Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vogelgrippe - Weder Badesaison noch WM in Gefahr

27.02.2006


Der Direktor des Friedrich-Loeffler-Institutes für Medizinische Mikrobiologie an der Universität Greifswald, Prof. Lutz Gürtler (Foto), warnte davor, das Medikament Tamiflu oder ähnliche Arzneimittel gegen die Vogelgrippe vorbeugend einzunehmen. "Das ist absolut überflüssig und ohne Nutzeffekt. Zu befürchten ist allerdings, dass die massenhafte Einnahme von Tamiflu Resistenzen erzeugen kann. Im Ernstfall würde das bedeuten, dass die wenigen Präparate gegen die Vogelgrippe (Aviäre Influenza) unwirksam werden." Der Virologe, der auch am Influenza-Pandemie-Plan der Landesregierung mitgewirkt hat, reagierte damit auf die rasant steigende Nachfrage nach Tamiflu in der Region Greifswald im Zuge der aufgefunden infizierten Wildvögel auf Rügen, in Ostvorpommern und Nordvorpommern.



"Es besteht aus mehreren Gründen kein Anlass zur Aufregung und Panik", versicherte der Wissenschaftler, der davon ausgeht, dass sich die Vogelgrippe in ganz Deutschland und Europa ausweiten wird. Hochinfektiöse Influenzaviren und neue Stämme in der Vogelpopulation gehören seit Jahrzehnten zum Alltag. Das vereinzelte Auffinden von toten Vögeln mit H5N1-Virus stellt keine Gefahr für den Menschen dar. "Da die normale Grippewelle in diesem Winter ausgeblieben ist, entspannt sich die Lage zusätzlich", betonte Gürtler. Bei der momentanen Reizüberflutung zur Problematik der Vogelgrippe, die wohl nur mit der zunehmenden Sensibilisierung für Verbraucherthemen durch die Medien zu erklären ist, würde wahrscheinlich bei einem Großteil der Patienten mit menschlicher Influenza unnötige Verunsicherung aufkommen."

... mehr zu:
»H5N1-Virus »Tamiflu »Vogelgrippe


Modernstes Seuchenmanagement und ein weltweit perfektes Informationssystem würden die unkontrollierte Ausbreitung der Geflügelpest heute verhindern, wenn der eher theoretische Fall der Mutation des Virus und eine Ansteckung von Mensch zu Mensch eintreten würden. Nach der bisherigen Entwicklung des seit 1992 in Südostasien erstmalig aufgetretenen H5N1-Virus zu urteilen, ist eine Mutation wenig realistisch. Durch das Vermeiden von Kontakten, die Schließung von Kitas und Schulen, die Einschränkung von öffentlichen Veranstaltungen und Reisebewegungen könnte der Ausbreitung dennoch sehr schnell Einhalt geboten werden. In dieser konkreten Situation, die extrem unwahrscheinlich ist, kämen dann auch derzeit gängige Medikamente wie Tamiflu zum Einsatz.

Der Greifswalder Mikrobiologe sieht weder die Fußball-WM noch die Badesaison an der Ostseeküste gefährdet. Auch im Idealfall und unter Vernachlässigung des Verdünnungseffektes hält sich das H5N1-Virus maximal 100 Tage im Wasser. "Letztendlich wird auch das aggressive H5N1-Virus ausgemerzt werden, da die Individuen nach drei bis vier Monaten immunisiert sind. So wie eine menschliche Grippewelle oder jede andere saisonale Epidemie abflacht, wird auch die Vogelgrippe verschwinden. Wir werden künftig mit H5N1 ganz normal leben müssen, ähnlich wie mit diversen anderen geflügelgebunden Influenzaviren oder auch punktuell mit BSE, Scrapie, der Maul- und Klauenseuche und Schweinepest."

Friedrich-Loeffler-Institut für Medizinische Mikrobiologie
Direktor: Prof. Dr. Lutz Gürtler
Martin-Luther-Straße 6, 17487 Greifswald
T +49 3834 86-5560
F +49 3834 86-5561
M +49 173-203 66 27
E guertler@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-greifswald.de

Weitere Berichte zu: H5N1-Virus Tamiflu Vogelgrippe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bekannte Arzneimittel – neue Wirkung im Kampf gegen Infektionen?
06.06.2019 | Paul-Ehrlich-Institut - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel

nachricht Erste zugelassene Gentherapie in der Augenheilkunde am Klinikum der LMU München durchgeführt
05.06.2019 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: MPSD-Team entdeckt lichtinduzierte Ferroelektrizität in Strontiumtitanat

Mit Licht lassen sich Materialeigenschaften nicht nur messen, sondern auch verändern. Besonders interessant sind dabei Fälle, in denen eine fundamentale Eigenschaft eines Materials verändert werden kann, wie z.B. die Fähigkeit, Strom zu leiten oder Informationen in einem magnetischen Zustand zu speichern. Ein Team um Andrea Cavalleri vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie in Hamburg, hat nun Lichtimpulse aus dem Terahertz-Frequenzspektrum benutzt, um ein nicht-ferroelektrisches Material in ein ferroelektrisches umzuwandeln.

Ferroelektrizität ist ein Zustand, in dem die Atome im Kristallgitter eine bestimmte Richtung "aufzeigen" und dadurch eine makroskopische elektrische...

Im Focus: MPSD team discovers light-induced ferroelectricity in strontium titanate

Light can be used not only to measure materials’ properties, but also to change them. Especially interesting are those cases in which the function of a material can be modified, such as its ability to conduct electricity or to store information in its magnetic state. A team led by Andrea Cavalleri from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg used terahertz frequency light pulses to transform a non-ferroelectric material into a ferroelectric one.

Ferroelectricity is a state in which the constituent lattice “looks” in one specific direction, forming a macroscopic electrical polarisation. The ability to...

Im Focus: Konzert der magnetischen Momente

Forscher aus Deutschland, den Niederlanden und Südkorea haben in einer internationalen Zusammenarbeit einen neuartigen Weg entdeckt, wie die Elektronenspins in einem Material miteinander agieren. In ihrer Publikation in der Fachzeitschrift Nature Materials berichten die Forscher über eine bisher unbekannte, chirale Kopplung, die über vergleichsweise lange Distanzen aktiv ist. Damit können sich die Spins in zwei unterschiedlichen magnetischen Lagen, die durch nicht-magnetische Materialien voneinander getrennt sind, gegenseitig beeinflussen, selbst wenn sie nicht unmittelbar benachbart sind.

Magnetische Festkörper sind die Grundlage der modernen Informationstechnologie. Beispielsweise sind diese Materialien allgegenwärtig in Speichermedien wie...

Im Focus: Schwerefeldbestimmung der Erde so genau wie noch nie

Forschende der TU Graz berechneten aus 1,16 Milliarden Satellitendaten das bislang genaueste Schwerefeldmodell der Erde. Es liefert wertvolles Wissen für die Klimaforschung.

Die Erdanziehungskraft schwankt von Ort zu Ort. Dieses Phänomen nutzen Geodäsie-Fachleute, um geodynamische und klimatologische Prozesse zu beobachten....

Im Focus: Determining the Earth’s gravity field more accurately than ever before

Researchers at TU Graz calculate the most accurate gravity field determination of the Earth using 1.16 billion satellite measurements. This yields valuable knowledge for climate research.

The Earth’s gravity fluctuates from place to place. Geodesists use this phenomenon to observe geodynamic and climatological processes. Using...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Doc Data – warum Daten Leben retten können

14.06.2019 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - August 2019

13.06.2019 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz in der Materialmikroskopie

13.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

German Innovation Award für Rittal VX25 Schaltschranksystem

14.06.2019 | Förderungen Preise

Fraunhofer SCAI und Uni Bonn zeigen innovative Anwendungen und Software für das High Performance Computing

14.06.2019 | Messenachrichten

Autonomes Premiumtaxi sofort oder warten auf den selbstfahrenden Minibus?

14.06.2019 | Interdisziplinäre Forschung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics