Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magnetresonanztomografie zeigt u.a.: Regionaler Gewebsschwund für geistige Leistungsdefizite im Alter verantwortlich

30.01.2006


Einer der zwei Forschungspreise der Hirnliga e.V. für das Jahr 2005 ging an Dr. Henrike Wolf von der Universität Leipzig. Die 35-jährige Leipzigerin erhielt den Preis für vier kürzlich veröffentlichte Arbeiten zur Neurobiologie leichter kognitiver Störungen im Alter. Der Preis ist mit 12 000 Euro dotiert.


Gesundes (li) und Alzheimer-Gehirn (re) Foto: Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung der Universität Leipzig



In ihren Arbeiten hat die Preisträgerin strukturelle Hirnveränderungen bei leichten kognitiven Störungen (LKS) untersucht. LKS sind kognitive Beeinträchtigungen, die nicht den Schweregrad einer Demenz erreichen. Die Untersuchung solcher Störungen mit der Magnetresonanztomografie könnte wichtige Aufschlüsse über die frühen Phasen der Alzheimer Krankheit und anderer Demenzerkrankungen geben und somit in Zukunft zu einer genaueren und früheren Diagnosestellung dieser Erkrankungen beitragen.



Die Arbeiten entstanden im Rahmen einer vom BMBF am IZKF Leipzig geförderten Längsschnittsstudie (LEILA-MCI, 1997-2006) und eines DFG-Forschungsstipendiums am Karolinska Institut in Schweden (2001-2004). Sie sind Teil der kürzlich eingereichten Habilitationsschrift der Preisträgerin.

Leistungsdefizite auf Gewebsschwund zurückzuführen

In ihren magnetresonanztomografischen Untersuchungen konnte die Wissenschaftlerin zeigen, dass leichte kognitive Defizite bei älteren Menschen häufig mit einer Hippocampusathrophie einhergehen, d.h. einem Gewebsschwund des Hippocampus (Erschienen in: Neurobiology of Aging 2004). Der Hippocampus ("Seepferdchen") ist eine paarige Hirnstruktur im Inneren des Schläfenlappens. Er gehört zu den evolutionär ältesten Strukturen des Gehirns und ist entscheidend an Gedächtnis- und Lernprozessen beteiligt. Bestimmte Zellen im Hippocampus gelten als besonders empfindlich (vulnerabel) - sie sind regelmäßig und ausgeprägt von den Alzheimer-typischen Veränderungen betroffen, selbst in frühen Krankheitsstadien. Diese nur mikroskopisch sichtbaren Veränderungen gehen mit einer messbaren Schrumpfung des gesamten Hippocampus einher. Die Hippocampusatrophie wird daher als radiologischer "Marker" der Alzheimer Krankheit diskutiert.

Menschen mit großen Köpfen können Gewebsschwund besser kompensieren

Aber von einer 1:1-Entsprechung von kognitiver Leistungsfähigkeit im Alter und Hirnstruktur kann keine Rede sein. Auf der Suche nach möglichen anderen Einflussfaktoren auf die kognitive Funktionen im Alter stieß die Leipziger Forschungsgruppe darauf, dass ein kleineres Kopf- oder Schädelvolumen mit einem erhöhten Risiko einer kognitiven Störung einherging. (Erschienen in Brain Research 2003)

In weiteren Untersuchungen zeigte sich, dass der Zusammenhang zwischen Kopfgröße und kognitiven Störungen im Alter wahrscheinlich auf eine bessere Hirnreserve bei Menschen mit großem Schädelvolumen, einem Maß für die ursprüngliche Hirngröße, zurückzuführen ist. Das heißt, Menschen mit großen Köpfen haben vermutlich das gleiche Risiko für die Alzheimer-Krankheit wie alle anderen, sie können aber, wenn der Krankheitsprozess einmal ausgebrochen ist, die krankhaften Veränderungen im Gehirn besser kompensieren. (Erschienen in International Journal of Geriatric Psychiatry 2004)

"Gutes" Cholesterol verringert Demenzrisiko

Angeregt durch kürzliche Befunde über eine mögliche Beteiligung von Cholesterol an der Entstehung der Alzheimer Krankheit, interessierte sich die Wissenschaftlerin für den Zusammenhang zwischen Serum-Cholesterol und Hippokampusatrophie bei älteren Menschen. Ein höherer Blutspiegel des "guten" Cholesterols oder HDL- Cholesterols ging mit einem größeren Hippokampusvolumen und niedrigerem Demenzrisiko einher. Das könnte darauf zurückzuführen sein, dass das HDL-Cholesterol vor der Alzheimer-Krankheit in einem gewissen Maße schützen kann.(Erschienen in Annals of Neurology 2004).

Bildgebende Verfahren leisten Beitrag zum Verständnis von Demenzerkrankungen

Die Ergebnisse unterstreichen, dass bildgebende Verfahren einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von LKS und Demenzen leisten können. Während aktuelle Behandlungsstrategien bei Demenzen überwiegend darauf zielen, die pathologischen Prozesse zu hemmen, wären nach den neuen Erkenntnissen Therapiekonzepte denkbar, die Hirnreserve- und Kompensationsmechanismen stärken. Damit wären nicht nur Symptome von Demenzerkrankungen besser beherrschbar, sondern auch eine wirksame Prävention möglich. In der klinischen Praxis zeigen die Ergebnisse außerdem, dass eine abgewogene Interpretation klinischer, neuropsychologischer und bildgebender Befunde die Diagnose der Alzheimer Krankheit in Frühstadien erleichtern könnte.

Die Hirnliga e.V. vergibt den mit 12000 € dotierten Preis jährlich für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten, die grundsätzlich neue Forschungsaspekte aus den Gebieten Entstehung, Erkennung und Behandlung von Demenzerkrankungen beschreiben.

weitere Informationen:
Dr. Henrike Wolf
Telefon: 0341 97-24571
E-Mail: wolfh@medizin.uni-leipzig.de

Hirnliga e.V.
Telefon: 02293 - 3436
E-Mail: info@hirnliga.de

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.hirnliga.de
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schlaganfall: Jeder fünfte bleibt rätselhaft
13.03.2019 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Brain Loses the Beat: Aging Changes the Fine-Tuning of Neuronal Rhythms During Sleep
27.02.2019 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Zähmung der Lichtschraube

Wissenschaftler vom DESY und MPSD erzeugen in Festkörpern hohe-Harmonische Lichtpulse mit geregeltem Polarisationszustand, indem sie sich die Kristallsymmetrie und attosekundenschnelle Elektronendynamik zunutze machen. Die neu etablierte Technik könnte faszinierende Anwendungen in der ultraschnellen Petahertz-Elektronik und in spektroskopischen Untersuchungen neuartiger Quantenmaterialien finden.

Der nichtlineare Prozess der Erzeugung hoher Harmonischer (HHG) in Gasen ist einer der Grundsteine der Attosekundenwissenschaft (eine Attosekunde ist ein...

Im Focus: The taming of the light screw

DESY and MPSD scientists create high-order harmonics from solids with controlled polarization states, taking advantage of both crystal symmetry and attosecond electronic dynamics. The newly demonstrated technique might find intriguing applications in petahertz electronics and for spectroscopic studies of novel quantum materials.

The nonlinear process of high-order harmonic generation (HHG) in gases is one of the cornerstones of attosecond science (an attosecond is a billionth of a...

Im Focus: Magnetische Mikroboote

Nano- und Mikrotechnologie sind nicht nur für medizinische Anwendungen wie in der Wirkstofffreisetzung vielversprechende Kandidaten, sondern auch für die Entwicklung kleiner Roboter oder flexibler integrierter Sensoren. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) haben mit einer neu entwickelten Methode magnetische Mikropartikel hergestellt, die den Weg für den Bau von Mikromotoren oder die Zielführung von Medikamenten im menschlichen Körper, wie z.B. zu einem Tumor, ebnen könnten. Die Herstellung solcher Strukturen sowie deren Bewegung kann einfach durch Magnetfelder gesteuert werden und findet daher Anwendung in einer Vielzahl von Bereichen.

Die magnetischen Eigenschaften eines Materials bestimmen, wie dieses Material auf das Vorhandensein eines Magnetfeldes reagiert. Eisenoxid ist der...

Im Focus: Magnetic micro-boats

Nano- and microtechnology are promising candidates not only for medical applications such as drug delivery but also for the creation of little robots or flexible integrated sensors. Scientists from the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) have created magnetic microparticles, with a newly developed method, that could pave the way for building micro-motors or guiding drugs in the human body to a target, like a tumor. The preparation of such structures as well as their remote-control can be regulated using magnetic fields and therefore can find application in an array of domains.

The magnetic properties of a material control how this material responds to the presence of a magnetic field. Iron oxide is the main component of rust but also...

Im Focus: Goldkugel im goldenen Käfig

„Goldenes Fulleren“: Liganden-geschützter Nanocluster aus 32 Goldatomen

Forschern ist es gelungen, eine winzige Struktur aus 32 Goldatomen zu synthetisieren. Dieser Nanocluster hat einen Kern aus 12 Goldatomen, der von einer Schale...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte nationale Tagung 2019 für Nuklearmedizin in Bremen

21.03.2019 | Veranstaltungen

6. Magdeburger Brand- und Explosionsschutztage vom 25. bis 26.3. 2019

21.03.2019 | Veranstaltungen

Teilchenphysik trifft Didaktik und künstliche Intelligenz in Aachen

20.03.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zähmung der Lichtschraube

22.03.2019 | Physik Astronomie

Saarbrücker Forscher erleichtern durch Open Source-Software den Durchblick bei Massen-Sensordaten

22.03.2019 | HANNOVER MESSE

Ketten aus Stickstoff direkt erzeugt

22.03.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics