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Neue Operation zur Behandlung von Rückfällen des Gebärmutterhalskrebses

03.01.2001


Prof.Dr.med.Dr.rer.nat. Michael

Höckel


Absetzen der tiefen

Beckenwandblutgefäße


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»Gebärmutterhalskrebs
"Ich war 31 Jahre alt, als mein Arzt mir sagte: ’Machen Sie Ihr Testament und regeln Sie Ihre Angelegenheiten’." Die heute 36 jährige Mutter von zwei Kindern, Monika S. erinnert sich nur mit Schrecken an
diese Zeit. Sie litt an Gebärmutterhalskrebs und hatte nach Operation und Bestrahlung einen Rückfall. Die Geschwulst nistete sich in der Beckenwand ein - ein Zustand, der als inoperabel galt. Damit wollte sich der heutige Direktor der Universitätsfrauenklinik (Triersches Institut), Prof. Dr. Dr. Michael Höckel nicht abfinden. Er untersuchte an Körperspendern systematisch Millimeter für Millimeter die anatomischen Besonderheiten der Beckenwand der Frau, überprüfte und variierte gynäkologische Operationstechniken auf ihre Anwendbarkeit in den speziellen Fällen. In enger Zusammenarbeit mit Anästhesisten und Urologen entdeckte er schließlich die Operationsmethode, die vielen Frauen wieder eine Perspektive gibt.

Der Gebärmutterhalskrebs ist die häufigste bösartige Erkrankung der Frau. Trotz Vorsorgeuntersuchungen sind jährlich noch ca. 6000 Frauen davon betroffen. Kam es zum Rückfall in der Beckenwand, gab es bisher für die Frauen keine Rettung. Der Rat des Arztes für Frau S. hatte also gute Gründe. Zufällig erfuhr sie vor fünf Jahren, dass ein Dr. Höckel, eine neue Operationsmethode entwickelt habe, "die unter Umständen Hilfe bringen könnte". Sie wurde damit die zweite Patientin, die nach dieser neuen Methode operiert wurde und konnte so ihr nunmehr fünftes Weihnachten nach der OP erleben.

Die neue Methode nennt sich lateral erweiterte endopelvine Resektion (LEER). Es handelt sich dabei um eine radikale Entfernung aller Beckenorgane und der nicht-knöchernen Anteile der Beckenwand. Die Kunst besteht darin, die hochempfindlichen Blutgefäße, die in den Beckenwandmuskeln regelrecht eingebettet sind und die Beine versorgen, unbeschädigt zu erhalten. Dazu werden sie zunächst freigelegt und mit speziellen Schlingen "abgebunden". Das bedeutet eine Unterbrechung des Blutkreislaufes der unteren Extremitäten und ist für den Chirurgen ein Signal zur Eile, denn nach knapp 40 Minuten muss der Blutkreislauf wieder gewährleistet sein, weil sonst das betroffene Gewebe geschädigt wird. In dieser Zeit muss der bösartige Tumor bis auf den Beckenknochen entfernt werden. Danach kann die Rekonstruktion der Beckenorgane erfolgen. Diese Prozeduren erfordern das ganze Können der Chirurgen.

Es liegt auf der Hand, dass diese Operation ihre Zeit braucht. Bis zu 18 Stunden muss die Patientin im Narkosezustand verbringen. "Während der gesamten Zeitspanne ist die Sicherheit der Patientin oberstes Gebot.", meint Dr. Andrea Rohrbach, die für die Anästhesie dieser Operationen zuständig ist. Ein Elektrokardiogramm und die direkte Blutdruckmessung überwachen ständig die Herz-Kreislauf-Funktionen, mit einem Venenkatheter wird der Flüssigkeitshaushalt gemessen, die Sauerstoffsättigung des Blutes wird kontrolliert, die Urinausscheidung bilanziert und die Schlaftiefe mittels EEG überwacht. In manchen OP-Abschnitten gestaltet sich die Flüssigkeitsbilanzierung schwierig, besonders nach Entfernen der Harnblase und der Harnleiter. Außerdem verlieren die Patienten über die eröffnete Bauchhöhle sehr viel Flüssigkeit durch Verdunstung sowie durch starke Eiweißverluste. Durch die große Wundfläche und die lange OP-Dauer kühlen die Frauen zunehmend aus. Sie müssen deshalb mit Wärmegeräten, die über spezielle Kunststoffdecken warme Luft über den Brustkorb der Frauen zuführen, ge- bzw. wiedererwärmt werden.

Wie man sich denken kann, wird der Organismus der Patientinnen durch diese Prozeduren sehr stark strapaziert. Das bedeutet, dass sie auf die Operation intensiv vorbereitet werden müssen und dass diese Operation nicht für alle Frauen möglich ist. Neben allgemeinen Gesundheitseinschränkungen stellt auch ein hohes Alter der Patientin eine natürliche Barriere dar. Auch die Möglichkeiten eines einzigen Krankenhauses sind beschränkt. Wegen des aufwendigen Operationsmanagements hält Prof. Höckel 20 solcher OPs im Jahr in seiner Klinik für möglich. Desto wichtiger ist ihm die allgemeine Verbreitung dieser Operationsmethode, die auch für Tumoroperationen in der Beckenwand anwendbar ist, die durch andere Krebsarten verursacht sind. In den letzten Jahren hat er die Methode auf vielen internationalen chirurgischen und gynäkologischen Kongressen vorgestellt. Ständig sind in seiner Klinik Chirurgen aus aller Welt zu Gast, um die Operationsmethode zu erlernen. Auch in hochrangigen wissenschaftlichen Zeitschriften wurde mehrmals über sie berichtet. Die Forschungsarbeiten zur weiteren Entwicklung dieser Operationen werden seit 1996 von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung gefördert. Einen Beitrag dazu lieferte auch die rpGebäudereinigung GmbH, die Ende 2000 insgesamt 10 000 DM stiftete.

Für Monika S. bedeutete die Operation wiedergeschenktes Leben. Für Prof. Höckel ist dies das schönste Geschenk für die zurückliegende arbeitsintensive Zeit.

Dr. Bärbel Adams

Dr. Bärbel Adams | idw

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