Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vollständiger Überblick mit einem Mouseclick

15.12.2006
Universitätsklinikum Heidelberg und Hausärzte erproben neue Dokumentation / Erstmals umfassende Daten aus Hausarztpraxen verfügbar

Ein neues Dokumentationssystem für niedergelassene Hausärzte mit dem Namen CONTENT soll niedergelassenen Ärzten helfen, einen schnelleren Überblick über wichtige Patientendaten - also über Krankheiten, Therapien und Arzneimittelbehandlung - zu bekommen. Und es trägt dazu bei, dass erstmals in Deutschland aussagekräftige Daten über die hausärztliche Arbeit erhoben werden können: Die Dokumentation umfasst nicht nur die Verschlüsselung von Diagnosen, sondern auch die Anlässe für den Arztbesuch sowie Beratungsergebnisse und medizinische Leistungen wie Verschreibungen, Einweisungen und Laboruntersuchungen.

Mit diesem bundesweit einmaligen Projekt möchte die Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg unter Leitung von Professor Dr. Joachim Szecsenyi erstmals für Deutschland umfassende epidemiologische Daten aus Hausarztpraxen gewinnen. CONTENT, das für "Continous morbidity registration network" steht, wird zur Zeit im Rhein-Neckar-Kreis erprobt.

Akutes Problem kann umgehend in die Krankengeschichte eingeordnet werden

"Nutznießer des neuen Dokumentationssystems wird letztlich der Patient selbst sein", informiert Dr. Thomas Kühlein, Leiter des Heidelberger Projektes CONTENT und Mitarbeiter der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung. "Der Doktor wird schneller als bisher, nämlich per Mouseclick, über die bisherigen Gesundheitsprobleme seiner Patienten informiert, die hier auf Wunsch nach Diagnosen gelistet sind", so Dr. Kühlein. Dadurch könne der behandelnde Arzt das akute Problem des Patienten zügig und effektiv in dessen Krankengeschichte einordnen und die Behandlung gezielt einleiten.

Bislang nehmen 17 Hausarztpraxen an dem Projekt teil und erproben an ihren Praxiscomputern ein zuschaltbares Modul für die Software "S3" der Firma Mediamed Systec GmbH. Spätestens bis 2009 sollen 100 Praxen in das Projekt einsteigen. Die Daten von 38.000 Patienten sind bereits eingegeben.

"Bei CONTENT werden sich die Mediziner nicht mehr darauf beschränken, ihre Diagnose aufzulisten und mit dem jeweiligen Behandlungsdatum zu versehen", so Dr. Kühlein. Die Hausärzte sollen stattdessen klassifizieren: Warum kommt der Patient zum Arzt? Wie lautet die Diagnose? Was wird gemacht?", informiert Dr. Kühlein. Auf diese Informationen hat der Arzt später dann entsprechend schnell Zugriff. Sämtliche Daten werden außerdem - verschlüsselt und anonymisiert - zur wissenschaftlichen Auswertung an das CONTENT-Rechenzentrum weitergegeben.

"Epidemiologische Daten von Hausärzten sind in Deutschland bislang kaum verfügbar", so Professor Joachim Szecsenyi. Untersuchungen zur Häufigkeit von Erkrankungen sowie wissenschaftliche Studien über Diagnosen und veranlasste Leistungen (Medikamente-, Heilmittelverordnungen, Krankenhauseinweisungen, Laboruntersuchungen etc.) liegen in Deutschland nicht vor. Hier bestehe ein großer Forschungsbedarf, so Professor Szecsenyi. Mit CONTENT könnten künftig z.B. Hypothesen zu Häufung oder Rückgang von Allgemeinbeschwerden erstellt werden.

Übliche Diagnosen-Klassifikation ICD-10 für hausärztliche Praxis-Dokumentation wenig geeignet

Klassifizieren müssen Haus- und Fachärzte in Deutschland bislang schon aufgrund gesetzlicher Vorgaben. Die International Classification of Diseases in ihrer 10. Version (ICD-10) könne durchaus für internationale Morbiditäts- und Mortalitätsvergleiche sinnvoll sein, meint dazu Dr. Kühlein. "Leider ist die ICD-10 weniger geeignet, konkret die tägliche Arbeit in der hausärztlichen Praxis zu unterstützen", so der Allgemeinarzt.

Die Heidelberger legen für ihre Arbeit jetzt die International Classification of Primary Care (ICPC), die speziell für die hausärztliche Versorgung entwickelt wurde, zugrunde. Dies erlaubt eine dem hausärztlichen Arbeitsansatz angemessene Beschreibung von Krankheitsepisoden ("episodes of care") und Behandlungsergebnissen ("health outcomes"). Die Erprobung des neuen Dokumentationssystems wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de
Kontakt:
Dr. med. Thomas Kühlein
Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung
Universitätsklinikum Heidelberg
Voßstr. 2, Gebäude 37, 69115 Heidelberg
Tel.: 06221 /-56-4818
E-Mail: thomas.kuehlein@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Spezialfarbstoff erlaubt völlig neue Einblicke ins Gehirn
16.08.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Keime fliegen mit
16.08.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Quantenverschränkung erstmals mit Licht von Quasaren bestätigt

20.08.2018 | Physik Astronomie

1,6 Millionen Euro für den Aufbau einer Forschungsgruppe zu Quantentechnologien

20.08.2018 | Förderungen Preise

IHP-Technologie darf in den Weltraum fliegen

20.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics