Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Künstliche Ersatzlunge als Lebensretter bei schwerem Lungenversagen

27.06.2006
Wissenschaftler am Aachener Lehrstuhl für Angewandte Medizintechnik im Helmholtz-Institut entwickeln mit HEXMO einen tragbaren Membran-Oxygenator

Schwere Verbrennungen, Rauchvergiftungen oder Lungenentzündungen: Beim akuten Lungenversagen ist schnelles Handeln von Seiten der Intensivmediziner gefragt. Bisher werden die meisten Patienten künstlich beatmet, indem Sauerstoff mit Überdruck in die Lunge gepresst wird. Doch rund die Hälfte der Behandelten überlebt dieses Verfahren nicht. Die Gefahr besteht, dass die Lunge überbläht wird beziehungsweise noch gesunde Lungenbereiche massiv geschädigt werden. Ein internationales Forscherteam am Aachener Institut für Angewandte Medizintechnik arbeitet daher mit Hochdruck an einer lebensrettenden Alternative: Mit dem HEXMO-Gerät (Hochintegrierter, Extrakorpuraler Membran-Oxygenator) entwickeln sie eine kleine, blutschonende "Ersatzlunge", die außerhalb des Körpers das Blut des Patienten mit Sauerstoff versorgt beziehungsweise das überschüssige CO2 daraus entfernt.

Das Verfahren an sich, die so genannte extrakorpulare Membran-Oxygenation (ECMO), wird bereits in wenigen spezialisierten Kliniken angewendet. Die Aachener Universitätsklinik ist eine davon. Doch die bisherige Medizintechnik hat verschiedene Nachteile. Dazu zählt, dass die Geräte zu groß sind, um sie direkt in Notarztwagen einsetzen zu können. Außerdem besteht die Gefahr, dass das Blut des Patienten außerhalb des Körpers geschädigt wird: "Bei der Sauerstoffanreicherung außerhalb des Körpers wird das Blut aus der Vene entnommen und mit Hilfe eines Pumpsystems durch den Oxygenator geleitet", erklärt Dr. Ulrich Steinseifer, der im Helmholtz-Institut das HEXMO-Projekt betreut. "Dabei kommt das Blut in Kontakt mit verschiedenen Materialien - etwa den beschichteten Schläuchen, wodurch es zu Blutgerinnungsstörungen kommen kann."

Mit der Entwicklung des HEXMO-Systems haben die Aachener Wissenschaftler die Nase international vorn. Der Vorteil: "Bei HEXMO ist die Blutpumpe direkt in den Oxygenator integriert", erklärt Ulrich Steinseifer. "Dadurch reduziert sich der Blutkontakt mit anderen Materialien erheblich, so dass die Gefahr der Blutschädigung drastisch reduziert wird." Auch kann die Menge des entnommenen Blutes minimiert werden. Zudem ist das System sehr handlich konstruiert, so dass es auch in Notarztwagen eingesetzt werden könnte.

Doch bis zum Erste-Hilfe-Einsatz vor Ort dauert es noch. Erste HEXMO-Prototypen existieren bereits. Noch für dieses Jahr sind erste Tierversuche geplant. Danach steht jedoch als nächster Schritt die sorgfältige klinische Evaluierung an. Die Zusammenarbeit mit den Intensivmedizinern am Universitätsklinikum Aachen läuft bereits. "Von dieser innovativen Medizintechnik werden in einigen Jahren viele Schwerstlungenkranke profitieren", prognostiziert Professor Ralf Kuhlen, der als Ärztlicher Leiter die operative Intensivmedizin am UKA betreut. Rund 25.000 schwerste Fälle von Lungenentzündungen, so schätzt der Intensivmediziner, werden jährlich in bundesdeutschen Kliniken behandelt. Die HEXMO-Forschung kommt aus seiner Sicht indes allen zugute: "Rein statistisch gesehen liegt jeder Mensch einmal im Leben auf einer Intensivstation."

Weitere Informationen bei:

Dr. Ulrich Steinseifer
Lehrstuhl für Angewandte Medizintechnik, Helmholz-Institut, RWTH Aachen
Tel.: 0241/80-88762
E-Mail: steinseifer@hia.rwth-aachen.de

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Berichte zu: Lungenversagen Medizintechnik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Narkolepsie: Wissenschaftler entlarven den Übeltäter der rätselhaften Schlafkrankheit
20.09.2018 | Universitätsspital Bern

nachricht Virotherapie bei Bauchfellkrebs erfolgreich getestet - Neue biologische Krebstherapie
18.09.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics