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Nicht jede Stotterei ist gleich Grund zur Sorge

16.02.2006


Bleibt ein Kind oftmals mitten im Satz stecken und wiederholt einzelne Laute oder Silben, ist es deswegen nicht gleich ein Stotterer. Viele Wiederholungen, Pausen oder Füllwörter sind daher nicht unbedingt Grund zur Panik. Professor Dr. Goetz Schade, der die Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie des Universitätsklinikums Bonn leitet, warnt Eltern vor falschen Reaktionen.

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In Deutschland stottern etwa fünf Prozent aller Kinder. Bei weit über der Hälfte der Betroffenen bildet sich das Stottern bis zur Pubertät spontan zurück. "Eltern sollten nicht überreagieren, wenn ihre Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren beim Sprechen ins Stocken geraten", erklärt Professor Schade, Experte für Stimm-, Sprach-, Sprech-, Schluck- und kindliche Hörstörungen. Denn falsche Reaktionen der Umwelt können letztendlich zu einer Verschärfung der Situation führen. Bleibt ein Kind häufig mitten im Satz stecken - "Und dann...dann...dann..." - so spricht der Experte von einer "funktionellen Unflüssigkeit". Diese tritt bei sehr vielen Kindern im Rahmen der normalen sprachlichen Entwicklung auf, dauert bis zu sechs Monaten und bedeutet nicht gleich, dass ein Kind stottert. Der entscheidende Unterschied zum "echten" Stottern besteht unter anderem in der mit dem Sprechen verbundenen Begleitsymptomatik. Denn Stotterer reagieren auf ihre Redeflussstörung häufig mit Ankämpf- und Vermeidungsverhalten. Als Ausdruck der Anstrengung, die sie beim Herausbringen von Wörtern empfinden, wird ihre Sprache beispielsweise durch Grimassen oder Kopf- und Armbewegungen begeleitet. Darüber hinaus vermeiden Stotterer generell Situationen, in denen sie sprechen müssen.

Eltern, deren Sprössling beim Erzählen oft ins Stocken gerät und lange Sprechpausen macht, sollten diesen nicht durch unangebrachte Reaktionen - wie etwa Ermahnungen zum langsamen Sprechen - unter Druck setzten. Die an sich sprechfreudigen Kinder werden dadurch erst auf ihr Problem aufmerksam gemacht. Sie entwickeln dann in Folge des erzeugten Störungsbewusstseins immer mehr Angst vor dem Sprechen. Deshalb warnt Professor Schade vor Panikreaktionen: "Eltern sollten ihre Sprösslinge in Ruhe aussprechen lassen und keinen Druck erzeugen. Es ist wichtig, dass die Kinder nicht das Gefühl bekommen, ein Problem zu haben."


Wenn ein Kind nicht mehr gerne spricht und Redeunflüssigkeiten, die von Vermeide- oder Ankämpfreaktionen begleitet werden, charakteristisch für die Sprache des Kindes sind, sollten die Eltern unbedingt Hilfe suchen. In der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie der Bonner Universitäts-Hals-Nasen-Ohren-Klinik entscheidet Professor Schade gemeinsam mit der Logopädin Hanna Engelmann über eine möglicherweise einzuleitende Therapie. "Auch Eltern, die sich unsicher sind, ob es sich bei den Sprachproblemen ihres Kindes um beginnende Stottersymptomatik handelt, können natürlich gerne zu uns kommen", betont Professor Schade.

Mit Hilfe einer entsprechenden Therapie lernen betroffene Kinder auf spielerische Weise mit dem Stottern in einer konkreten Situation besser umzugehen. Wichtig dafür ist ein offener Umgang mit dem Stottern und der dadurch entstandenen negativen Gefühlssituation. Denn gerade Angst und Scham führen Stotterer häufig in einen Teufelskreis. Diesen zu durchbrechen ist das Ziel einer Therapie. "Betroffene Kinder sollen lernen, angstfrei mit den Redeunflüssigkeiten umzugehen. Gute Erfahrungen in der Therapie, entspannte Eltern, immer weniger Angst und mehr Selbstvertrauen führen dann zu flüssigerem Sprechen", so Logopädin Engelmann.

Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Götz Schade
Leiter der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie
Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Universitätsklinikums Bonn
Tel: 0228/287-1280
E-Mail: Goetz.Schade@ukb.uni-bonn.de

Hanna Engelmann (Logopädin)
Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie
Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Universitätsklinikums Bonn
E-Mail: Hanna.Engelmann@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

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