

20.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Krebsstammzellen nachverfolgen

20.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics