Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinderärzte fordern mehr Engagement gegen hohe Kindersterblichkeit

29.01.2002


NACHLESE

20. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Tropenpädiatrie vom 25. bis 27. Januar 2002 in Gießen

Vom 25. bis 27. Januar 2002 trafen sich in Gießen rund 120 Kinderärzte aus Deutschland, den Niederlanden, Tansania, Brasilien und Südafrika, um über die hohe Kindersterblichkeit und die medizinische Betreuung von Kindern in Ländern mit niedrigen Einkommen zu beraten. Zentrale Ursache der hohen Kindersterblichkeit ist Armut, die sowohl die Lebensbedingungen in den Familien als auch die Ausstattung und Qualität der Gesundheitseinrichtungen betrifft. "Ohne die konsequente Armutsbekämpfung in den Partnerländern bleiben unsere Bemühungen um die unmittelbare Gesundheitspflege und das Leben jedes einzelnen Kindes erfolglos. Nur wenn die Gesellschaft der Bundesrepublik zu einer Politik intensivierter und ausreichend finanziell ausgestatteter Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit bereit ist, bekommt das humanitäre Engagement einen Sinn", so der Vorsitzende der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Tropenpädiatrie, Prof. Dr. Michael Krawinkel, bei der Tagung.

Kriegshandlungen wirkten immer destruktiv. Der Beschluss des Bundestags zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan müsse auch hinsichtlich der Förderung von Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit rasch und voll umgesetzt werden. Es sei nicht akzeptabel, wenn inzwischen nur noch die Finanzierung der militärischen Komponente in der politischen Diskussion sei. Mit jeder Mark für Militärausgaben müsse auch die Entwicklungszusammenarbeit und Armutsbekämpfung gesteigert werden. Die sozialen Konflikte, die als Folge der wirtschaftlichen Globalisierung in den Ländern mit niedrigen Einkommen entstehen, dürfen nicht durch die Förderung von Polizeistaaten verschärft werden. Prävention von Konflikten ist eine originäre soziale Aufgabe, bei der Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe die Chance bieten, Kriege zu vermeiden.

Prof. Hoosen Coovadia, Durban, Südafrika, berichtete über die verheerenden Folgen der HIV/AIDS-Epidemie im südlichen Afrika. Neben der Finanzierung von Medikamenten ist es entscheidend, dass durch die Qualifizierung der Mitarbeiter und die Ausstattung des Gesundheitswesens die Medikamente auch richtig angewendet werden. Nur so kann den Menschen tatsächlich geholfen und vermieden werden, die eingesetzten Mittel zu vergeuden.

Der Vorsitzende der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Tropenpädiatrie, Prof. Dr. Michael Krawinkel, sagte: "Mit UNICEF teilen wir die Einschätzung des vergangenen Jahrzehnts als eine Periode versäumter Gelegenheiten. In einzelnen beklagen wir: Ein Drittel aller Kinder wird immer noch nicht bei der Geburt registriert und in der Folge bei den Planungen für Gesundheits- und Bildungsmaßnahmen nicht berücksichtigt."

Rund 30 Millionen Säuglinge werden noch nicht durch Routine-Impfungen erreicht. Im Afrika südlich der Sahara sind nur 53% der Kinder gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten geimpft. Ein Drittel aller Kinder auf der Welt leiden unter Mangelernährung. Die Rate sank nur um 14% in den Ländern mit niedrigen Einkommen statt der angestrebten 50%. In Asien sank die Rate der Mangelernährten nur um 7%, in Afrika südlich der Sahara stieg die absolute Zahl unterernährter Kinder sogar an. Heute sind 1,1 Milliarde Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und 2,4 Milliarden ohne sanitäre Anlagen. Das Ziel der weltweiten Grundbildung ist nicht erreicht worden.

Über 100 Millionen Kinder im Grundschulalter besuchen keine Schule, und die Qualität der Bildung ist oft mangelhaft. Mädchen sind besonders benachteiligt und haben seltener Zugang zu Schulbildung. Die Müttersterblichkeit ist immer noch so hoch wie 1990, anstatt dass sie wie vorgesehen halbiert worden wäre. Das Ziel des Zugangs zur Vorsorge für alle schwangeren Frauen und der Betreuung aller Geburten durch ausgebildete Helferinnen oder Hebammen wurde ebenfalls verfehlt. Nur 71% der Geburten in Südasien und 63% der Geburten in Afrika südlich der Sahara werden angemessen betreut. Insgesamt stellt die Gesundheitssituation insbesondere von Kindern und Frauen in Ländern mit niedrigen Einkommen einen Skandal in der bereits weitgehend von der wirtschaftlichen Globalisierung erfassten Welt dar, gegen den hehre politische Versprechungen nichts nützen. Die Kinderärzte rufen die Bevölkerung auf, dem Elend der Mehrzahl der Menschen auf der Erde gegenüber nicht gleichgültig zu sein, sondern Politiker aller Parteien massiv zu verstärktem Einsatz gegen Armut, Hunger und Krankheit aufzufordern.


Kontakt:

Prof. Dr. Michael Krawinkel


Institut für Ernährungswissenschaft und Zentrum für Kinderheilkunde
Wilhelmstraße 20
35392 Gießen

Tel.: 0641/99-39048
Fax: 0641/99-39039
E-Mail: Michael.Krawinkel@ernaehrung.uni-giessen.de

Christel Lauterbach | idw

Weitere Berichte zu: Kindersterblichkeit Tropenpädiatrie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht MHH-Forscher entdeckt: Ein Muskelprotein hilft bei der Eizellteilung
14.10.2019 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Forscher entschlüsseln Wirkung von Ebola-Impfstoff - Virologen der Uniklinik Köln identifizieren neue Antikörper
08.10.2019 | Uniklinik Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hohlraum vermittelt starke Wechselwirkung zwischen Licht und Materie

Forschern ist es gelungen, mithilfe eines mikroskopischen Hohlraumes eine effiziente quantenmechanische Licht-Materie-Schnittstelle zu schaffen. Darin wird ein einzelnes Photon bis zu zehn Mal von einem künstlichen Atom ausgesandt und wieder absorbiert. Das eröffnet neue Perspektiven für die Quantentechnologie, berichten Physiker der Universität Basel und der Ruhr-Universität Bochum in der Zeitschrift «Nature».

Die Quantenphysik beschreibt Photonen als Lichtteilchen. Will man ein einzelnes Photon mit einem einzelnen Atom interagieren lassen, stellt dies aufgrund der...

Im Focus: A cavity leads to a strong interaction between light and matter

Researchers have succeeded in creating an efficient quantum-mechanical light-matter interface using a microscopic cavity. Within this cavity, a single photon is emitted and absorbed up to 10 times by an artificial atom. This opens up new prospects for quantum technology, report physicists at the University of Basel and Ruhr-University Bochum in the journal Nature.

Quantum physics describes photons as light particles. Achieving an interaction between a single photon and a single atom is a huge challenge due to the tiny...

Im Focus: Freiburger Forschenden gelingt die erste Synthese eines kationischen Tetraederclusters in Lösung

Hauptgruppenatome kommen oft in kleinen Clustern vor, die neutral, negativ oder positiv geladen sein können. Das bekannteste neutrale sogenannte Tetraedercluster ist der weiße Phosphor (P4), aber darüber hinaus sind weitere Tetraeder als Substanz isolierbar. Es handelt sich um Moleküle aus vier Atomen, deren räumliche Anordnung einem Tetraeder aus gleichseitigen Dreiecken entspricht. Bisher waren neben mindestens sechs neutralen Versionen wie As4 oder AsP3 eine Vielzahl von negativ geladenen Tetraedern wie In2Sb22– bekannt, jedoch keine kationischen, also positiv geladenen Varianten.

Ein Team um Prof. Dr. Ingo Krossing vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Freiburg ist es gelungen, diese positiv geladenen...

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

13. Aachener Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung – »Collaborate to Innovate: Making the Net Work«

22.10.2019 | Veranstaltungen

Serienfertigung von XXL-Produkten: Expertentreffen in Hannover

22.10.2019 | Veranstaltungen

Digitales-Krankenhaus – wo bleibt der Mensch?

21.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

13. Aachener Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung – »Collaborate to Innovate: Making the Net Work«

22.10.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Studenten entwickeln einen Koffer, der automatisch auf Schritt und Tritt folgt

22.10.2019 | Innovative Produkte

Chemikern der Universität Münster gelingt Herstellung neuartiger Lewis-Supersäuren auf Phosphor-Basis

22.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics