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Ängste besorgter Bürger wegen Poloniumspuren in Flugzeugen

01.12.2006
GSF - Forschungszentrum bietet in begründeten Ausnahmefällen Analysen an

Nach Aussage der britischen Gesundheitsbehörde (Health Protection Agency) sind in drei Flugzeugen der Fluggesellschaft British Airways Spuren von Polonium 210 nachgewiesen worden.

Beim GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit gehen nun zahlreiche Anfragen von Gesundheitsbehörden und besorgten Bürgern ein. Nach Einschätzung der Wissenschaftler aus dem GSF-Institut für Strahlenschutz geht das Risiko für Bürgerinnen und Bürger, die in einem der drei Flugzeuge als Passagiere oder Personal mit geflogen sind, gegen Null. Allerdings lassen sich theoretische Einzelfälle konstruieren, in denen diese Einschätzung möglicherweise in Frage gestellt werden könnte.

Daher hat sich die GSF entschlossen, für wirklich begründete Ausnahmefälle (beispielsweise von extrem unter Angstzuständen leidenden Betroffenen) und nur in direkter Abwicklung über die Gesundheitsämter Poloniumanalysen von Urinproben anzubieten. Da die Analyse sehr aufwändig ist und pro Tag nur cirka 10 Proben analysiert werden können, muss wirklich der Ausnahmecharakter dieser Aktion betont werden.

Die Annahme der Urinproben bei der GSF erfolgt ausschließlich direkt von den Gesundheitsämtern. Der Unkostenbeitrag für eine Analyse beträgt EUR 300,-.

Für weitere Fragen zu den Analysen wenden Sie sich bitte an

Dr. Uwe Oeh, GSF-Institut für Strahlenschutz, Tel.: 089/3187-4247, E-Mail: uwe.oeh@gsf.de

Polonium: Hintergrundinformationen des GSF - Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit anlässlich der Vergiftung des russischen Ex-Spions Alexander Litvinenko

Polonium (Po) ist das chemische Element mit der Ordnungszahl 84. Es ist ein silbriges, radioaktives Metall, das sich chemisch ähnlich wie Tellur und Wismut verhält. Es entsteht ständig in der Natur in der langen natürlichen radioaktiven Zerfallskette von Uran-238. Es wurde 1897 von Marie und ihrem Ehemann Pierre Curie entdeckt und nach ihrem Heimatland Polen benannt, das damals unter Fremdherrschaft war und politisch nicht als unabhängiges Land betrachtet wurde.

Po kommt in der Natur in Form einiger Isotope (mit den Atomgewichten 208, 209, 210) vor (sehr selten: ca. 100 Mikrogramm pro Tonne Uranerz), jährlich werden künstlich schätzungsweise etwa 100 Gramm hergestellt. Es wird technisch z.B. gemischt mit Beryllium als Neutronenquelle verwendet (so z.B. auch als Triggermaterial für Atombomben), zum Eliminieren statischer Aufladungen in der Photo- und Textilindustrie und als leichtgewichtige Wärmequelle für thermoelektrische Zellen (z.B. in der Raumfahrt). So kann ein Gramm Po-210 140 Watt Energie erzeugen.

Raucher nehmen mit dem Zigarettenrauch größere Mengen davon auf, da sich Po in der normalen Umwelt als Radonfolgeprodukt auch auf Tabakblättern absetzt.

Po-210 hat eine Halbwertszeit von 138 Tagen und emittiert beim Zerfall ein Alphateilchen mit 5,4 MeV Energie, das eine Reichweite in Gewebe von weniger als 0,1 mm hat. In den menschlichen Körper gebracht (z.B. über Inhalation, vor allem beim Rauchen, durch eine kleine Wunde oder durch Ingestion mit der Nahrung) ist es ein starkes Gift. Laut Prof. Dr. Herwig Paretzke, Direktor des Instituts für Strahlenschutz des GSF Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, könnten bereits 0,1 Mikrogramm reines Po-210 im Verlaufe von Tagen im Körper eine tödliche Dosis von 10 Gray hervorrufen (der Dosis-Konversionskoeffizient beträgt ca. 5 x 10 hoch -7 Sv/Bq, die spezifische Aktivität ist fast 2 x 10 hoch 14 Bq/g).

Die biologische Halbwertszeit von Polonium im menschlichen Körper beträgt 30-50 Tage; es wird zu 90 % über Fäzes und zu 10 % über Urin ausgeschieden. Wegen des nur sehr geringen Gammastrahlungsanteils beim radioaktiven Zerfalls ist eine Po-210-Inkorporation eines Menschen von außen nicht in einem Ganzkörperzähler sonder nur über Ausscheidungsanalytik festzustellen.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte die GSF- Pressestelle:

GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: 089/3187-2460
Fax 089/3187-3324
E-Mail: oea@gsf.de

Michael van den Heuvel | idw
Weitere Informationen:
http://www.gsf.de/neu/Aktuelles/Presse/2006/polonium.php

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