Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Können Retinaimplantate das Sehvermögen wiederherstellen?

07.02.2002


In Deutschland erblinden jährlich 17. 000 Menschen, nahezu die Hälfte aller Erblindungen sind durch Netzhauterkrankungen bedingt. Auch in der Augenheilkunde wird am Einsatz technischer Implantate geforscht. Sie sollen die komplexe Netzhautfunktion ersetzten und so das Sehvermögen wiederherstellen.
In einer Übersichtsarbeit ** in Science vom 8. 2. 2002 diskutiert Professor Eberhart Zrenner die beiden seit Anfang der 90er Jahre grundsätzlich verfolgten - subretinalen und epiretinalen - Ansätze der Retinaimplantation.

Schon seit langem sind elektrische Stimulatoren, wie beispielsweise der Herzschrittmacher, als Ersatz für sensorische und motorische Körperfunktionen in der Medizin bekannt.
Beim epiretinalen Implantat wird die Information, die mittels Bildverarbeitung von einer externen Kamera stammt, über Elektroden an die Ganglienzellen (Nervenzellen) der Netzhaut von der Glaskörperseite her angekoppelt. Beim subretinalen Ansatz wird die Funktion der zugrundegegangenen Photorezeptoren der Netzhaut durch lichtempfindliche Mikrophotodioden-Arrays (MPDAs) ersetzt. Die Daten werden über Elektroden in der äußeren Netzhaut eingekoppelt, dabei nutzen die Wissenschaftler die Informationsverarbeitung der inneren Netzhaut.

Die dazu notwendigen neuen Operationsverfahren sind bereits entwickelt, Biokompatibilität und Langzeitstabilität der Implantate untersucht.


Mit Hilfe von Funktionsprüfungen wurden im Tierexperiment die prinzipielle Machbarkeit wie auch die Verträglichkeit getestet. Darüber hinaus wurden auch die ent-sprechenden Stimulationsparameter beschrieben und technische Verfahren für die Umsetzung des äußeren physikalischen Bildes in ein neuronales Abbild entwickelt. In Schlüsselexperimenten im Tierversuch ließ sich auch die räumliche Auflösung von Bildern auf kortikaler (Kortex = Gehirnrinde) Ebene nachweisen.

Noch ist unklar, welcher Ansatz - der subretinale oder der epiretinale - die sicherste Position für eine möglichst geringe Reizstromübermittlung zum Zwecke der neuralen Stimulation ist, welches die optimalen Materialien sind und wie eine Langzeitstabilität der Befestigung von Elektronik und neuronalem Gewebe erreicht werden kann.
Ebenso ist offen, ob die für das Implantat notwendigen Ströme unterhalb des Sicherheitsbereichs für eine Langzeitreizung von Nervenzellen liegen. An eine dauerhafte Implantation beim Menschen ist erst zu denken, wenn der Nachweis der Langzeit-Funktionsfähigkeit geführt ist und der eindeutige Nutzen für blinde Patienten nach-gewiesen ist.

Die ersten Nutznießer der technischen Entwicklung dürften Patienten mit erblicher Netzhautdegeneration (RP) sein. Der Sehverlust bei dieser Erkrankung ist gravierend, die mittlere und innere Netzhaut ist intakt, so dass eine Verbesserung der Mobilität durch eine retinale Prothese erwartet werden kann.

Die prinzipielle Machbarkeit der Retinaimplantate ist im Tierversuch gezeigt, der Nachweis des Langzeiterfolgs und einer brauchbaren räumlichen Auflösung beim Menschen steht bislang aus. Deshalb ist es nicht sicher, ob die weltweiten gemeinsamen Forschungsanstrengungen innerhalb der nächsten Jahre in ein klinisch verfügbares Produkt münden.

Andererseits ist der wissenschaftliche Fortschritt und die technische Entwicklung auf diesem Gebiet atemberaubend schnell, so dass die Hoffnung, in den nächsten Jahren eine brauchbare Retinaprothese zur Verfügung zu haben, nicht unbegründet ist.

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.sciencemag.org

Weitere Berichte zu: Elektrode Implantat Netzhaut Retinaimplantat Sehvermögen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Klare Sicht – Projekt zur sichereren Laserbehandlung von Floatern gestartet
26.05.2020 | Laser Zentrum Hannover e.V.

nachricht Evolutionäre Zielkonflikte können die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen nicht verhindern
19.05.2020 | Universität zu Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren auf Basis innovativer DNA-Polymerasen entwickelt

Eine Forschungskooperation der Universität Konstanz unter Federführung von Professor Dr. Christof Hauck (Fachbereich Biologie) mit Beteiligung des Klinikum Konstanz, eines Konstanzer Diagnostiklabors und des Konstanzer Unternehmens myPOLS Biotec, einer Ausgründung aus der Arbeitsgruppe für Organische Chemie / Zelluläre Chemie der Universität Konstanz, hat ein neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren entwickelt. Dieser Test ermöglicht es, Ergebnisse in der Hälfte der Zeit zu ermitteln – im Vergleich zur klassischen Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR).

Die frühe Identifikation von Patienten, die mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert sind, ist zentrale Voraussetzung bei der globalen Bewältigung...

Im Focus: Textilherstellung für Weltraumantennen startet in die Industrialisierungsphase

Im Rahmen des EU-Projekts LEA (Large European Antenna) hat das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Textile Faserkeramiken TFK in Münchberg gemeinsam mit den Unternehmen HPS GmbH und Iprotex GmbH & Co. KG ein reflektierendes Metallnetz für Weltraumantennen entwickelt, das ab August 2020 in die Produktion gehen wird.

Beim Stichwort Raumfahrt werden zunächst Assoziationen zu Forschungen auf Mond und Mars sowie zur Beobachtung ferner Galaxien geweckt. Für unseren Alltag sind...

Im Focus: Biotechnologie: Enzym setzt durch Licht neuartige Reaktion in Gang

In lebenden Zellen treiben Enzyme biochemische Stoffwechselprozesse an. Auch in der Biotechnologie sind sie als Katalysatoren gefragt, um zum Beispiel chemische Produkte wie Arzneimittel herzustellen. Forscher haben nun ein Enzym identifiziert, das durch die Beleuchtung mit blauem Licht katalytisch aktiv wird und eine Reaktion in Gang setzt, die in der Enzymatik bisher unbekannt war. Die Studie ist in „Nature Communications“ erschienen.

Enzyme – in jeder lebenden Zelle sind sie die zentralen Antreiber für biochemische Stoffwechselprozesse und machen dort Reaktionen möglich. Genau diese...

Im Focus: Biotechnology: Triggered by light, a novel way to switch on an enzyme

In living cells, enzymes drive biochemical metabolic processes enabling reactions to take place efficiently. It is this very ability which allows them to be used as catalysts in biotechnology, for example to create chemical products such as pharmaceutics. Researchers now identified an enzyme that, when illuminated with blue light, becomes catalytically active and initiates a reaction that was previously unknown in enzymatics. The study was published in "Nature Communications".

Enzymes: they are the central drivers for biochemical metabolic processes in every living cell, enabling reactions to take place efficiently. It is this very...

Im Focus: Innovative Sensornetze aus Satelliten

In Würzburg werden vier Kleinst-Satelliten auf ihren Start vorbereitet. Sie sollen sich in einer Formation bewegen und weltweit erstmals ihre dreidimensionale Anordnung im Orbit selbstständig kontrollieren.

Wenn ein Gegenstand wie der Planet Erde komplett ohne tote Winkel erfasst werden soll, muss man ihn aus verschiedenen Richtungen ansehen und die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ein wichtiger Schritt zum Neuromorphen Rechnen: richtungsweisende Arbeit aus Dresden

28.05.2020 | Materialwissenschaften

Wieso Radium-Monofluorid den Blick ins Universum fundamental verändern kann

28.05.2020 | Physik Astronomie

Neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren auf Basis innovativer DNA-Polymerasen entwickelt

28.05.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics