Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krankheitsbild mit vielen Unbekannten - Autismus

25.01.2006


Spezialsprechstunde diagnostiziert Autismus bei Erwachsenen

... mehr zu:
»Autismus »Poliklinik »Psychiatrie

Autismus ist eine Krankheit, die zwar in aller Munde ist, für deren Diagnose und Behandlung aber vielfach die Erfahrungen fehlen. Seit einem Jahr wird am Universitätsklinikum Rostock eine Spezialsprechstunde zur Erkennung autistischer Störungen bei Erwachsenen angeboten. So etwas gibt es bundesweit an keinem anderen Universitätsklinikum. Entsprechend gut ist die Resonanz, Patienten kommen nicht nur aus MV, sondern auch aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Brandenburg oder sogar Sachsen-Anhalt. Um Ärzte der Region und darüber hinaus fit für die Autismus-Diagnose zu machen, werden regelmäßig Weiterbildungsveranstaltungen abgehalten. Die nächste findet am Mittwoch, 25. Januar 2005, am Zentrum für Nervenheilkunde statt. Unter anderem berichtet eine Autistin von ihren Erfahrungen mit der Krankheit. Im März startet in Rostock ein Forschungsprojekt, das neue Erkenntnisse über Autismus liefern soll.

Beim Autismus und der speziellen Ausprägung, dem Asperger-Syndrom, handelt es sich um eine Entwicklungsstörung, die den Patienten den Umgang mit ihrer Umwelt erschwert und oftmals soziale Kontakte verhindert. "Seit dem Spielfilm ’Rain Man’ ist diese Krankheit weithin bekannt, aber bei der Diagnose und Behandlung gerade bei Erwachsenen fehlt die Erfahrung", sagt Dr. Ekkehardt Kumbier von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Rostock. Entsprechend dünn gesät sind Anlaufstellen für Betroffene. Am Uniklinikum Rostock hat sich seit einem Jahr eine "Spezialsprechstunde zur Diagnostik autistischer Störungen bei Erwachsenen" etabliert, die Dr. Kumbier abhält. Es ist die einzige Sprechstunde dieser Art an einem Universitätsklinikum bundesweit.


Das Angebot wird angenommen. Dr. Kumbier, der die Sprechstunde neben seiner Arbeit als Stationsarzt betreibt, ist gut ausgelastet. Patienten, betroffen sind meist Männer, kommen aus Mecklenburg-Vorpommern, aber auch aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Brandenburg und sogar Sachsen-Anhalt. Es gibt Wartelisten. "Meist melden sich die Eltern oder Bezugspersonen der Betroffenen", sagt Dr. Kumbier. Auffällig seien die Beziehungs- und Interaktionsprobleme der Patienten, oft gekoppelt mit bemerkenswerten Fähigkeiten auf einzelnen und etwas abgelegenen Gebieten. Der Rostocker Arzt erinnert sich etwa an einen Patienten, der zwanghaft Zugfahrpläne sammelte und auswendig lernte, oder an einen, der einen Großteil seiner Zeit damit verbrachte, Kreuzigungsszenen zu zeichnen oder entsprechende Darstellungen in Kirchen zu betrachten. Die Diagnostik der Erkrankung ist überaus aufwendig und erfolgt über Fragebögen, persönliche Gespräche und auch die intensive Befragung der Verwandten, denn ohne die Angaben der bereits in der Kindheit beginnenden Störung ist die Diagnose unmöglich.

Während Diagnose und Behandlung von Autismus im Kindesalter vergleichsweise gut etabliert sind, fehlen Erfahrungen mit Erwachsenen. Aus diesem Grund bietet das Universitätsklinikum Rostock regelmäßig Weiterbildungsveranstaltungen an, um niedergelassenen Ärzten die Diagnose zu erleichtern. Aktuell hält Frau Dr. Werner von der vor fünf Jahren eingerichteten Autismus-Ambulanz Region Rostock einen Vortrag über Autismus, der ergänzt wird durch den Erfahrungsbericht einer Betroffenen, die, was sehr selten ist, über die Fähigkeit verfügt, offen über ihre Krankheit reden zu können. Bundesweit wird die Zahl der an Autismus erkrankten Menschen auf etwa 40.000 geschätzt. "Aber die Dunkelziffer liegt weit höher", so Dr. Kumbier. Im März startet in Rostock eine Studie, in der mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) Aktivitäten in verschiedenen Hirnregionen bei Autismus-Patienten untersucht werden sollen. Die Ergebnisse sollen helfen, besser zu verstehen, wie es zu den Interaktionsproblemen kommt und wie sie therapeutisch beeinflusst werden können.

Vortrag: 25. Januar 2005, 15.30 Uhr Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Gehlsheimer Straße 20, 18147 Rostock
Referentin: Dr. Evelin Werner, Autismus-Ambulanz Region Rostock

Kontakt:

Frau Professor Dr. Sabine Herpertz
Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Rostock
Gehlsheimer Straße 20
18147 Rostock
Tel. 0381/4949500

Professor Dr. Reiner Benecke
Stellvertretender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Rostock
Direktor der Klinik für Neurologie und Poliklinik
Gehlsheimer Straße 20
18147 Rostock
Tel. 0381/4949510
Fax. 0381/4949512

Dr.-Ing. Karl-Heinz Kutz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Autismus Poliklinik Psychiatrie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bakterien aus dem Fettgewebe führen zu Entzündungen
14.07.2020 | Universität Leipzig

nachricht Grundlagen der Funktionen von Glutaredoxin-Proteinen im Eisenstoffwechsel und der Signalübertragung aufgeklärt
10.07.2020 | Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hammer-on – wie man Atome schneller schwingen lässt

Schwingungen von Atomen in einem Kristall des Halbleiters Galliumarsenid (GaAs) lassen sich durch einen optisch erzeugten Strom impulsiv zu höherer Frequenz verschieben. Die mit dem Strom verknüpfte Ladungsverschiebung zwischen Gallium- und Arsen-Atomen wirkt über elektrische Wechselwirkungen zurück auf die Schwingungen.

Hammer-on ist eine von vielen Rockmusikern benutzte Technik, um mit der Gitarre schnelle Tonfolgen zu spielen und zu verbinden. Dabei wird eine schwingende...

Im Focus: Kryoelektronenmikroskopie: Hochauflösende Bilder mit günstiger Technik

Mit einem Standard-Kryoelektronenmikroskop erzielen Biochemiker der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) erstaunlich gute Aufnahmen, die mit denen weit teurerer Geräte mithalten können. Es ist ihnen gelungen, die Struktur eines Eisenspeicherproteins fast bis auf Atomebene aufzuklären. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "PLOS One" veröffentlicht.

Kryoelektronenmikroskopie hat in den vergangenen Jahren entscheidend an Bedeutung gewonnen, besonders um die Struktur von Proteinen aufzuklären. Die Entwickler...

Im Focus: Electron cryo-microscopy: Using inexpensive technology to produce high-resolution images

Biochemists at Martin Luther University Halle-Wittenberg (MLU) have used a standard electron cryo-microscope to achieve surprisingly good images that are on par with those taken by far more sophisticated equipment. They have succeeded in determining the structure of ferritin almost at the atomic level. Their results were published in the journal "PLOS ONE".

Electron cryo-microscopy has become increasingly important in recent years, especially in shedding light on protein structures. The developers of the new...

Im Focus: Neue Schlankheitstipps für Computerchips

Lange Zeit hat man in der Elektronik etwas Wichtiges vernachlässigt: Wenn man elektronische Bauteile immer kleiner machen will, braucht man dafür auch die passenden Isolator-Materialien.

Immer kleiner und immer kompakter – das ist die Richtung, in die sich Computerchips getrieben von der Industrie entwickeln. Daher gelten sogenannte...

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nanoelektronik lernt wie das Gehirn

14.07.2020 | Informationstechnologie

Anwendungslabor Industrie 4.0 der THD: Smarte Lösungen für die Unikatproduktion

14.07.2020 | Informationstechnologie

Neue Kunststoff-Schaltschränke AX von Rittal

14.07.2020 | Maschinenbau

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics