Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zoom-Endoskopie: Darmkrebsfrüherkennung auf höchstem Niveau

21.11.2001


Die prognostisch wichtige Einschätzung der Infiltrationstiefe eines "hochgradig entarteten flachen Adenoms" im Dickdarm (Kolon) ist bei 150-facher Zoom-Vergrößerung möglich. Der Vergleich mit der Oberfläche eines 100 DM-Scheines verdeutlicht die Möglichkeiten der dreidimensionalen Auflösung bei gleicher Vergrößerung.
Foto: Olympus Fotoarchiv


Neue Endoskope mit maximaler Vergrößerungstechnologie machen kleinste Schleimhautveränderungen sichtbar

Trotz deutlich verbesserter diagnostischer Möglichkeiten werden bei der Darmspiegelung (Koloskopie) immer noch bis zu 20 Prozent der Tumorfrühformen übersehen. Ursache dafür sind vor allem kleine Polypen (unter fünf Millimetern Größe) und sogenannte flache Adenome, die rein videoendoskopisch nicht sichtbar sind, so Prof. Michael Jung, St. Hildegardis Krankenhaus, Mainz, auf einer von Olympus Optical Co. (Europa) GmbH veranstalteten Pressekonferenz im Rahmen der Medica 2001 in Düsseldorf. Gerade diese oft winzigen Adenome hätten, wenn sie nicht früh genug entfernt würden, die schlechteste Prognose für die betroffen Patienten. "Die Kombination endoskopischer Färbetechniken mit der Zoom-Endoskopie ermöglicht nun jedoch, selbst kleinste Veränderungen sichtbar zu machen und zu entfernen", so Jung weiter.

Durch eine digitale Verbesserung der Bildqualität und die bis zu 150fache Vergrößerung ermöglicht die Zoom-Endoskopie eine detailgenaue Betrachung des untersuchten Schleimhautareals, ähnlich wie mit einem Mikroskop. Dadurch können die zahlreichen im Darm vorhandenen und häufig ähnlichen Veränderungen schon während der Untersuchung "rein optisch" voneinander unterschieden werden. Jung wies darauf hin, dass durch Färbung und Zoom des endoskopischen Bildes bis 1 mm große Veränderungen exakt erfasst werden. Damit sei der entscheidende Schritt hin zur sogenannten optischen Biopsie gelungen.

Prof. Horst Neuhaus vom Evangelischen Krankenhaus in Düsseldorf fügte hinzu, dass dadurch die Zahl überflüssiger Gewebsproben reduziert werden könne. Neben mehr Sicherheit für den Patienten biete die Zoom-Endoskopie damit ein hohes Potential für Kosteneinsparungen.

Darmkrebs stellt in Deutschland die zweithäufigste Krebstodesursache dar. Jedes Jahr treten 52.000 Neuerkrankungen auf und etwa 30.000 Menschen versterben daran. Zur traurigen Bilanz, so Neuhaus weiter, kämen noch die damit verbundenen direkten und indirekten Kosten in Höhe von etwa 800 Millionen DM pro Jahr hinzu. Da bei rechtzeitiger Entdeckung eine Heilung dieser Tumorerkrankung in fast 100 Prozent möglich sei, bedeutet für Neuhaus der Einsatz neuer endoskopischer Techniken Darmkrebsprävention auf "höchstem Niveau". Dem Patienten bieten sie eine schonendere Behandlung, dem Arzt eine Verbesserung der Diagnostik und dem Gesundheitssystem die Möglichkeit Kosten einzusparen.

Neben Polypen als Ursache und Ausgangsform eines Tumors werden, ausgelöst durch japanische Erfahrungen, seit 1998 vermehrt Veränderungen im Niveau der Darmwand und der Schleimhaut des Darmes untersucht. Für diese Krebsvorstufen wurde der Begriff "flaches bzw. eingesunkenes Adenom" geprägt. Diese Adenome sind häufig nur wenige Millimeter groß und häufig ausschließlich an einer im Vergleich zur umgebenden Schleimhaut stärkeren Rötung zu erkennen. "Ihre geringe Größe darf jedoch nicht mit einem geringen Entartungspotenzial verwechselt werden" erklärte Prof. Jung. "Im Gegenteil: Diese Adenome neigen früher als die in Polypen entstehenden Tumore zur Metastasierung." Eine Streuung der Tumorzellen kann schon bei einem Durchmesser von zum Teil nur vier Millimeter beobachtet werden. Dies verdeutlicht den Wert einer effektiven Früherkennung und endoskopischen Therapie der Adenome.

Beide Experten waren sich einig, dass die Zoomendoskopie in Verbindung mit Färbetechniken (Chromoendoskopie) zu mehr Qualität in der Spiegelung des Dickdarms beitrage und mittelfristig zur quantitativen Verbesserung der Diagnostik des kolorektalen Karzinoms führen könne. In Anbetracht des medizinischen Nutzens und der potentiellen Einsparungen forderten sie die Kostenträger im Gesundheitswesen auf, die Koloskopie in Verbindung mit den neuen Techniken (Zoom- und Chromoendoskopie) in ihren Leistungskatalog aufzunehmen.

Thomas Pracht | ots

Weitere Berichte zu: Adenom Polyp Zoom-Endoskopie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Digitaler Zwilling für personalisierte Medizin - Schick den Avatar zum Arzt
12.07.2019 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht Umfangreiche genetische Studie klärt Transformation von Vorleukämie zur vollständigen Leukämie auf
12.07.2019 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Künstliche Intelligenz löst Rätsel der Physik der Kondensierten Materie: Was ist die perfekte Quantentheorie?

Für einige Phänomene der Quanten-Vielteilchenphysik gibt es mehrere Theorien. Doch welche Theorie beschreibt ein quantenphysikalisches Phänomen am besten? Ein Team von Forschern der Technischen Universität München (TUM) und der amerikanischen Harvard University nutzt nun erfolgreich künstliche neuronale Netzwerke für die Bildanalyse von Quantensystemen.

Hund oder Katze? Die Unterscheidung ist ein Paradebeispiel für maschinelles Lernen: Künstliche neuronale Netzwerke können darauf trainiert werden Bilder zu...

Im Focus: Artificial neural network resolves puzzles from condensed matter physics: Which is the perfect quantum theory?

For some phenomena in quantum many-body physics several competing theories exist. But which of them describes a quantum phenomenon best? A team of researchers from the Technical University of Munich (TUM) and Harvard University in the United States has now successfully deployed artificial neural networks for image analysis of quantum systems.

Is that a dog or a cat? Such a classification is a prime example of machine learning: artificial neural networks can be trained to analyze images by looking...

Im Focus: Was die Kraftwerke der Zelle in Form hält

Ein Team aus Deutschland und der Schweiz um Professor Oliver Daumke vom MDC hat untersucht, wie ein Protein der Dynamin-Familie die innere Membran der Mitochondrien verformt. Die Ergebnisse, die auch Einblicke in erbliche Erkrankungen des Sehnervs liefern, sind im Journal „Nature“ veröffentlicht.

Mitochondrien sind die Kraftwerke unserer Zellen. Hier wird Energie in Form chemischer Verbindungen wie ATP gewonnen. Um dieser Aufgabe optimal nachgehen zu...

Im Focus: Knobeln auf dem Quanten-Schachbrett

Physiker der Universität Innsbruck schlagen ein neues Modell vor, mit dem die Überlegenheit von Quantencomputern gegenüber klassischen Supercomputern bei der Lösung von Optimierungsaufgaben gezeigt werden könnte. Sie demonstrieren in einer aktuellen Arbeit, dass schon wenige Quantenteilchen genügen würden, um das mathematisch schwierige Damenproblem im Schach auch für größere Schachbretter zu lösen.

Das Damenproblem ist eine schachmathematische Aufgabe, die schon den großen Mathematiker Carl Friedrich Gauß beschäftigt hat, für die er aber erstaunlicher...

Im Focus: Ladungstransfer innerhalb von Übergangsmetall-Farbstoffen analysiert

In farbstoffbasierten Solarzellen sorgen Übergangsmetall-Komplexe dafür, dass Licht in elektrische Energie umgewandelt wird. Bisher ging man davon aus, dass innerhalb des Moleküls eine räumliche Ladungstrennung stattfindet. Dass dies eine zu simple Beschreibung des Prozesses ist, zeigt eine Analyse an BESSY II. Erstmals hat dort ein Team die fundamentalen elektronischen Prozesse rund um das Metallatom und seine Liganden untersucht. Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift „Angewandte Chemie, International Edition“ erschienen und stellt das Titelbild.

Organische Solarzellen wie die Grätzel-Zelle bestehen aus Farbstoffen, die auf Übergangsmetall-Komplex-Verbindungen basieren. Sonnenlicht regt die äußeren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hallo Herz! Wie kommuniziert welches Organ mit dem Herzen?

12.07.2019 | Veranstaltungen

Schwarze Löcher und unser Navi im Kopf: Wissenschaftsshow im Telekom Dome in Bonn

11.07.2019 | Veranstaltungen

8. Technologieforum Fahrerlose Transportsysteme und mobile Roboter des Fraunhofer IPA

09.07.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

„Künstliche Intelligenz“ eignet sich zur Überwachung von Vulkanen

15.07.2019 | Geowissenschaften

Schadstoff-Emissionen auf See verringern

15.07.2019 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Bayerisch-tschechisches Forschungsprojekt trägt zum Schutz der Bienen bei

15.07.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics