Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Herzchirurgen zu neuen Heilverfahren

19.02.2002


Prof. Dietrich Birnbaum, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie


Prof. Dr. Friedrich W. Mohr, Tagungsleiter der 31. Jahrestagung


Die Herzchirurgen Deutschlands informierten auf einer Pressekonferenz anlässlich der 31. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie über neueste Heilverfahren und die Problematik der angeordneten Sparmaßnahmen.

Die Zahl der Patienten in Deutschland, die an einer Herzerkrankung im Endstadium leiden, ist auf ca. 1 Million Patienten angestiegen und wird vermutlich weiter ansteigen. Das Überleben dieser schwerkranken Patientengruppe ist schlecht und mit der Prognose bei einer aggressiven Krebserkrankung vergleichbar: Die 1-Jahres-Überlebensrate liegt nur bei 20 -50 %. Es ist nötig nach alternativen Wegen zur Behandlung dieser Patientengruppen zu suchen, da die Standardmethode, die Herztransplantation, aufgrund der zurückgehenden Spenderzahlen, nicht mehr so zum Einsatz kommen kann.

Dies ist eines der zentralen Themen der 31. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, die vom 17. bis 20. Februar 2002 in Leipzig unter dem Motto: Soll - Könnte - Ist stattfindet. Tagungsleiter ist Prof. Dr. Friedrich-W. Mohr, Direktor der Klinik für Herzchirurgie des Herzzentrum Leipzig GmbH, Universitätsklinik.

Auf der Pressekonferenz zur Tagung wurde als eine Alternative für die Behandlung des oben genannten Krankheitsbildes das "Kunstherz" dargestellt, bei dem man zwischen einem System zur Herzunterstützung und dem Kunstherz als Ersatz für das eigene Herz unterscheiden muss. Meistens findet das Kunstherz seinen Einsatz als Überbrückung bis zur Transplantation, zur Erholung des eigenen Herzens und als permanente Herzunterstützung, ohne das eine Transplantation geplant ist. Im Moment zielt die Forschung darauf, dass beide Varianten operativ in den Brustraum eingepflanzt werden und nicht wie bisher ein sehr geräuschvoller Kasten ständig am Körper mit sich herumgetragen werden muss. "Der Vorteil der Kunstherzen zeigte sich sowohl in der Lebensverlängerung wie auch in der Verbesserung der Lebensqualität der Patienten, die nicht transplantiert werden konnten." , erklärte Prof. Friedhelm Beyersdorf, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Die Herzchirurgen befassen sich auch mit Gewebezüchtung (Tissue engineering), indem bestimmte Zellen, z. B. Endothelzellen, auf einem künstlichen Untergrund herangezüchtet werden.. Diese Zellen werden in geschädigtes Gewebe eingebracht, wo sie die kranken Zellen verdrängen. Solchermaßen produzierte Gewebe können z. B. kaputte Herzklappen ersetzen. Darüber sprach Prof. Dietrich Birnbaum, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie und Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Herznahe Gefäßchirurgie der Universität Regensburg.

Ein weitere Aspekt der Tagung ist die Kinderherzchirurgie. Prof. Siegfried Hagl, Direktor der Klinik für Herzchirurgie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, erklärte auf der Pressekonferenz die Notwendigkeit von Kinderherzzentren, wo Ärzte verschiedener Fachgebiete Hand in Hand arbeiten und somit dem kleinen Patienten eine optimale Versorgung gewährleisten. Zudem reicht meistens eine Operation im Kindesalter nicht aus und weitere Operationen bis hin ins Erwachsenenalter müssen folgen.

Bei einigen Operationen wird die minimalinvasive Chirurgie angestrebt. Prof. Anton Moritz, Direktor der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität Frankfurt/Main, erklärte, dass nicht nur aus rein kosmetischen Gründen diese Technik immer mehr Anwendung findet. Neben den minimalen Narben, die nach der Operation bleiben, werden auch die Operationsrisiken verringert und der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine erfolgt nur noch in seltenen Fällen. Der Patient wird somit weniger belastet.

Erstmals lag ein Schwerpunkt der Tagung auf ökonomischen Aspekten allgemein im Gesundheitswesen und besonders in der Herzchirurgie. Krankenkassen und Politiker dirigieren in überhöhtem Maße in das System des Heilwesen, stellte Prof. Birnbaum auf der Pressekonferenz fest. Nach wie vor besteht eine Ausgabenbegrenzung bei der Patientenversorgung, die auch vor der Herzchirurgie keinen Halt macht. So hat die Herzchirurgie zur Ökonomisierung längst Maßnahmen angeboten und realisiert, ohne dass davon in der eigentlich Kenntnis genommen wurde, so Prof. Dietrich Birnbaum. Die "off-pump Chirurgie", d. h. dass Herzoperationen ohne Herz-Lungen-Maschine durchgeführt werden, führen zu einem Kostennachlass gegenüber den Krankenversicherungen von mindestens 15 % im Vergleich zu Operationen mit der Herz-Lungen-Maschine. Außerdem wurden Einkaufsverbünde etabliert. So werden in sämtlichen Universitätsklinika in Bayern z.B. die kostenrelevanten Produkte gemeinsam eingekauft. Durch geschickte Verhandlung der zentralen Einkaufsverwaltung werden wesentliche Einsparungen im Sachbereich umgesetzt. Prof. Hagl ergänzte, dass der Kostendruck nicht dazu führen dürfe, Innovationen zu verhindern oder mehrfach schwerstkranke Patienten minderversorgt werden. Dieses Problem anzusprechen und Lösungswege aufzuzeigen sei ein grundlegendes Anliegen der Tagung.

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.gstcvs.org/file/dg03.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gangmessdaten visualisieren und analysieren
16.07.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht „Small meets smaller“ – Nanopartikel beeinflussen Schimmelpilzinfektion der Atemwege
05.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vertikales Begrünungssystem Biolit Vertical Green<sup>®</sup> auf Landesgartenschau Würzburg

16.07.2018 | Architektur Bauwesen

Feinstaub macht Bäume anfälliger gegen Trockenheit

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Krebszellen Winterschlaf halten

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics