Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schub für die Infektionsprävention

10.01.2001


... mehr zu:
»IfSG »RKI
Wie viele Menschen erkranken im Jahr an Hepatitis? Nimmt die Zahl der Masernfälle ab? Steigt die Zahl an Tuberkuloseerkrankungen mit multiresistenten Erregern? Mit welchen besonderen Problemen müssen Arzt
und Patient bei der Antibiotikatherapie von Infektionen im Zusammenhang mit medizinischen Eingriffen rechnen? Die Erfassung und Bewertung von Infektionskrankheiten und Erkrankungen, bei denen Infektionserreger Mitverursacher sind, waren in Deutschland bislang unzureichend. Dieser Entwicklung trägt das Bundesministerium für Gesundheit mit dem neuen Infektionsschutzgesetz (IfSG) Rechnung, das seit 1. Januar 2001 in Kraft ist.

Das neue Gesetz verwirklicht eine umfassende Modernisierung des deutschen Seuchenrechts und fasst eine Reihe von Regelungen, die neben dem Bundes-Seuchengesetz (BSeuchG) entstanden waren, zu einem einheitlichen Regelwerk zusammen. Das IfSG stärkt die Stellung des Robert Koch-Instituts als zentrale Einrichtung des öffentlichen Gesundheitswesens. "Damit spielt das RKI zukünftig eine tragende Rolle beim Erreichen des zentralen Zieles des IfSG, den Schutz der Bevölkerung vor Infektionskrankheiten zu verbessern", betont Professor Reinhard Kurth, Leiter des Robert Koch-Instituts.

Durch das IfSG werden die Instrumentarien zur notwendigen Zusammenarbeit aller Beteiligten - der Einrichtungen des Bundes, der Länder und Kommunen, der Ärzte und Tierärzte, Krankenhäuser, wissenschaftlichen Einrichtungen und sonstige Mitwirkende - neu strukturiert. Die Eigenverantwortung der Träger und Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen, Lebensmittelbetrieben, Gesundheitseinrichtungen sowie des Einzelnen bei der Prävention übertragbarer Krankheiten wird stärker gefördert (und gefordert).

Die Beobachtung der Verbreitung von Infektionskrankheiten (Surveillance), die Planung und Durchführung von Forschungs- und Präventionsansätzen, die Interpretation der Ergebnisse sowie die Erstellung von Empfehlungen und Merkblättern erfordern die enge Zusammenarbeit von Ärzten, Mikrobiologen sowie Epidemiologen, Methodikern, Sozialmedizinern und Experten für Public Health. Das Robert Koch-Institut trägt den neuen Aufgaben, die das IfSG ihm zuweist, mit einem neu gegründeten "Zentrum für Infektionsepidemiologie" Rechnung. Das Zentrum ist institutsintern und extern auf interdisziplinäre Zusammenarbeit angelegt und wird mit den bestehenden Strukturen eng vernetzt.
Die Aufgaben des Robert Koch-Instituts im einzelnen:
· Das Robert Koch-Institut erarbeitet Konzepte zur Vorbeugung übertragbarer Krankheiten sowie zur frühzeitigen Erkennung und Verhinderung der Weiterverbreitung von Infektionen. Dies schließt die Entwicklung und Durchführung
epidemiologischer und laborgestützter Analysen sowie Forschung zu Ursache, Diagnostik und Prävention übertragbarer Krankheiten ein. Auf Ersuchen eines Bundeslandes berät das RKI die zuständigen Stellen beim Auftreten schwerwiegender übertragbarer Krankheiten oder ungeklärter Krankheitsausbrüche.

· Für Fachkreise werden Richtlinien, Empfehlungen, Merkblätter und sonstige Informationen erarbeitet.

· Im Rahmen des Europäischen Netzes für epidemiologische Überwachung und die Kontrolle übertragbarer Krankheiten nimmt das RKI Koordinierungsaufgaben für Deutschland wahr.

· Das Robert Koch-Institut erstellt und veröffentlicht Falldefinitionen, die erstmals zur routinemäßigen Übermittlung der meldepflichtigen übertragbaren Krankheiten in Deutschland in verbindlicher Form vorgeschrieben sind. Diese einheitlichen Vorgaben sollen Qualität und Vergleichbarkeit der Meldedaten verbessern.

· Zur Umsetzung der neuen gesetzlichen Vorgabe, Infektionen in Krankenhäusern und Einrichtungen für ambulantes Operieren (nosokomiale Infektionen) besser zu erfassen und Präventionsmaßnahmen zu intensivieren, legt das RKI fest, welche nosokomialen Infektionen und welche Krankheitserreger mit speziellen Resistenzen erfasst werden müssen (§ 23, Abs. 1). Die Festlegung erfolgt jeweils auf der Basis aktueller epidemiologischer Erfordernisse und wird im Bundesgesundheitsblatt und auf der Homepage des RKI veröffentlicht. Durch entsprechende Dokumentation und Bewertung sollen die Einrichtungen Schwächen im Hygienemanagement besser erkennen. Die konsequente Umsetzung der Empfehlungen der nun (in §23, Abs. 2) gesetzlich verankerten Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention unterstützt die Präventionsmaßnahmen und versetzt die medizinischen Einrichtungen in die Lage, ihrer hohen Verantwortung für den Patientenschutz nachzukommen.

· Das System der Meldepflicht von Krankheiten in Deutschland wird mit dem IfSG auf eine neue Basis gestellt. Das Robert Koch-Institut wird als epidemiologisches Zentrum institutionalisiert.

Einerseits können Meldeinformationen vor Ort wichtig sein, um Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Andererseits sind die Daten eine wichtige Quelle, um zu wissen, welcher Erreger in Deutschland in welchem Ausmaß vorhanden ist - wichtige Voraussetzung, um Risikofaktoren zu erkennen und geeignete Präventionsmaßnahmen vorschlagen zu können. Je nachdem, welcher Aspekt im Vordergrund steht, wurde die Meldung als namentliche oder als nichtnamentliche Meldung im Gesetz festgelegt. Im IfSG wird im Gegensatz zum Bundes-Seuchengesetz zwischen der Meldung von Krankheitsbildern und der Meldung des Nachweises von Krankheitserregern unterschieden. Die Liste der durch den behandelnden Arzt zu meldenden Krankheiten ist dadurch kürzer geworden, "wir erhoffen uns dadurch eine Verbesserung der Meldemoral", sagt Kurth
Eine Reihe von Krankheiten wurde aus der Meldepflicht genommen: Cytomegalie, Gasbrand, Keuchhusten, Pocken, sowie aus dem Geschlechtskrankheiten-Gesetz Haemophilus ducreyi (Weicher Schanker) und Neisseria gonorrhoeae (Tripper). Hinzugekommen ist die Meldepflicht für Verdacht und Erkrankung an Masern (im BSeuchG nur Tod), sowie für Verdacht auf das Vorliegen einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung. Für Laboratorien gibt es eine Liste von meldepflichtigen Erreger-Nachweisen, die zum Teil vorher nicht meldepflichtig waren wie Adenoviren im Konjunktivalabstrich, Legionellen, Masernviren und Echinokokken.

Nachweise von einigen Krankheitserregern, zum Beispiel der Malariaerreger Plasmodium sp., HIV und Toxoplasma gondii (einzellige Parasiten, die auf den Menschen übertragen werden können), müssen zukünftig direkt und nichtnamentlich an das Robert Koch-Institut gemeldet werden und nicht mehr, wie bisher nach dem Bundes-Seuchengesetz, an das Gesundheitsamt. Mit diesem neuen Meldeverfahren erhofft man sich, bessere Daten über solche Infektionen zu erhalten, bei denen kein direktes Tätigwerden des Gesundheitsamtes notwendig ist. "Damit genaue Aussagen über die Verbreitung der Infektionen möglich sind, ist es wichtig, dass alle Ärzte bei der Erfüllung der Meldepflicht mitwirken", appelliert RKI-Direktor Kurth an Ärzte und Labormediziner. Im Robert Koch-Institut werden die übermittelten Meldungen zusammengefasst und infektionsepidemiologisch ausgewertet. "In Zukunft werden wir per Knopfdruck Auskunft geben können, welche Erreger in Deutschland in welchem Ausmaß vorhanden sind", meint Reinhard Kurth.

Wie bisher gewährleistet insbesondere das vom RKI herausgegebene Epidemiologische Bulletin einen raschen Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Akteuren - den Ärzten in Praxen, Kliniken, Laboratorien, Beratungsstellen und Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes sowie den medizinischen Fachgesellschaften, Nationalen Referenzzentren und den Stätten der Forschung und Lehre.

Auf besonderen Internet-Seiten bietet das Robert Koch-Institut umfangreiche Informationen zum IfSG: ein IfSG-Themenheft des Bundesgesundheitsblattes, den Link zum Gesetzestext, Termine von Fortbildungsveranstaltungen (zum Teil vom RKI selbst veranstaltet oder mit Referenten aus dem Institut), Bezugsquellen für die Meldebögen, Falldefinitionen zur routinemäßigen Übermittlung der meldepflichtigen übertragbaren Krankheiten und Literaturhinweise: http://www.rki.de/INFEKT/IFSG/IFSG.HTM

Als Anlaufstelle für fachlich-inhaltliche Fragen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes baut das RKI im neuen Zentrum für Infektionsepidemiologie eine Informationsstelle auf. Für den Arzt und das Hygienepersonal ist das örtliche Gesundheitsamt erster Ansprechpartner.

Am 25. Januar 2001 findet in Berlin ein Presseworkshop zum Infektionsschutzgesetz statt; hierzu wird gesondert eingeladen.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Heidrun Wothe | idw

Weitere Berichte zu: IfSG RKI

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wie das Gehirn Ereignisse vorhersagt
17.01.2020 | Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik

nachricht Erstes robustes Zellkulturmodell für das Hepatitis-E-Virus
13.01.2020 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Miniatur-Doppelverglasung: Wärmeisolierendes und gleichzeitig wärmeleitendes Material entwickelt

Styropor oder Kupfer – beide Materialien weisen stark unterschiedliche Eigenschaften auf, was ihre Fähigkeit betrifft, Wärme zu leiten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz und der Universität Bayreuth haben nun gemeinsam ein neuartiges, extrem dünnes und transparentes Material entwickelt und charakterisiert, welches richtungsabhängig unterschiedliche Wärmeleiteigenschaften aufweist. Während es in einer Richtung extrem gut Wärme leiten kann, zeigt es in der anderen Richtung gute Wärmeisolation.

Wärmeisolation und Wärmeleitung spielen in unserem Alltag eine entscheidende Rolle – angefangen von Computerprozessoren, bei denen es wichtig ist, Wärme...

Im Focus: Miniature double glazing: Material developed which is heat-insulating and heat-conducting at the same time

Styrofoam or copper - both materials have very different properties with regard to their ability to conduct heat. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz and the University of Bayreuth have now jointly developed and characterized a novel, extremely thin and transparent material that has different thermal conduction properties depending on the direction. While it can conduct heat extremely well in one direction, it shows good thermal insulation in the other direction.

Thermal insulation and thermal conduction play a crucial role in our everyday lives - from computer processors, where it is important to dissipate heat as...

Im Focus: Fraunhofer IAF errichtet ein Applikationslabor für Quantensensorik

Um den Transfer von Forschungsentwicklungen aus dem Bereich der Quantensensorik in industrielle Anwendungen voranzubringen, entsteht am Fraunhofer IAF ein Applikationslabor. Damit sollen interessierte Unternehmen und insbesondere regionale KMU sowie Start-ups die Möglichkeit erhalten, das Innovationspotenzial von Quantensensoren für ihre spezifischen Anforderungen zu evaluieren. Sowohl das Land Baden-Württemberg als auch die Fraunhofer-Gesellschaft fördern das auf vier Jahre angelegte Vorhaben mit jeweils einer Million Euro.

Das Applikationslabor wird im Rahmen des Fraunhofer-Leitprojekts »QMag«, kurz für Quantenmagnetometrie, errichtet. In dem Projekt entwickeln Forschende von...

Im Focus: Fraunhofer IAF establishes an application laboratory for quantum sensors

In order to advance the transfer of research developments from the field of quantum sensor technology into industrial applications, an application laboratory is being established at Fraunhofer IAF. This will enable interested companies and especially regional SMEs and start-ups to evaluate the innovation potential of quantum sensors for their specific requirements. Both the state of Baden-Württemberg and the Fraunhofer-Gesellschaft are supporting the four-year project with one million euros each.

The application laboratory is being set up as part of the Fraunhofer lighthouse project »QMag«, short for quantum magnetometry. In this project, researchers...

Im Focus: Wie Zellen ihr Skelett bilden

Wissenschaftler erforschen die Entstehung sogenannter Mikrotubuli

Zellen benötigen für viele wichtige Prozesse wie Zellteilung und zelluläre Transportvorgänge strukturgebende Filamente, sogenannte Mikrotubuli.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

11. Tagung Kraftwerk Batterie - Advanced Battery Power Conference am 24-25. März 2020 in Münster/Germany

16.01.2020 | Veranstaltungen

Leben auf dem Mars: Woher kommt das Methan?

16.01.2020 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2020

16.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Chemiker lassen Bor-Atome wandern

17.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Infektiöse Proteine bei Alzheimer

17.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Miniatur-Doppelverglasung: Wärmeisolierendes und gleichzeitig wärmeleitendes Material entwickelt

17.01.2020 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics