Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher wollen bessere Frühdiagnostik für Herzpatienten

30.10.2001


Diese Bilder vom Herzen eines gesunden Menschen wurden mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) gewonnen. Links ein mit der herkömmlichen Protonen-MRT erzeugtes Bild, rechts das zugehörige Natrium-MRT-Bild. Aufnahmen: Renate Jerecic


Mit der Magnetresonanztomographie (MRT) lassen sich Bilder und andere Informationen aus dem Inneren des Körpers gewinnen. Wissenschaftler aus Würzburg und Heidelberg arbeiten jetzt daran, diese Methode für neue Zwecke nutzbar zu machen - zum Wohle der Herzpatienten.

Aufgrund der rasanten technischen Entwicklung haben sich für die klinische Anwendung der MRT in der Herzdiagnostik viele neue Möglichkeiten ergeben: "Bereits heute stehen MRT-Untersuchungstechniken zur Verfügung, die Echtzeit-Daten über das menschliche Herz liefern", wie Dr. Christian Wacker von der Medizinischen Klinik der Universität Würzburg sagt. Damit meint der Wissenschaftler, dass die Messdaten zeitgleich mit der Untersuchung zur Verfügung stehen.

Neben Informationen, die sich ausschließlich auf den Bau und die Struktur des Herzens beziehen, gewinnen bei der MRT laut Dr. Wacker zunehmend auch dynamische und funktionelle Untersuchungen an Bedeutung. Dazu gehören zum Beispiel die Messung der Durchblutung sowie die Erfassung von Teilaspekten des Stoffwechsels.

Bei der Magnetresonanztomographie wird der Patient nicht durch Röntgenstrahlen oder spezielle Röntgenkontrastmittel belastet. Die Methode beruht darauf, dass die Atomkerne des Körpers in einem Magnetfeld durch Radiowellen angeregt werden. Diese Anregung klingt wieder ab und dabei geben die unterschiedlichen Atomkerne jeweils unterschiedliche, messbare Signale von sich. Bislang war es üblich, die Signale der Protonen zu messen. Doch durch die verbesserten technischen Möglichkeiten werden nun auch andere Atomkerne für die MRT-Bildgebung zugänglich.

Vor diesem Hintergrund arbeitet Dr. Wacker in Kooperation mit Prof. Dr. Lothar Schad von der Abteilung Biophysik und Medizinische Strahlenphysik am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg an der Entwicklung von schnellen MRT-Verfahren, mit denen sich das Natrium-Signal im Herzmuskel des Menschen erfassen lässt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt.

Die Natrium-MRT soll zuerst bei Probanden und danach bei Patienten mit vermuteter oder bereits bestehender Erkrankung der Herzkranzgefäße angewendet werden. Ihre diagnostische Aussagekraft soll dann mit etablierten Untersuchungsverfahren wie zum Beispiel der Stressechokardiographie und mit nuklearmedizinischen Methoden verglichen werden.

In den Zellwänden der Muskelzellen befinden sich so genannte Natrium-Kalium-Pumpen, die für ein Gleichgewicht der Natrium- und Kaliumionen inner- und außerhalb der Zellen sorgen. In minderdurchblutetem Herzmuskelgewebe, zum Beispiel bei einer Herzkranzgefäßverengung oder einem Herzinfarkt, kommt es zu Störungen dieser Pumpe und damit zu einer Verschiebung der Ionenkonzentrationen.

Wenn die Unterscheidung von intra- und extrazellulärem Natrium mit der Natrium-MRT gelingt, dann könnte man die Änderungen der Natrium-Konzentrationen beobachten, wie sie in einem mangelhaft durchbluteten Herzmuskel innerhalb von nur wenigen Minuten auftreten. Davon würden die Herzpatienten profitieren, denn es ließe sich eine nichtinvasive Frühdiagnostik durchführen, die laut Dr. Wacker schneller ist als die bisherigen Labortests. Entsprechend zügig könnte die Therapie eingeleitet werden.

Weitere Informationen: Dr. Christian Wacker, T (0931) 201-, Fax (0931) 201-2291, E-Mail: 
c.wacker@medizin.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Atomkern Herzmuskel Herzpatient MRT

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Prüfmethode für die Trinkwassertechnik
21.02.2020 | Technische Hochschule Mittelhessen

nachricht Zwei Fliegen mit einer Klappe: Entzündung gehemmt, Knochenheilung gefördert
20.02.2020 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultraschnelles Schalten eines optischen Bits: Gewinn für die Informationsverarbeitung

Wissenschaftler der Universität Paderborn und der TU Dortmund veröffentlichen Ergebnisse in Nature Communications

Computer speichern Informationen in Form eines Binärcodes, einer Reihe aus Einsen und Nullen – sogenannten Bits. In der Praxis werden dafür komplexe...

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Im Focus: Einblicke in die Rolle von Materialdefekten bei der spin-abhängigen Petahertzelektronik

Die Betriebsgeschwindigkeit von Halbleitern in elektronischen und optoelektronischen Geräten ist auf mehrere Gigahertz (eine Milliarde Oszillationen pro Sekunde) beschränkt. Die Rechengeschwindigkeit von modernen Computern trifft dadurch auf eine Grenze. Forscher am MPSD und dem Indian Institute of Technology in Bombay (IIT) haben nun untersucht, wie diese Grenze mithilfe von Lichtwellen und Festkörperstrukturen mit Defekten erhöht werden könnte, um noch größere Rechenleistungen zu erreichen.

Lichtwellen schwingen mehrere hundert Trillionen Mal pro Sekunde und haben das Potential, die Bewegung von Elektronen zu steuern. Im Gegensatz zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Globale Datenbank für Karstquellenabflüsse

21.02.2020 | Geowissenschaften

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Langlebige Fachwerkbrücken aus Stahl einfacher bemessen

21.02.2020 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics