Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spiegeltherapie hilft gegen Phantomschmerzen: RUB-Mediziner patentieren Trainingsgerät

02.05.2006


Optischer Impuls ruft im Gehirn Erinnerungen wach


Trainingsgerät für Hand-/Armamputierte


Trainingsgerät für Fuß-/Beinamputierte


RUB-Mediziner patentieren Trainingsgerät


Mit einem einfachen Trick überlisten Mediziner, Therapeuten und Patienten des RUB-Klinikums Bergmannsheil Phantomschmerzen: Durch einen geschickt platzierten Spiegel sieht es für den Patienten so aus, als sei die Spiegelung des gesunden das amputierte Körperglied. Dieser optische Eindruck ruft im Gehirn eine Erinnerung an den fehlenden Arm oder das Bein wach. Es hört auf, die nicht mehr vorhandenen Eingangssignale aus den Nerven der betroffenen Extremität durch Schmerz zu ersetzen. Die Methode funktioniert auch bei Schlaganfallpatienten, die unter Lähmungen oder Wahrnehmungsstörungen leiden. Prof. Dr. Christoph Maier (Abteilung für Schmerztherapie) und die Ergotherapeutin Susanne Glaudo (Rehazentrum Bergmannsheil) haben zwei Trainingsgeräte entwickelt, die das Üben vor dem Spiegel in der Klinik und zu Hause erleichtern.

Drei Viertel aller Amputierten haben Phantomschmerzen


Drei Viertel aller Amputierten leiden an Phantomschmerzen: Sie spüren im nicht mehr vorhandenen Arm oder Bein Missempfindungen bis hin zu starken Schmerzen. Grund dafür ist, dass es im Gehirn eine Art Abbild des ganzen Körpers gibt, in dem die Empfindungen aus den jeweiligen Körperteilen verarbeitet werden. "Wenn die Eingangssignale aus dem amputierten Arm oder Bein fehlen, ersetzen bestimmte Zentren im Gehirn diese fehlenden Informationen durch Schmerz", erläutert Susanne Glaudo. Bislang setzte man bei der Behandlung von Phantomschmerzen vorrangig auf Schmerzmedikamente, die aber oft versagen oder mit starken Nebenwirkungen verbunden sind.

Patienten spüren Berührungen am Phantom

Die Spiegeltherapie bietet nun eine Alternative. "Wenn sich der Patient so vor einem Spiegel platziert, dass für ihn die gesunde Extremität im Spiegel genau so aussieht wie die fehlende, ersetzt der Input über die Augen zum Teil die fehlenden Eingangssignale aus dem amputierten Arm oder Bein", erklärt Prof. Maier. "Der Schmerz als Ersatzinformation wird dadurch überflüssig." Der Effekt lässt sich verstärken, wenn der Patient mit der gesunden Hand, die er nur im Spiegel betrachtet, Geschicklichkeitsübungen macht oder die Hand bzw. das Bein im Spiegel ansieht, während Sinneseindrücke z.B. durch die Berührung mit einer Bürste oder einem Igelball hervorgerufen werden. Diese Empfindungen spüren Patienten nach einiger Übung sogar mehr oder weniger deutlich im Phantom. "Dieser Effekt kann für eine Weile den Schmerz lindern", sagt Susanne Glaudo. "Einer unserer Patienten ist z.B. nach einer halben Stunde Üben vor dem Spiegel für mehrere Stunden schmerzfrei."

Spiele im Spiegelbild verfolgen

Bis es soweit ist, müssen Patienten allerdings geduldig sein und regelmäßig üben. Je eher die Spiegeltherapie nach der Operation beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Um das Üben zu Hause zu vereinfachen, haben Prof. Maier und Susanne Glaudo zwei Trainingsgeräte entwickelt und zum Patent angemeldet, eines für arm- und eines für beinamputierte Patienten. Der Spiegel ist dabei geneigt angebracht, so dass es einfach ist, die richtige Position einzunehmen. Der Armspiegel ist an einer abwaschbaren Kunststoffplatte befestigt, die einfach auf den Tisch gelegt werden kann. Mit einem Handgriff lassen sich mitgelieferte Steckspiele darauf befestigen. Der größere Beinspiegel ist rollbar; auch er verfügt über eine waagerechte Platte, auf der z.B. Wannen Platz finden, in denen Sand, Erbsen oder ähnliches taktile Reize am Fuß ermöglichen.

Studie und Schulungen sind geplant

Phantomschmerzpatienten des Bergmannsheil bekommen das Trainingsgerät für sechs Monate leihweise mit nach Hause. Bislang hat Susanne Glaudo 15 Patienten mit der Methode behandelt; nur bei einem von ihnen zeigte sich keine Wirkung. Eine Studie zur Wirksamkeit der Spiegeltherapie bei Phantomschmerz ist geplant, ebenso Schulungen für Therapeuten. Neben Phantomschmerzen lassen sich mittels Spiegeltherapie auch Lähmungen und Wahrnehmungsstörungen behandeln, die durch Schlaganfälle oder Nervenschäden hervorgerufen wurden.

Bezug der Trainingsgeräte

Teltra Gesellschaft für telematische Traumatologie mbH, Ermlandstraße 29, 44789 Bochum, Nicole Steffen, Tel. 0234/587300-0, Fax 0234/587300-1, E-Mail: steffen@teltra.de

Weitere Informationen

Prof. Dr. Christoph Maier, Abteilung für Schmerztherapie, Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannsheil Bochum, Klinikum der Ruhr-Universität, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/302-6366, E-Mail: christoph.maier@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Berichte zu: Phantomschmerz Spiegeltherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät
14.12.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

nachricht Telomerverlängerung entscheidend für Krankheitsverlauf
07.12.2018 | Uniklinik Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Im Focus: An energy-efficient way to stay warm: Sew high-tech heating patches to your clothes

Personal patches could reduce energy waste in buildings, Rutgers-led study says

What if, instead of turning up the thermostat, you could warm up with high-tech, flexible patches sewn into your clothes - while significantly reducing your...

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

Show Time für digitale Medizin-Innovationen

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät

14.12.2018 | Medizin Gesundheit

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Cohesin treibt die Alterung von Blutstammzellen voran

14.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics