Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemotherapie mit magnetischen Nanopartikeln

08.02.2007
Bei der Chemotherapie zur Tumorbehandlung werden oftmals hohe Zytostatikadosierungen, die mit einer Vielzahl unerwünschter Nebenwirkungen verbunden sind, verwendet.

Die Limitierung der systemisch verabreichten Chemotherapeutikamenge ist oft nicht durch die, für eine erfolgreiche Behandlung notwendige Dosis gegeben, sondern durch eine, für den Patienten tolerable Zytostatikamenge.

In einem von der Wilhelm-Sander-Stiftung geförderten Projekt entwickelt die Forschungsgruppe um Herrn PD Dr. Christoph Alexiou (Hals-, Nasen-, und Ohrenklinik, Kopf- und Halschirurgie der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg) ein Verfahren bei dem mit magnetischen Nanopartikeln Zytostatika in hoher Dosierung zielgerichtet im Tumor angereichert werden und somit die therapeutische Effizienz des Wirkstoffs erhöht und gleichzeitig die unerwünschten Nebenwirkungen minimiert werden sollen.

In den letzten 20 Jahren wurden verschiedene regionale und zielgerichtete Arzneimittelapplikationen für die Therapie von Tumoren entwickelt, um gesunde Zellen vor erhöhter Exposition zu schützen und eine höhere Wirkstoffkonzentration im Tumor zu erreichen. Der therapeutische und der toxische Effekt von zellschädigenden Medikamenten ist oftmals so eng miteinander verbunden, dass selbst geringe Veränderungen der Arzneimittelverteilung zugunsten des Zielorgans hilfreich sein können. Insofern kann jeder Ansatz, der zu einer gezielten Konzentrationssteigerung eines Chemotherapeutikums im Tumor führt auch eine Erhöhung der therapeutischen Effizienz mit sich bringen. Für den Patienten kann das eine bessere Wirksamkeit der Chemotherapie bei geringerer Inzidenz und Intensität unerwünschter Wirkungen, also besserer Verträglichkeit bedeuten.

Herr Priv. Doz. Dr. med. Christoph Alexiou und Mitarbeiter benutzen in ihrem Ansatz dafür sogenannte magnetische Nanopartikel. Diese Partikel bestehen aus Magnetitteilchen im Nanometerbereich, die stabil in Flüssigkeit gehalten werden. Dadurch verhält sich im Magnetfeld die gesamte Flüssigkeit wie ein "flüssiger Magnet". Belädt man diese Partikel mit einem Chemotherapeutikum und appliziert sie intraarteriell in Gefäße, die zur Tumorversorgung dienen, ist es möglich mit einem externen Magnetfeld die beladenen Partikel dort zu konzentrieren. Dabei ist es experimentell gelungen die Zytostatikamenge im Tumorareal um das 200 fache gegenüber der klassischen, systemischen Chemotherapie zu erhöhen.

In den Studien der Arbeitsgruppe konnte darüber hinaus gezeigt werden, dass es möglich ist mit intraarteriellem Magnetischem Drug Targeting in einem Tumormodell Zytostatika nebenwirkungsfrei anzureichern und eine Totalremission des Tumors zu erreichen. Ziel des geförderten Projektes ist es nun Partikelformulierungen so zu designen und in pharmazeutischer Qualität herzustellen, dass sie in einer klinischen Studie angewendet werden können.

Kontakt:
Priv. Doz. Dr. med. Christoph Alexiou,
Tel.: ++49-9131-8533156; Fax: ++49-9131-8534828.
E-mail: C.Alexiou@web.de homepage:www.hno.med.uni-erlangen.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 200.000 €.
Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Chemotherapie Nanopartikel Partikel Zytostatika

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Narkolepsie: Wissenschaftler entlarven den Übeltäter der rätselhaften Schlafkrankheit
20.09.2018 | Universitätsspital Bern

nachricht Virotherapie bei Bauchfellkrebs erfolgreich getestet - Neue biologische Krebstherapie
18.09.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics