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Der Doktor von morgen lernt anders - Jenaer Mediziner erproben moderne Formen der Ausbildung

09.01.2002


Innere Medizin, Chirurgie, Geburtshilfe, Neurologie, das sind nur einige der klassischen Fächer, mit denen sich angehende Ärzte in ihrem Studium beschäftigen. Gelehrt wurden sie meist isoliert und fein säuberlich voneinander getrennt. Doch der Mensch lässt sich nicht aufteilen und in verschiedenen Schubladen stecken, und seine Krankheiten ebenso wenig. Hinter einem Krankheitsanzeichen stecken oft viele Ursachen, die mehrere dieser Fächer berühren können. Deshalb geht die Tendenz in der Medizinerausbildung weg vom klassischen Lehren und Lernen nach Fächern, hin zu einem an der jeweiligen Krankheit orientierten Vermitteln von Wissen.

An der Uniklinik Jena erproben jetzt gemeinsam der Hautarzt Prof. Dr. Peter Elsner, der Herzchirurg Prof. Dr. Thorsten Wahlers, der Rheumatologe Prof. Dr. Gert E. Hein sowie der Medizinpsychologie Prof. Dr. Bernhard Strauss dieses Problemorientierte Lernen (POL). Die neue Art der Ausbildung ist Teil des FILM-Projekts (Fallbasiertes interdisziplinäres Lernen in einer multimedialen Lernumgebung), das vom Thüringischen Wissenschaftsministerium gefördert wird.

Dabei wird den Studenten ein Patient anhand seiner Fallbeschreibung vorgestellt, die noch zusätzlich durch Bild- und Tondokumente und sogar durch kurze Videofilmchen angereichert ist. Auf diese Weise lernen sie eine typische "Patientengeschichte" kennen, wie sie auch in der ärztlichen Praxis häufig vorkommt. Zusätzlich werden den Studenten auf einer Webseite "virtuelle Patienten" vorgestellt. An ihnen können sie üben, wie man eine vollständige Krankengeschichte (Fachwort: Anamnese) erhebt, welche Untersuchungen sie veranlassen müssen und wie man die Ergebnisse dieser Untersuchungen deutet. Zum Schluss überlegen sie dann, welche Heilbehandlung im gegebenen Fall am ehesten Besserung verspricht.

Dabei achten die Ausbilder immer darauf, dass eine Erkrankung nicht nur aus dem Blickwinkel eines einzelnen Faches heraus betrachtet wird, sondern in ihrer ganzen Vielschichtigkeit über die verschiedenen medizinischen Fachgebiete hinweg. Erst dann nämlich lassen sich die Ursachen der Krankheit herausfinden, erst dann auch ist eine auf den Einzelfall zugeschnittene Behandlung möglich.

Bei ihrem neuen Ausbildungsansatz berücksichtigen die Jenaer Mediziner auch, dass heutige Ärzte immer stärker mit digitalen Medien und Online-Daten zu tun haben. Dabei können sie auf Erfahrungen zurückgreifen, die sie bereits mit der Lehr- und Lernplattform DEJAVU (Dermatological Education as Joint Accomplishment of Virtual Universities, etwa: Ausbildung von Hautärzten als gemeinsame Anstrengung virtueller Universitäten, im Internet unter www.projekt-dejavu.de ) gesammelt haben. Auf der Basis von DEJAVU wollen sie fachübergreifend Inhalte erstellen, die medizinisches Wissen zeitgemäß aufbereitet vermitteln und dabei gleichzeitig die Fähigkeiten der Studierenden im Umgang mit den neuen Medien stärken.

Weitere Informationen: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Medizinische Fakultät, Lehrstuhl für Dermatologie und Venerologie, Erfurter Str. 35, 07740 Jena, Prof. Dr. Peter Elsner, Telefon 03641/9-37370, Fax 03641/9-37315, E-Mail: info@derma-jena.de

Hubert J. Gieß | idw
Weitere Informationen:
http://www.projekt-dejavu.de/

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