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Internetsucht kann psychische Störungen auslösen

21.02.2006


MHH Wissenschaftler stellt ungewöhnlichen Fall von Multipler Persönlichkeit im Zusammenhang mit exzessivem Internet-Rollenspiel vor



Fernsehen, Computer, Videospiele oder Internet - immer mehr Menschen nutzen immer länger und intensiver die elektronischen Medien. Im Rahmen einer Studie untersucht Dr. Bert te Wildt, Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Menschen, die sich suchtartig immer tiefer in virtuelle Welten verstricken, während sie mit ihrem realen Leben nicht mehr zurechtkommen und psychisch erkranken.

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Vor Abschluss und Veröffentlichung seiner Studie berichtet der Psychiater und Psychotherapeut in der aktuellen Februarausgabe der Zeitschrift "Der Nervenarzt" erstmals von dem Fall einer Patientin, die im Zusammenhang mit jahrelangem exzessiven Internet-Rollenspiel eine multiple Persönlichkeitsstörung entwickelte. In dem Artikel "Identität und Dissoziation im Cyberspace. Kasuistik einer dissoziativen Identitätsstörung im Zusammenhang mit einem Internet-Rollenspiel" illustriert Dr. te Wildt auf dem Hintergrund eines Einzelfalls, welche Auswirkungen der exzessive Medienkonsum auf die Psyche des Menschen haben kann: "Die Patientin hatte über drei Jahre täglich bis zu zwölf Stunden in einem Internet-Rollenspiel verbracht und dabei verschiedene Charaktere angenommen. Dabei übernahmen die gespielten Rollen mehr und mehr Besitz von ihrem eigenen, vernachlässigten Leben, sie verlor den Überblick über ihre eigene Identität und ihre soziale Existenz." In einer dreimonatigen stationären Psychotherapie wurde eine multiple Persönlichkeitsstörung diagnostiziert und erfolgreich behandelt. Auch wenn das ausufernde Internetspiel bei der Patientin nicht die einzige Ursache für die Identitätsstörung war, so löste es sie aber offensichtlich aus und verfestigte das Krankheitsbild.

Laut Dr. te Wildt ermöglicht das Cyberspace auf der einen Seite, die Grenzen der eigenen Identität zu erforschen, birgt aber auf der anderen Seite die Gefahr, dass sich die eigene Identität auflöst oder zersplittert. Andere psychische Störungen im Zusammenhang mit Medienabhängigkeit sind insbesondere Depressionen und Angsterkrankungen. Um Menschen mit dieser Problematik Hilfe anzubieten und zu untersuchen, werden noch Probanden für die laufende Studie von Dr. te Wildt gesucht.

Weitere Informationen und Bedingungen für interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer gibt Ihnen gern Dr. Bert te Wildt, Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie, Telefon (0511) 532-3179 oder -6629, E-Mail tewildt.bert@mh-hannover.de oder im Internet www.medien-psyche.de

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

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