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Rezeptoren verantwortlich für MS-Krankheitsschub

10.02.2006


Neuer Ansatzpunkt für alternative Behandlungsmethode


Bei MS greifen Abwehrzellen die schützende Myelinscheide um Nervenzellen an



Göttinger Wissenschaftler haben in experimentellen Untersuchungen an Mäusen herausgefunden, dass spezielle hirneigene Rezeptoren vermutlich für die Auslösung von Krankheitsschüben bei Multipler Sklerose (MS) verantwortlich sind. Ihre Resultate haben sie jetzt in der amerikanischen Fachzeitschrift Journal of Clinical Investigation veröffentlicht. Dieses Wissen könnte einen neuen Ansatzpunkt für die Behandlung von MS-Patienten bieten. In Deutschland leiden etwa 120.000 Menschen an dieser Autoimmun-Erkrankung.



Toll-like-Rezeptoren (TLRs), die sich auf vielen Körperzellen befinden, erkennen Bakterien und Viren. Bereits bekannt war, dass sie eine große Rolle spielen, wenn durch eine Ansteckung mit Bakterien oder Viren neue Krankheitsschübe bei MS-Patienten hervorgerufen werden. Dabei nahm man an, dass TLRs die Eindringlinge erkennen, woraufhin weiße Blutkörperchen verstärkt in das Gehirn einwandern und dort eine heftige Entzündungsreaktion auslösen. Jetzt hat das Forschungsteam um Marco Prinz von der Neuropathologie der Universität Göttingen festgestellt, dass die Spezialrezeptoren im Gehirn auch einen MS-Schub induzieren, wenn keine Ansteckung vorliegt.

"Das überraschende an unseren Ergebnissen war, dass Mäuse, die keine TLRs im Gehirn besitzen, deutlich weniger erkrankten und einen besseren Heilungsverlauf zeigten", sagt Marco Prinz im pressetext-Interview. Unklar ist noch, welche Substanz anstelle von Bakterien oder Viren während der MS von den hirneigenen TLRs erkannt wird. "Wir vermuten, dass körpereigene Moleküle durch die Entzündung so verändert werden, dass sie zu alternativen Bindungspartern für TLRs werden", erklärt Prinz. Um eine neue Behandlungsstrategie zu entwickeln, die auf diese Rezeptoren zielt, wäre als nächster Schritt zu untersuchen, wie MS-Patienten mit TLRs ausgestattet sind, so der Mediziner mit einem Blick in die Zukunft.

Multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Dabei greifen die körpereigenen Abwehrzellen die schützenden Myelinscheiden um Nervenzellen an, was zu Nervenschädigungen führt. Daraus resultieren typische Symptome wie Kribbeln, Lähmungen und Sehstörungen. Vor allem Menschen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr erkranken daran, wobei Frauen doppelt so häufig wie Männer davon betroffen sind. Diese Tatsache könnte darauf beruhen, dass bei Männern mehr Myelin vorhanden ist (pte berichtete: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=060201010 ). Die Ursache von MS ist noch immer ungeklärt.

Lisa Hartmann | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.jci.org
http://www.uni-goettingen.de

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