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Antibakterielle Beschichtungen in Kühlschränken sind kein Ersatz für die regelmäßige Reinigung

02.02.2006


BfR sieht keinen Nutzen in der Beschichtung mit Silberverbindungen



Lebensmittel werden im Kühlschrank aufbewahrt, damit sie länger "frisch" bleiben. Das gelingt, weil viele Bakterien und Schimmelpilze bei Temperaturen unter 7° C langsamer wachsen. Das hindert sie aber nicht daran, sich zu vermehren und gilt auch nicht für alle Keime. Manche Mikroorganismen, sogenannte Psychrophile, wachsen bei Kühlschranktemperaturen sogar besonders gut. Kühlschränke müssen deshalb regelmäßig gereinigt werden. "Daran ändert auch die antibakterielle Beschichtung nichts, mit der immer mehr Produkte angeboten werden", sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung und widerspricht damit den Anbietern, die mit einer Reduktion der Keimbelastung argumentieren. Das BfR hat die hygienische Wirkung und den Nutzen derartiger Beschichtungen für den Verbraucher bewertet. Das Ergebnis: Die Oberflächenbeschichtung mit Silberverbindungen bietet keinen zusätzlichen Vorteil beim Schutz vor Keimen. Sie kann weder die Reinigung der Geräte noch die Beachtung allgemeiner hygienischer Regeln beim Umgang mit Lebensmitteln ersetzen. Auch Kühlschränke mit antibakterieller Innenraumbeschichtung sollten deshalb regelmäßig mit Wasser und herkömmlichen Reinigungsmitteln gereinigt werden.

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Für die antimikrobielle Ausrüstung der Kühlschränke werden nach Kenntnis des Instituts in erster Linie Silberverbindungen eingesetzt. Deren Wirkung beruht auf der Freisetzung von Silberionen. Ob deren Konzentration in der Innenverkleidung von Kühlschränken für eine effektive desinfizierende Wirkung ausreicht, stellt nicht nur das BfR in Frage. Auch für die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist der positive Einfluss auf die Lebensmittelsicherheit unter Praxisbedingungen bislang nicht belegt.

Neben der Frage nach der Wirksamkeit stellt sich die Frage nach der Unbedenklichkeit der antibakteriellen Ausrüstung: Aus der Beschichtung könnten mehr Silberionen auf die im Kühlschrank aufbewahrten Lebensmittel übergehen, als aus Sicht des gesundheitlichen Verbraucherschutzes wünschenswert wäre. Um dies zu verhindern hat die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit vorgeschlagen, den Übergang von Silber auf Lebensmittel auf 0,05 Milligramm pro Kilogramm zu begrenzen.

Das Fazit des BfR: Negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Verbraucher sind von der antibakteriellen Beschichtung von Kühlschränken nicht zu erwarten, wenn dieser Wert eingehalten ist. Positive Auswirkungen sind derzeit wissenschaftlich nicht belegt.

Das BfR hält - über die Beschichtung von Kühlschränken hinaus -, den Einsatz von antibakteriell wirkenden Mitteln im Haushalt grundsätzlich für überflüssig, zumal sie den Verbraucher leicht in einer falschen Sicherheit wiegen können. Die Verbesserung des persönlichen Hygieneverhaltens und des hygienischen Umgangs mit Lebensmitteln hat bei der Vermeidung von Lebensmittelinfektionen einen weitaus größeren Nutzen. Herkömmliche Reinigungsverfahren mit Wasser - falls nötig auch mit Fett oder Eiweiß lösenden Mitteln - reichen aus, um Verschmutzungen auf ein gesundheitlich unbedenkliches Maß zu reduzieren.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Homepage des Institutes http://www.bfr.bund.de unter dem Menupunkt Lebensmittel/Lebensmittelsicherheit, Mikrobielle Risiken.

Dr. Irene Lukassowitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de
http://www.bfr.bund.de/cm/208/antimikrobielle_innenraumbeschichtung_bei_kuehlschraenken_ist_ueberfluessig.pdf

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