Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tübinger HNO-Uniklinik entwickelt extrem genaue Messmethode zur Diagnose von Hörschäden

26.01.2007
Aktuell publiziert - neue Entwicklung in der HNO
Schäden in der Hörschnecke jetzt präzise lokalisierbar

Wissenschaftler der Universitäts-Hals-, Nasen- und Ohrenklinik Tübingen haben ein innovatives Messverfahren entwickelt, das mechanische Signale aus der Hörschnecke direkt am Trommelfell misst und entschlüsselt. Das neue Diagnostikverfahren stellt einen großen Fortschritt bei der klinischen Abklärung von Hörschäden dar. Bei kleinen Kindern, bei denen etablierte Verfahren bisher nicht ausreichend waren, ist damit künftig eine objektive Messung der Hörschwelle möglich. Auch bei Erwachsenen erwartet man von der neuen Messmethode besonders im Hochtonbereich eine objektivere Schwellenabschätzung.

In den industrialisierten Ländern ist etwa jeder siebte Mensch schwerhörig - ein Großteil leidet an einer geschädigten Hörschnecke. Unterschiedliche Teile der Hörschnecke können durch verschiedene Einflüsse zerstört werden, z. B. durch übermäßige Schallstimulation, ototoxische Substanzen, altesbedingte Vorgänge und genetische Probleme. Bisher fehlten Diagnostikinstrumente für die präzise Lokalisation des Schadens in der Hörschnecke und dafür gibt es zwei Hauptgründe. Erstens, anders als beim Auge, ist die Hörschnecke tief im knöchernen Schädel eingebettet und daher für die direkte Visualisierung nicht zugänglich. Zweitens fehlen leistungsfähige Messverfahren, welche die Erfassung der subatomaren mechanischen Prozesse in der Hörschnecke gleich am Eingang des Ohres (am Trommelfell) erlauben.

Jetzt ist es Prof. Anthony Gummer, Dr. Ernst Dalhoff und Dr. Diana Turcanu von der Sektion Physiologische Akustik und Kommunikation der Universitäts-HNO-Klinik-Tübingen gelungen, ein innovatives Messverfahren zu etablieren, das mechanische Signale aus der Hörschnecke direkt am Trommelfell misst und entschlüsselt. Dafür haben die Wissenschaftler ein hochempfindliches Laserinterferometer entwickelt, das Vibrationen von weniger als einem Pikometer auflösen kann. Das entspricht einem Hundertstel des Durchmessers eines Wasserstoffatoms und ist damit um etwa 1000-mal empfindlicher als jedes kommerziell erhältliche Interferometer.

Der Laserstrahl aus dem neu entwickelten Interferometer wird in ein handelsübliches Ohr-Operationsmikroskop eingekoppelt, auf das Trommelfell fokussiert und dort zurück in das Mikroskop und Interferometer reflektiert. Das reflektierte Laserlicht enthält Informationen über die Vibrationsabläufe in der Hörschnecke. Um diese Information entschlüsseln zu können, haben die Wissenschaftler den Schallstimulus derart optimiert, dass die verhältnismäßig schwachen Signale aus der Hörschnecke detektiert und deren Bedeutung interpretiert werden kann.

Die Ergebnisse sind jetzt in Proceedings National Academy Sciences U.S.A. 104, 1546-1551, 2007, publiziert.

Das neue Diagnostikverfahren ist von hoher klinischer Bedeutung. Es erlaubt zum Beispiel eine objektive Messung der Hörschwelle, insbesondere bei kleinen Kindern, bei denen klinisch etablierte, audiometrische Verfahren nicht ausreichend aussagekräftig sind. Bei Erwachsenen, besonders im Hochtonbereich, ist eine objektive Schwellenabschätzung in medizinischen und gutachterlichen Zweifelsfällen ebenfalls wertvoll. Darüber hinaus könnte das neue Interferometer allgemein Verwendung bei optischen Scangeräten finden, bei denen sehr kurze Messzeiten benötigt werden, wie zum Beispiel bei der optischen Kohärenztomographie.

Ansprechpartner für die Presse

Universitätsklinikum Tübingen
Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
Sektion Physiologische Akustik und Kommunikation
Prof. Dr. Anthony W. Gummer
Tel. 0 70 71 / 29-8 81 93, -8 81 91 (Sekretariat), Fax 0 70 71 / 29-41 74
Email: anthony.gummer@uni-tuebingen.de
Titel der Originalpublikation
Proceedings of the National Academy of Sciences U.S.A (E. Dalhoff, D. Turcanu, H.-P. Zenner, A.W. Gummer: Distortion product otoacoustic emissions measured as vibration on the eardrum of human subjects, PNAS 104, 1546-1551, 2007;

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de/cochlea
http://www.pnas.org/cgi/reprint/0610185103v1

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Spezialfarbstoff erlaubt völlig neue Einblicke ins Gehirn
16.08.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Keime fliegen mit
16.08.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics