Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn die Seele über den Körper Alarm schlägt

07.02.2002


Der Stundenplan ist dicht gefüllt. Statt Beruf, Studium oder Hausarbeit bestimmen für eine Weile regelmäßige Einzel- und Gruppengespräche, daneben unter anderem Konzentrative Bewegungstherapie und Gestaltungstherapie den Tagesablauf. Wer sich auf dieses Programm einlässt, muss Zeit mitbringen. Im Schnitt 60 Tage, manchmal aber auch deutlich länger dauert die stationäre Intensivtherapie in der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Münster. "Für die meisten Patienten sind diese Wochen oder Monate jedoch ausgesprochen kurz gegenüber der hinter ihnen liegenden Zeit, die durch hohen Leidensdruck und zahllose erfolglose Arztbesuche bestimmt war", betont Klinikdirektor Prof. Dr. Gereon Heuft.

Dass viele daher gern einen längeren Klinikaufenthalt in Kauf nehmen, um sich endlich fachkompetent helfen zu lassen, zeigt die Tatsache, dass die im Gebäude der Universitäts-Augenklinik eingerichtete 15-Betten-Station im November vergangenen Jahres gleich mit einer Vollbelegung in Betrieb genommen wurde. Nach dem inoffiziellen Start wird nun am 16. Februar 2002 mit einem wissenschaftlichen Symposium die offizielle Eröffnung begangen. Im Rahmen dieser von 9 bis 13 Uhr im Hörsaal der Medizinischen Fakultät (Domagkstraße 3) stattfindenden Veranstaltung wird Prof. Heuft nach Grußworten von Vertretern des Universitätsklinikums, der Krankenversicherung sowie von Fachverbänden Indikationen zur Krankenhausbehandlung in der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Medizin aufzeigen. Aktuelle Konzepte in der Behandlung psychogener Essstörungen beleuchtet anschließend sein Essener Fachkollege Privatdozent Dr. St. Herpertz, während der Heidelberger Psychosomatik-Experte Prof. Dr. G. Rudolf zum Abschluss Behandlungsergebnisse stationärer psychosomatischer Psychotherapie vorstellt.

Nach der Besetzung des Lehrstuhls für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie vor nunmehr genau drei Jahren und der bald darauf erfolgten Einrichtung einer Institutsambulanz für psychosomatische Patienten wird mit der Eröffnung der Station nun der dritte Schritt des Aufbaus der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Münster vollzogen. Während in der Ambulanz, deren Zulauf seit ihrer Einrichtung stetig gestiegen ist und im vergangenen Jahr bei etwa 800 bis 1000
Neuuntersuchungen lag, die gesamte Bandbreite psychosomatischer Erkrankungen umfasst, konzentriert sich die stationäre Behandlung zunächst auf zwei große Gruppen: Auf die Patienten mit psychogenen Essstörungen, wie Magersucht oder Bulimie, sowie auf Menschen mit organischen Beschwerden, wie etwa chronischen Rückenschmerzen, Magenproblemen oder auch speziellen Bewegungsstörungen, die auf keine körperliche Ursache zurück geführt werden können. Vor allem bei den Problemen mit Essproblemen kann sich die stationäre Intensivtherapie bisweilen recht lang hinziehen. Beispiel: Eine magersüchtige junge Frau von 1,70 Meter bringt zu Beginn der Therapie gerade einmal 38 Kilo auf die Waage. Bei maximaler Zunahme von 500 Gramm pro Woche und einem Zielgewicht von 53 Kilo vergehen bis zur Entlassung 30 Wochen. Unbehandelt kann eine Magersucht allerdings sehr gefährlich werden. Nach Angaben Heufts liegt die Sterblichkeit bei dieser Erkrankung bei immerhin 18 Prozent

Herzstücke der neuen Station sind die Therapiebereiche. So gibt es beispielsweise einen eigenen Raum für die Gestaltungstherapie, bei der die Patienten etwa beim Malen oder beim Arbeiten mit Ton oder Speckstein ihre innere Befindlichkeit zum Ausdruck bringen können. Da viele psychosomatisch Erkrankte ihre Gefühle nur schwer in Worte fassen können, kann der Weg über das kreative Gestalten einen hilfreichen Ansatzpunkt für das spätere "Verworten" bringen, wie Heuft erklärt. Genau darum geht es auf andere Art auch bei der Konzentrativen Bewegungstherapie (KBT). Ziel dieser auf psychoanalytischer Grundlage entwickelten körperorientierten Therapiemethode ist es, bei den Patienten durch die spielerische Bewegung und den Umgang mit bestimmten Materialien emotionale Prozesse in Gang zu setzen und das Erlebte im Gespräch mit dem Therapeuten in Worte zu fassen, ähnlich wie bei der Gestaltungstherapie also auch hier ein Weg, die Sprachlosigkeit in Gefühlsdingen zu überwinden.

Hinweis an Redaktionen: Für nähere Informationen zur Station der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie sowie zum Symposium steht Ihnen Klinikdirektor Prof. Dr. Gereon Heuft, Tel. 0251/83 5 29 02, gern zur Verfügung

Jutta Reising | idw
Weitere Informationen:
http://medweb.uni-muenster.de/institute/psom/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapie für Baker-Zyste entdeckt
14.08.2019 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Schleimhautpemphigoid: In Lübeck endlich die richtige Diagnose und Therapie gefunden
09.08.2019 | Universität zu Lübeck

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Laser für durchdringende Wellen: Forscherteam entwickelt neues Prinzip zur Erzeugung von Terahertz-Strahlung

Der „Landau-Niveau-Laser“ ist ein spannendes Konzept für eine ungewöhnliche Strahlungsquelle. Er hat das Zeug, höchst effizient sogenannte Terahertz-Wellen zu erzeugen, die sich zum Durchleuchten von Materialen und für die künftige Datenübertragung nutzen ließen. Bislang jedoch scheiterten nahezu alle Versuche, einen solchen Laser in die Tat umzusetzen. Auf dem Weg dorthin ist einem internationalen Forscherteam nun ein wichtiger Schritt gelungen: Im Fachmagazin Nature Photonics stellen sie ein Material vor, das Terahertz-Wellen durch das simple Anlegen eines elektrischen Stroms erzeugt. Physiker des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) waren maßgeblich an den Arbeiten beteiligt.

Ebenso wie Licht zählen Terahertz-Wellen zur elektromagnetischen Strahlung. Ihre Frequenzen liegen zwischen denen von Mikrowellen und Infrarotstrahlung. Sowohl...

Im Focus: A miniature stretchable pump for the next generation of soft robots

Soft robots have a distinct advantage over their rigid forebears: they can adapt to complex environments, handle fragile objects and interact safely with humans. Made from silicone, rubber or other stretchable polymers, they are ideal for use in rehabilitation exoskeletons and robotic clothing. Soft bio-inspired robots could one day be deployed to explore remote or dangerous environments.

Most soft robots are actuated by rigid, noisy pumps that push fluids into the machines' moving parts. Because they are connected to these bulky pumps by tubes,...

Im Focus: Crispr-Methode revolutioniert

Forschende der ETH Zürich entwickelten die bekannte Crispr/Cas-Methode weiter. Es ist nun erstmals möglich, Dutzende, wenn nicht Hunderte von Genen in einer Zelle gleichzeitig zu verändern.

Crispr/Cas ist in aller Munde. Mit dieser biotechnologischen Methode lassen sich in Zellen verhältnismässig einfach und schnell einzelne Gene präzise...

Im Focus: Wie schwingen Atome in Graphen-Nanostrukturen?

Innovative neue Technik verschiebt die Grenzen der Nanospektrometrie für Materialdesign

Um das Verhalten von modernen Materialien wie Graphen zu verstehen und für Bauelemente der Nano-, Opto- und Quantentechnologie zu optimieren, ist es...

Im Focus: Vehicle Emissions: New sensor technology to improve air quality in cities

Researchers at TU Graz are working together with European partners on new possibilities of measuring vehicle emissions.

Today, air pollution is one of the biggest challenges facing European cities. As part of the Horizon 2020 research project CARES (City Air Remote Emission...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gedanken rasen zum Erfolg: CYBATHLON BCI Series 2019

16.08.2019 | Veranstaltungen

Impfen – Kleiner Piks mit großer Wirkung

15.08.2019 | Veranstaltungen

Internationale Tagung zur Katalyseforschung in Aachen

14.08.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Laser für durchdringende Wellen: Forscherteam entwickelt neues Prinzip zur Erzeugung von Terahertz-Strahlung

16.08.2019 | Physik Astronomie

Solarflugzeug icaré testet elektrische Flächenendantriebe

16.08.2019 | Energie und Elektrotechnik

Neue Überlebensstrategie der Pneumokokken im Zentralnervensystem identifiziert

16.08.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics