Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mode kann bleibende Schäden verursachen

27.03.2006


Rostocker Mediziner weisen auf möglichen Folgen von Piercings und Tattoos hin




Zungenpiercings bombardieren die Zähne, Tattoos legen sich aufs Gemüt: Nicht jede Mode geht spurlos am Menschen vorüber. Rostocker Mediziner weisen darauf hin, dass bestimmte Formen des Körperschmucks bleibende Schäden hinterlassen können. Insbesondere betrifft das die Piercings, die nicht nur die Haut und im Mundraum sondern auch Nerven und Zähne verletzen können. Zum anderen können Tätowierungen nicht nur unangenehme Erkrankungen der Haut hervorrufen, sondern auch der seelischen Gesundheit Abbruch tun. Dann nämlich, wenn Tattoos nicht mehr erwünscht sind. Immer mehr Menschen lassen sich daher an der Rostocker Hautklinik ihre Tätowierungen wieder entfernen.

... mehr zu:
»Poliklinik


"Gerade junge Menschen sollten genau überlegen, wie weit sie mit der Mode gehen wollen", sagt Professor Dr. Rosemarie Grabowski von der Klinik und Poliklinik für Zahn-, Mund-, und Kieferheilkunde am Universitätsklinikum Rostock. Gefährlich sind insbesondere Piercings im Mundbereich, etwa in Lippe oder Zunge. "Besonders bei Menschen mit Zungenpiercings ist zu beobachten, dass ihre Zunge immer in Aktion ist", so Frau Professor Grabowski. "Dadurch werden die Zähne geradezu mit dem Metallschmuckstück bombardiert. Die Folge sind feine Risse im Zahnschmelz, die nicht mehr repariert werden können." Auch das Zahnfleisch könne in Mitleidenschaft gezogen werden, weil es unter "mechanischen Angriffen" leidet. Gerade bei empfindlichen Sinnesorganen wie der Zunge besteht die Gefahr, dass durch das Einstechen von Löchern ganze Nervenbahnen lahm gelegt werden. Zudem bleiben die Löcher lebenslang erhalten und bilden potentielle Bakterienherde. Auch an anderen Körperstellen können durch Piercings Allergien, so genannte Modeschmuckallergien, ausgelöst werden. Deshalb sollte genau geprüft werden, welche Körperstellen für Piercings ausgewählt werden, sagt Professor Grabowski. "Gesicht und Mundinnenraum sind wohl am ungeeignetsten." Was das Material angeht: Edelmetalllegierungen seien zwar grundsätzlich gewebefreundlicher, allerdings enthalten diese auch immer eine Mischung unterschiedlicher Bestandteile, die selten bekannt sind.

Auch Tätowierungen können zu unangenehmen Hautreaktionen führen: Sie können Allergien auslösen oder Entzündungen, die letztlich auch Tumore verursachen können. Bedenklich sei auch die Beeinträchtigung der seelischen Gesundheit, sagt Professor Dr. Gerd Gross, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie am Universitätsklinikum Rostock. "Zu uns kommen immer mehr Menschen, die ihre Tätowierungen wieder entfernen lassen wollen", so Professor Gross. Insbesondere betrifft das Menschen, die an prägnanten und gut sichtbaren Körperstellen wie an Gesicht, Hals oder Händen tätowiert sind. "Diese Menschen fühlen sich ausgegrenzt und zum Beispiel bei der Jobsuche benachteiligt." Die ehemals heiß begehrte "Verschönerung" wird dann zur Last. In der Rostocker Hautklinik werden daher regelmäßig Tätowierungen mit einem modernen Laser entfernt. "Die Bilder können in der Regel bis zu 80 Prozent, oft aber auch vollständig entfernt werden. Meist sind mehrere Sitzungen notwendig, je nach Größe des Tattoos", sagt Professor Gross. Nicht entfernt werden können mehrfarbige Tattoos oder solche, die sehr tief in die Haut gebracht wurden. "Grundsätzlich ist von Tätowierungen abzuraten", sagt Professor Gross. "Aber wenn man sich schon tätowieren lassen will, dann sollte auf professionelles Gerät des Tätowierers geachtet werden und darauf, dass sich die Abbildungen auch wieder entfernen lassen. Und das heißt: Sie dürfen nicht zu tief in die Haut gebracht werden, sie sollten nicht mehrfarbig sein und keine Farbflächen enthalten."

Ansprechpartner
Frau Professor Dr. Rosemarie Grabowski
Klinik und Poliklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Universitätsklinikum Rostock
Strempelstraße 13
18057 Rostock
Tel. 0381/4946650

Professor Dr. Gerd Gross
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie
Universitätsklinikum Rostock
Augustenstraße 80
18055 Rostock
Tel. 0381/4949700

Dr.-Ing. Karl-Heinz Kutz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Poliklinik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Humane Papillomviren programmieren ihre Wirtszellen um und begünstigen so die Hautkrebsentstehung
12.12.2019 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Forscher untersuchen Rolle der Zellmembran bei der Entstehung chronischer Krankheiten
10.12.2019 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das feine Gesicht der Antarktis

Eine neue Karte zeigt die unter dem Eis verborgenen Geländeformen so genau wie nie zuvor. Das erlaubt bessere Prognosen über die Zukunft der Gletscher und den Anstieg des Meeresspiegels

Wenn der Klimawandel die Gletscher der Antarktis immer rascher Richtung Meer fließen lässt, ist das keine gute Nachricht. Denn dadurch verlieren die gefrorenen...

Im Focus: Virenvermehrung in 3D

Vaccinia-Viren dienen als Impfstoff gegen menschliche Pockenerkrankungen und als Basis neuer Krebstherapien. Zwei Studien liefern jetzt faszinierende Einblicke in deren ungewöhnliche Vermehrungsstrategie auf atomarer Ebene.

Damit Viren sich vermehren können, benötigen sie in der Regel die Unterstützung der von ihnen befallenen Zellen. Nur in deren Zellkern finden sie die...

Im Focus: Virus multiplication in 3D

Vaccinia viruses serve as a vaccine against human smallpox and as the basis of new cancer therapies. Two studies now provide fascinating insights into their unusual propagation strategy at the atomic level.

For viruses to multiply, they usually need the support of the cells they infect. In many cases, only in their host’s nucleus can they find the machines,...

Im Focus: Cheers! Maxwell's electromagnetism extended to smaller scales

More than one hundred and fifty years have passed since the publication of James Clerk Maxwell's "A Dynamical Theory of the Electromagnetic Field" (1865). What would our lives be without this publication?

It is difficult to imagine, as this treatise revolutionized our fundamental understanding of electric fields, magnetic fields, and light. The twenty original...

Im Focus: Hochgeladenes Ion bahnt den Weg zu neuer Physik

In einer experimentell-theoretischen Gemeinschaftsarbeit hat am Heidelberger MPI für Kernphysik ein internationales Physiker-Team erstmals eine Orbitalkreuzung im hochgeladenen Ion Pr9+ nachgewiesen. Mittels einer Elektronenstrahl-Ionenfalle haben sie optische Spektren aufgenommen und anhand von Atomstrukturrechnungen analysiert. Ein hierfür erwarteter Übergang von nHz-Breite wurde identifiziert und seine Energie mit hoher Präzision bestimmt. Die Theorie sagt für diese „Uhrenlinie“ eine sehr große Empfindlichkeit auf neue Physik und zugleich eine extrem geringe Anfälligkeit gegenüber externen Störungen voraus, was sie zu einem einzigartigen Kandidaten zukünftiger Präzisionsstudien macht.

Laserspektroskopie neutraler Atome und einfach geladener Ionen hat während der vergangenen Jahrzehnte Dank einer Serie technologischer Fortschritte eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Titin in Echtzeit verfolgen

13.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

LogiMAT 2020: Automatisierungslösungen für die Logistik

13.12.2019 | Messenachrichten

Das feine Gesicht der Antarktis

13.12.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics