Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn "Frustessen" krankhaft ist: RUB-Psychologen bieten Therapie für Frauen mit Binge-Eating-Störung

04.09.2006
RUB-Psychologen bieten Hilfe gegen quälende Ess-Anfälle

Bis zu 1800 kcal verschlingen Patienten mit Binge-Eating-Störung bei einer typischen Ess-Attacke, oft ausgelöst durch Stress oder Streit, Langeweile oder Frust. Die kurzfristige Erleichterung durch die "Nervennahrung" bezahlen sie mit quälender Scham oder Trauer.

Anders als Patienten mit Bulimie ergreifen die Betroffenen keine Maßnahmen wie Erbrechen oder Abführmittel, um ihr Gewicht zu regulieren, weswegen viele von ihnen übergewichtig sind. Hilfe gegen die erst kürzlich als Krankheit anerkannte Störung bietet das Zentrum für Psychotherapie der Ruhr-Universität (ZPT). In einer Gruppentherapie über zehn Sitzungen können Betroffene lernen, ein positives Körpergefühl aufzubauen. Interessierte können sich unter Tel. 0234/32-27788 oder per Mail (nadia.nasrawi@kli.psy.rub.de) informieren.

Trügerische "Nervennahrung": Schokolade und Kekse

... mehr zu:
»Bulimie

Als Hauptsymptom der Binge-Eating-Störung (BED) gelten Essanfälle, bei denen die Patienten insbesondere Nahrungsmittel mit hohem Fett- und geringem Proteinanteil verzehren, typischerweise Schokolade und Kekse. "Patientinnen beschreiben oft einen Kontrollverlust während dieser Essanfälle, d h. sie haben das Gefühl, nicht mehr mit dem Essen aufhören zu können und nicht mehr kontrollieren zu können was und wie viel sie essen", erläutert Nadia Nasrawi. Die Essanfälle treten oft in Situationen auf, in denen die Betroffenen negative Gefühle wie Langeweile, Einsamkeit, Konflikte am Arbeitsplatz oder Streitigkeiten mit der Familie/dem Partner erleben. Somit dienen die Essanfälle einer kurzfristigen Verminderung von Anspannung. "Gegessen wird meist bis zu einem unangenehmem Völlegefühl", erklärt Nadia Nasrawi, "und danach treten oft Scham- und Trauergefühle auf, worunter die Beteiligten sehr leiden."

30% der Übergewichtigen sind von BED betroffen

Im Unterschied zur Bulimia Nervosa ergreifen Patientinnen mit der Binge Eating Störung anschließend keine systematischen "Gegenmaßnahmen" zur Gewichtsregulation, wie z.B. Erbrechen oder die Einnahme von Abführmitteln. Daher sind viele Frauen mit BED übergewichtig. Umgekehrt leiden ca. 30 Prozent der Übergewichtigen an einer Binge Eating Störung. Die Verbreitung in der Allgemeinbevölkerung liegt bei ca. 0,7-4,6 Prozent.

Die Einstellung dem eigenen Körper gegenüber leidet

Durch viele erfolglose Diätversuche, die die Frauen oft hinter sich haben, steigt die Frustration. Die Einstellung sich selbst gegenüber, insbesondere dem eigenen Körper gegenüber, leidet. So weisen verschiedene Studien darauf hin, dass Frauen mit einer Binge Eating Störung ein negatives Körperbild haben, d.h. ihren Körper ablehnen, und sehr oft über die Themen "Figur" und "Gewicht" nachdenken. "Viele Frauen mit Binge Eating Störung nehmen sich als dicker wahr als sie es sind und verstecken ihren Körper vor sich und anderen", so Nadia Nasrawi. "Diese Symptomatik ist der von Magersucht und Bulimie sehr ähnlich."

Erfolgreiches Konzept auf anderes Krankheitsbild übertragen

Da sich bei Magersucht und Bulimie die Körperbildtherapie als sehr erfolgreich erwiesen hat, haben die Forscher das Konzept nun auch auf die Binge Eating Störung übertragen. Erste Erfahrungen belegen, dass auch diese Frauen von der Körperbildtherapie profitieren können. Daher bietet die Ruhr-Universität eine Gruppentherapie mit zehn Sitzungen zu 90 Minuten an, die auf die Verbesserung des Verhältnisses zum eigenen Körper zielt. Inhaltlich wird neben der Erarbeitung der individuellen Entstehungsbedingungen des eigenen negativen Körperbildes das Augenmerk auf das Aufdecken und Verändern negativer Gedanken gelegt, die in Bezug auf den eigenen Körper bestehen (z.B. "Der Wert meiner Person hängt von meinem Gewicht ab."). Einen weiteren Schwerpunkt der Gruppe bildet die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper per Spiegel und Video. Sie dient dem Abbau der negativen Gefühle und Einstellungen dem eigenen Körper gegenüber.

Durch diese Übungen sollen die Teilnehmerinnen außerdem darin unterstützt werden, auch positive Aspekte ihres Körpers zu entdecken. Im letzten Schritt sollen die Teilnehmerinnen das "neue" Körpergefühl in den Alltag übertragen, indem sie das Vermeidungs- und Kontrollverhalten allmählich abbauen und regelmäßige positive körperbezogene Aktivitäten ausüben. "So unterstützen wir die Teilnehmerinnen darin, ihren Körper nicht mehr als 'Feind' anzusehen, den es zu bekämpfen gilt, sondern positive Erfahrungen mit ihm zu machen", fasst Nadia Nasrawi zusammen.

Informationen für Interessierte Patientinnen

Interessierte Frauen mit der Binge Eating Störung, Magersucht oder Bulimie können sich im Zentrum für Psychotherapie (ZPT) an der Ruhr-Universität Bochum unter der Tel. 0234/32-27788 oder per E-Mail (nadia.nasrawi@kli.psy.ruhr-uni-bochum.de) melden.

Weitere Informationen

Dipl. Psych. Nadia Nasrawi, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Psychologie, Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie, nadia.nasrawi@kli.psy.ruhr-uni-bochum.de, Handy: 0177/3283828

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Berichte zu: Bulimie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Lebensmittel der Zukunft
15.08.2018 | Georg-August-Universität Göttingen

nachricht Orientieren auf die Schnelle: Neue Erkenntnisse zur Wahrnehmungssteuerung im Gehirn
15.08.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Alles zur Kryotechnik: HDT bietet Seminar zum „Kryostatbau“ in Karlsruhe an

15.08.2018 | Seminare Workshops

Brandschutz im Tanklager – Tagung in Essen

15.08.2018 | Seminare Workshops

Orientieren auf die Schnelle: Neue Erkenntnisse zur Wahrnehmungssteuerung im Gehirn

15.08.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics