Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kupfer - eine neue Chance zur Behandlung von Alzheimer

02.02.2006


  • Weltweit erste Kupfer-Therapiestudie bei Patienten mit Alzheimer-Demenz zeigt positive Zwischenergebnisse
  • Noch weitere 10 Alzheimer-Patienten können in die Homburger Studie aufgenommen werden und von einer qualitativ hochwertigen Behandlung profitieren

Aufgrund der viel versprechenden Ergebnisse der biochemischen Forschung und der tierexperimentellen Beobachtungen hat man sich in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums des Saarlandes (Direktor: Prof. Dr. Peter Falkai) dazu entschlossen, erstmals eine klinische Studie für Alzheimer-Patienten durchzuführen. Die Studie wird von Prof. Dr. Thomas Bayer, wissenschaftlicher Leiter, und Privatdozent Dr. Frank-Gerald Pajonk, Leiter der Klinischen Prüfung und Geschäftsführender Oberarzt der Klinik, betreut.


Mit dieser Studie wollen die Mediziner klären, ob durch die Einnahme von Kupfer als Nahrungsergänzungsmittel bei Patienten mit beginnender Alzheimer-Erkrankung das Fortschreiten der Demenz aufgehalten werden kann. "Die Vermutung liegt bereits jetzt sehr nahe, dass dies der Fall ist, doch den endgültigen Beweis kann nur eine abgeschlossene klinische Studie erbringen", erläutert Privatdozent Dr. Frank-Gerald Pajonk.

Die Klinik für Psychiatrie und Psychiatrie des UKS in Homburg sucht nun noch etwa weitere 10 Alzheimer-Patienten, die sich im Rahmen der Kupfer-Studie behandeln lassen möchten. Infos unter Tel. (06841) 16- 24240.


Drei Monate, nachdem der letzte Patient die Studie begonnen hat, kann ausgewertet werden. Daher wird in etwa einem halben Jahr mit exakten wissenschaftlichen Erkenntnissen gerechnet, was Kupfer bei Alzheimer bewirkt.

Insgesamt nahmen bisher 61 Patienten mit beginnender Alzheimer-Demenz an der Homburger Studie teil. Nur 7 Patienten mussten ihre Teilnahme an der Studie vorzeitig abbrechen, zum Beispiel aufgrund von anderen Erkrankungen oder Unfällen. Von den verbleibenden Patienten haben 28 bereits die Doppelblindphase abgeschlossen. 26 von ihnen erhalten auf eigenen Wunsch weiterhin eine ärztlich kontrollierte Behandlung mit Kupfer.

Die bisherigen Beobachtungen im Rahmen der weltweit ersten Kupfer-Therapiestudie gegen Alzheimer beurteilen die Mediziner durchweg positiv: "Die Daten, die wir mit dem Kupfer bisher gesammelt haben sind sehr überzeugend", sagt Prof. Dr. Thomas Bayer. "Sollte sich bestätigen, dass Kupfer das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit verlangsamen kann, könnte bald ein sehr gut verträgliches und auch sehr kostengünstiges Mittel für die Therapie der Alzheimer-Demenz zur Verfügung stehen", ergänzt Privatdozent Dr. Frank-Gerald Pajonk.

Die Studie: Kupfer plus Standardmedikament

Die Studie startete vor eineinhalb Jahren und dauert derzeit noch an. Dabei handelt es sich um eine so genannte doppelblinde, plazebokontrollierte Studie. Das heißt, dass ein Teil der Patienten ein Plazebo einnimmt, also ein unwirksames Medikament, und die übrigen Patienten erhalten 8mg Kupferorotat, ein Salz des Kupfers. Weder die Ärzte noch die Patienten wissen, wer Kupfer und wer Plazebo einnimmt. Zusätzlich erhalten alle Patienten eine Standardbehandlung gegen Alzheimer-Demenz mit einem Acetylcholinesterasehemmer. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass die Patienten während des Studienzeitraums auf jeden Fall eine wirksame Behandlung erhalten, auch wenn sie in der Plazebogruppe sind.
Die Studiendauer beträgt insgesamt 14 Monate. In einer ersten Phase von zwei Monaten werden die Patienten auf den Acetycholinesterasehemmer als alleinige Behandlung eingestellt, um festzustellen, ob die Teilnehmer dieses Medikament vertragen. In der zweiten Phase von 12 Monaten wird zusätzlich Kupfer oder Plazebo gegeben.

Kognitive Tests und Kernspin-Aufnahmen geben Aufschluss

Zu Beginn, während und bei Abschluss der Studie finden bei den Patienten in regelmäßigen Abständen neuropsycholgische Tests statt, bei denen unter anderem die Gedächtnisleistung, die Konzentrationsfähigkeit und die Reaktionsgeschwindigkeit ermittelt werden. Die Ergebnisse dieser Tests werden letztlich zeigen, welche Wirkung Kupfer auf das Fortschreiten der Erkrankung bei den Patienten hat. Zusätzlich wird der Gehalt des Beta-Amyloids Aß und Kupfer im Nervenwasser gemessen. "Daran können wir erkennen, ob im Verlauf der Behandlung weniger dieses schädlichen Stoffes, der zu Ablagerungen im Gehirn führt, gebildet wird, was auf eine Verlangsamung des Krankheitsprozesses hindeuten würde", sagt Prof. Dr. Thomas Bayer. Kernspintomographien sollen Aufschluss über Veränderungen im Gehirn, insbesondere im Hippocampus, dem für das Gedächtnis zuständigen Hirnareal, geben.

Hoher Kupferspiegel - bessere kognitive Leistungen

Auch wenn es bis zu den endgültigen Ergebnissen noch etwas dauern wird, kann bereits jetzt eine positive Zwischenbilanz gezogen werden: "Alle Patienten haben die Studienmedikation gut vertragen - Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Bei den Untersuchungen zu Beginn der Studie haben wir bestätigt gefunden, dass ein Zusammenhang zwischen der kognitiven Leistung und dem Kupfergehalt im Plasma besteht", so Privatdozent Dr. Frank-Gerald Pajonk. Das heißt, dass Patienten mit einem niedrigen Kupferspiegel mehr Fehler bei den Tests machten. Je besser die kognitiven Leistungen bei den Tests waren, desto höher war auch der Kupferspiegel der Patienten.

Aß-Konzentration und Kupferspiegel hängen eng zusammen

"Interessant waren auch die bisherigen Untersuchungen des Nervenwassers. Laut Definition legt eine bestimmte Konzentration des toxischen Aß im Nervenwasser die Diagnose Alzheimer nahe." Privatdozent Dr. Frank-Gerald Pajonk erklärt weiter: "Tatsächlich hatten die Patienten, bei denen wir anhand von Aß die Diagnose Alzheimer stellen konnten, niedrigere Kupferspiegel. Mit anderen Worten: je mehr Aß im Nervenwasser, desto niedriger ist der Kupferspiegel. Auch hier besteht also ein deutlicher Zusammenhang."

Das dritte Ergebnis betrifft die Messung des Hirnvolumens. Hier liegen noch nicht alle Ergebnisse vor. Die Größe des Hirnvolumens hängt jedoch klar mit der kognitiven Leistungsfähigkeit zusammen, und letztere stand ja in engem Zusammenhang mit der Höhe des Kupferspiegels.

Kontakt für Journalisten:

Haben Sie Fragen? Wenden Sie sich bitte direkt an

Priv. Doz. Dr. med. Frank-Gerald B. Pajonk
Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar

Tel. (06841) 16-24205
Fax (06841) 16-24270
E-Mail: frank.pajonk@uniklinikum-saarland.de

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-saarland.de
http://www.uni-saarland.de

Weitere Berichte zu: Alzheimer Alzheimer-Demenz Psychiatrie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Zwischen Erregung und Hemmung
06.12.2019 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Wenn der Rücken vom vielen Sitzen schmerzt
05.12.2019 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Geminiden - Die Wünsch-dir-was-Sternschnuppen vor Weihnachten

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Die Geminiden, die Mitte Dezember zu sehen sind, sind der "zuverlässigste" der großen Sternschnuppen-Ströme mit bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde. Leider stört in diesem Jahr der Mond zur besten Beobachtungszeit.

Sie wurden nach dem Sternbild Zwillinge benannt: Die „Geminiden“ sorgen Mitte Dezember immer für ein schönes Sternschnuppenschauspiel. In diesem Jahr sind die...

Im Focus: Electronic map reveals 'rules of the road' in superconductor

Band structure map exposes iron selenide's enigmatic electronic signature

Using a clever technique that causes unruly crystals of iron selenide to snap into alignment, Rice University physicists have drawn a detailed map that reveals...

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vulkan „F“ ist der Ursprung der schwimmenden Steine

09.12.2019 | Geowissenschaften

Magnetschwebetrennung in der Drogenfahndung - Analyse illegaler Substanzen in Pulver durch magnetische Levitation

09.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Luftverschmutzung: IASS legt erstes Emissionsinventar für Nepal vor

09.12.2019 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics