Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Virtuelle Autopsie: Wenn Radiologen Todesfälle aufklären

24.05.2006


Mehr als 800.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland. Bei ungeklärter Todesursache landet der Leichnam auf dem Seziertisch des Gerichtsmediziners. Doch das Skalpell könnte künftig immer weniger zum Einsatz kommen, wenn es gilt, Todesursachen aufzuklären. Mit der Computertomographie (CT) ist eine vollkommen unblutige Variante der Obduktion möglich. Die Methode hat sich vor allem bei der Suche nach Fremdkörpern und beim Aufspüren von Knochenbrüchen bewährt. Wo überall die CT die Arbeit des Gerichtsmediziners unterstützen kann, diskutieren Mediziner und Wissenschaftler derzeit auf dem Deutschen Röntgenkongress in Berlin.


Schussverletzungen können mit der Computertomographie optimal dokumentiert und rekonstruiert werden. © Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie Leipzig



Eine Autopsie ist eine aufwändige Angelegenheit: Der Rechtsmediziner öffnet den Körper des Toten und untersucht die einzelnen Organe. Mithilfe der Computertomographie machen sich nun auch Radiologen auf Spurensuche - ohne einen einzigen Schnitt zu setzen. Dabei ist die CT der klassischen Autopsie vor allem bei der Identifikation von Toten überlegen. Charakteristische Merkmale wie Prothesen und Implantate werden viel schneller entdeckt. Auch Gasansammlungen und Projektile können präziser lokalisiert werden. "Schussverletzungen können wir mit der CT optimal dokumentieren", berichtet Dr. Thomas Schulz von der Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Universität Leipzig. "Wir erkennen nicht nur die exakte Eintrittsstelle des Geschosses - mit einer 3D-Darstellung können wir auch genau rekonstruieren, aus welcher Richtung der Schuss abgefeuert wurde."



Der Möglichkeit, auf Basis von dreidimensionalen CT-Aufnahmen ein Tatgeschehen nachzuvollziehen, misst auch Prof. Dr. Angela Geissler große Bedeutung bei. Die Chefärztin der Radiologie und Nuklearmedizin am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart untersucht seit 2003 Verstorbene mit der CT. "Der große Vorteil der CT ist, dass sie den Körper des Toten in seinem ursprünglichen Zustand belässt. Die Schnitte des Rechtsmediziners sind endgültig: Sie verändern die Ausgangslage und können so Spuren verwischen", betont Prof. Geissler. Zudem ist eine CT schneller als eine Sektion. So könnte die "virtuellen Autopsie" künftig auch bei Katastrophenfällen, bei denen viele Opfer in kürzester Zeit identifiziert werden müssen, eine wichtige Rolle spielen.

Dass der Rechtsmediziner damit sein Skalpell beiseite legen kann, ist unwahrscheinlich. Dr. Schulz und Prof. Geissler belegen allerdings in ihren Studien, die derzeit auf dem Deutschen Röntgenkongress diskutiert werden, dass die Computertomographie künftig wohl nicht mehr aus der Rechtsmedizin wegzudenken ist. "Die CT kann im Vorfeld der Sektion viele offene Fragen klären - auf ihren Ergebnissen aufbauend, kann der Rechtsmediziner wesentlich effizienter arbeiten", betonen die Wissenschaftler.

Pressekontakt:
Katrin Thormeier & Silke Stark
ipse Communication
Tel.: 030 288846-14 bzw. -11
Fax: 030 288846-46
Mail: k.thormeier@ipse.de bzw. s.stark@ipse.de

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.ipse.de/RoeKo2006/index.php
http://www.roentgenkongress.de

Weitere Berichte zu: Autopsie Computertomographie Radiologe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics