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Auf dem Weg zu einer neuen Gesundheitsökonomie

23.01.2002


BVMed: "Medizintechnologien bringen wirtschaftlichen Nutzen


Medizintechnologien sind nicht nur unentbehrlich für die Gesundheit und die Lebensqualität der Menschen, sie bringen auch der Wirtschaft einen Nutzen von Milliarden von Euro. Darauf wies der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) mit Blick auf neue gesundheitsökonomische Studien führender Wirtschaftswissenschaftler hin. Jüngste Studien aus den USA berechneten den Wert medizinischer Behandlungen u. a. durch die Erhöhung von Überlebensquoten und den Rückgang von Behinderungen.

Die Wirtschaftswissenschaftler definierten in ihren Studien "Nutzen" als "bessere Gesundheit" (hauptsächlich ein längeres Leben) und "erhöhte Produktivität durch Arbeitsfähigkeit". Sie verwendeten den allgemein akzeptierten Wert von 100.000 Euro für jedes Lebensjahr ohne Krankheit. Der renommierte Ökonom David Cutler sagte dem Wall Street Journal, dass "die Gesellschaft sich verhält, als seien die erhöhten Gesundheitsausgaben eine erhöhte Verschwendung. Das ist nicht richtig. Die erhöhten Ausgaben ’kaufen’ nur wertvollere Dinge." Tatsächlich sei der "Netto-Nutzen" von Medizintechnologien beispielsweise in der Behandlung eines Herzinfarktes so hoch, dass nach Ansicht der Ökonomen der technologische Fortschritt Investitionen in überwältigendem Maße wert wäre. Und diese Rechnung beinhalte noch nicht die Veränderungen der Lebensqualität der Patienten, was noch weiteren Nutzen hinzufügen würde, so die Autoren.


BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt: "Innovative Medizintechnologien sind unentbehrlich für Gesundheit und bessere Lebensqualität der Menschen. Investitionen in Medizintechnologien sind Investitionen in das Leben und die Leistungsfähigkeit der Menschen. Dieses Bewusstsein, das in amerikanischen Studien verstärkt zum Ausdruck kommt, muss auch in Deutschland stärker in den Vordergrund rücken."

Als Beispiele für aktuelle Studien nannte der BVMed:
  • Die Wirtschaftswissenschaftler David Cutler (Harvard University) und Mark McClellan (Stanford University, jetzt Berater des Weißen Hauses) schätzen, dass Medizintechnologien einen Netto-Nutzen von ungefähr 60.000 Euro pro Jahr und Patient schaffen, indem sie die durchschnittliche Lebenserwartung nach einem Herzinfarkt um ein zusätzliches Jahr verlängern. Sie weisen auch darauf hin, dass 70 % der gesteigerten Lebenserwartung den Medizintechnologien zu verdanken sind. Außerdem entsteht mit Technologien durch die Verlängerung der Lebenserwartung von Frühgeborenen um durchschnittlich 12 Jahre ein Gegenwert von 200.000 Euro - das sind 6 Euro "Nutzen" pro ausgegebenem Euro. Intraokularlinsen und ähnliche Medizintechnologien der Katarakt-Chirurgie bringen ebenso einen Nutzen von 95.000 Euro in Form von klarer Sicht, unabhängigem Leben und mehr Mobilität.

  • Die Wirtschaftswissenschaftler Robert Topel und Kevin Murphy von Universität Chicago haben berechnet, dass eine Reduzierung von Herzkrankheiten um nur ein Prozent für Patienten ungefähr einen Wert von 500 Milliarden Euro ausmacht. Er stützt seine Folgerung auf Studien, die die Bereitschaft von Patienten ermitteln, mehr Geld für zusätzliche Jahre guter Gesundheit zu zahlen. Ebenso ist ein einprozentiger Rückgang von Todesfällen durch Krebs ungefähr 500 Millionen Euro wert. Verwendet man diese Methode, den Wert von verbesserter Gesundheit zu messen, würden Medizintechnologien für ca. 300 Milliarden Euro jährlich in Form von besserer Gesundheit allein durch eine höhere Überlebensrate nach Herzinfarkten sorgen.

  • Der Vorsitzende der Amerikanischen Zentralbank, Alan Greenspan, weist auf die Rolle von Medizintechnologien bei der Erhöhung wirtschaftlicher Produktivität hin. Die Erhöhung der Produktivität ergibt sich aus schnelleren Diagnosen, kürzeren Krankenhausaufenthalten, kürzeren Erholungszeiten, besseren Informationen, besseren Ergebnissen und längerem Leben. Würde man Preisänderungen für Medizintechnologien so anpassen, dass auch nur einige dieser Verbesserungen mit eingerechnet wären, so wären - sagt Greenspan - die wirklichen Preise von medizinischen Verfahren seit Mitte der 80iger gefallen.

Fazit des BVMed: "Zusätzlich zum Patientennutzen können Medizintechnologien durch eine wirtschaftlichere Versorgung der Patienten dazu beitragen, die Mittel im Gesundheitswesen effizient und zielgerichtet einzusetzen, was gleichzeitig auch Produktivitätssteigerungen bedeutet. Die beeindruckenden Ergebnisse US-amerikanischer Studien müssen nun durch europäisches bzw. deutsches Datenmaterial untermauert werden, damit eine neue gesundheitsökonomische Diskussion über den Wert von Medizintechnologien auch in Deutschland auf einer sachlichen und zukunftsorientierten Basis geführt werden können. Ziel muss es sein, innovative Medizintechnologien allen Patienten, die sie benötigen, ohne Verzögerungen zur Verfügung zu stellen."

Manfred Beeres | BVMed

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