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Zusammenhang zwischen Streptokokkenangina und Streptokokken-Nachkrankheiten entschlüsselt

20.07.2006
Münchner Mediziner erhalten den diesjährigen Serono-Forschungspreis

Die Münchner Forschergruppe von Prof. Jörg Prinz an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie des Klinikums der Universität München hat den Zusammenhang zwischen Streptokokkenangina und Streptokokken-Nachkrankheit näher charakterisiert. Eine Hauterkrankung, die durch Streptokokkeninfektionen ausgelöst werden kann, ist Psoriasis vulgaris, die Schuppenflechte. Sie ist eine eminent chronische, nach ihrem Ausbruch oft lebenslang anhaltende Erkrankung von Haut und Gelenken. Bei der Psoriasis induzieren und unterhalten chronische Streptokokkenanginen eine besonders entzündliche, exanthematische Verlaufsform der Schuppenflechte. Interessanterweise kann eine Entfernung der Mandeln durch Tonsillektomie zu einer deutlichen Besserung oder sogar Abheilung dieser Psoriasisform führen. Die Arbeit wird nun bei der Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie in München (23. - 28. Juli 2006) mit dem Serono-Forschungspreis in Höhe von 10.000 Euro ausgezeichnet.

Psoriasis vulgaris wird heute als T-Zell-vermittelte Autoimmunerkrankung angesehen. Hierbei kommt es zu einer klonalen Expansion der krankheitsvermittelnden T-Zellen in der Haut der Patienten. Diese T-Zellen können durch ein bestimmtes Molekül, den T-Zell-Rezeptor, identifiziert werden, der letztendlich die Spezifität der T-Zellen vermittelt. Durch molekularbiologische Untersuchungen konnten die Wissenschaftler die krankheitsvermittelnden T-Zellen nun gleichzeitig in den Hautveränderungen und in den Tonsillen von Patienten nachweisen, die wegen einer Streptokokken-induzierten Psoriasis tonsillektomiert worden waren. Dabei ließen sich die Krankheitsvermittelnden T-Zellen in der Fraktion der Tonsillen-T-Zellen nachweisen, die durch ein bestimmtes Molekül, das cutaneous lymphocyte-associated antigen, gezielt in die Haut einwandern können. Da in allen drei untersuchten Fällen die Psoriasis abheilte, folgerten die Wissenschaftler, dass Streptokokkeninfektionen der Tonsille zu einer Aktivierung und Expansion der pathogenen T-Zellen führen, die dann speziell in das jeweilige Organ der Streptokokken-Nachkrankheit einwandern. Die Elimination der Tonsillen unterbindet den Nachschub dieser krankheitsvermittelnden Zellen und kann so den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Diese Erkenntnis sollte die Therapie der Streptokokken-Nachkrankheiten entscheidend beeinflussen.

Epidemien mit hoher Morbidität und Mortalität

Zahlreiche Autoimmunerkrankungen werden durch bakterielle oder virale Infektionen ausgelöst. Dabei wird in einem genetisch prädisponierten Individuum durch den infektiösen Erreger eine Immunantwort ausgelöst, die sich letztendlich gegen körpereigene Strukturen richtet und so eine chronische, organschädigende Entzündung vermittelt.

Eine der am längsten bekannten, durch Infektionen ausgelösten Autoimmunerkrankungen sind die so genannten Streptokokken-Nachkrankheiten. Zu dieser Gruppe gehören das rheumatische Fieber mit Entzündungen des Herzmuskels und der Herzklappen, Gelenksentzündungen, Entzündungen der Niere (Glomerulonephritis) und des Zentralnervensystems. Sie werden ausgelöst durch eine Tonsillitis/Mandelentzündung mit ß-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A nach Lancefield, einem gram-positiven Bakterium. Streptokokken-Nachkrankheiten spielten über die Jahrhunderte vor allem in der "vorantibiotischen Ära" eine große Rolle, da sie mit erheblicher Morbidität und auch Mortalität verbunden waren. Auch heute kommt es immer wieder zu Epidemien, die vor allem in den Entwicklungsländern, aber auch in der westlichen Welt mit entsprechenden Krankheitsfolgen verbunden sind.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Jörg C. Prinz
Klinikum der Universität München -
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Frauenlobstr. 9-11
D-80337 München
Tel: 089/5160-6010
Fax: 089/5160-6064
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München werden an den Standorten Großhadern und Innenstadt jährlich rund 85.000 Patienten stationär und 371.000 Patienten ambulant behandelt. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über etwa 2.400 Betten. Von insgesamt 9000 Beschäftigten sind rund 1800 Mediziner. Jährlich finden zahlreiche medizinische und wissenschaftliche Kongresse und Tagungen, sowie Kurse und Informationsveranstaltungen für Patienten statt. Das Klinikum der Universität München zählt zu den größten Gesundheitseinrichtungen in Deutschland und hat im Jahr 2004 mehr als 52 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.klinikum.uni-muenchen.de

Literatur:
Diluvio L, Vollmer S, Besgen P, Ellwart JW, Chimenti S, Prinz JC. Identical TCR beta-chain rearrangements in streptococcal angina and skin lesions of patients with Psoriasis vulgaris. J Immunol. 2006 Jun 1;176(11):7104-11.

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

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