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Vogelgrippevirus wird beim Menschen gegen Tamiflu resistent

22.12.2005


Behandlung bei zwei Patienten in Vietnam erfolglos


Das Virus, das beim Menschen zu Erkrankungen mit Vogelgrippe führt, scheint eine Resistenz gegen das einzige Medikament zu entwickeln, das derzeit zur Verfügung steht. Wissenschafter der University of Oxford haben zwei Fälle von Vietnamesischen Patienten gemeldet, die starben, nachdem die Behandlung mit Tamiflu nicht den gewünschten Erfolg brachte. Details der Forschungsergebnisse wurden im Fachmagazin New England Journal of Medicine veröffentlicht. Die H5N1 Variante des Vogelgrippevirus hat in Südostasien bisher zu 71 Todesfällen geführt. Die meisten Opfer kamen in engen Kontakt mit infiziertem Geflügel. Derzeit wird allgemein nicht angenommen, dass eine erste Bedrohung der Bevölkerung gegeben ist.

Der leitende Wissenschafter Jeremy Farrar bezeichnete die neuen Forschungsergebnisse als Besorgnis erregend aber nicht sehr überraschend. Alle Mikroben entwickelten schließlich Resistenzen gegen Medikamente. "Entwickelt das Virus jedoch eine Resistenz und die Fähigkeit zur Übertragung von einem Menschen auf den anderen, dann führt das zu einem sehr ernsten Problem." Es gäbe jedoch Hinweise darauf, dass Viren, die eine Resistenz entwickeln, seltener die Fähigkeit zur Übertragung ausbildeten. Die aktuellen Forschungsergebnisse zeigten jedoch, wie wichtig es sei sicherzugehen, dass das Medikament nur bei entsprechender Eignung eingesetzt werde. Derzeit besteht anders als bei HIV keine Möglichkeit zur Kombination mit anderen Medikamenten und damit zu einer Überwindung der Resistenz.


Der Virologe John Oxford von der Queen Mary School of Medicine erklärte gegenüber der BBC, dass die aktuelle Studie auch gezeigt habe, dass Tamiflu bis zu fünf Tage nach einer erkennbaren Infektion wirksam sein kann. Bisher wurde angenommen, dass das Medikament innerhalb von 48 Stunden verabreicht werden müsste. Die Studie bestätigte ebenfalls, dass das Ausmaß der Infektion mit H5N1 die Stärke der Symptome des Patienten direkt beeinflusse. Nature berichtete in der Vergangenheit bereits von einem einzelnen Fall einer Resistenz eines Patienten. Das Opfer erhielt allerdings vor der Infektion nur eine niedrige Dosis Tamiflu, da ein Familienmitglied betroffen gewesen war. Experten befürchten seit einiger Zeit, dass das Virus mit einer Mutation die Fähigkeit erlangt, leicht von einem Menschen zum anderen übertragen zu werden. Tritt dieser Fall ein, wird eine weltweite Grippepandemie befürchtet, die Hunderttausenden Menschen das Leben kosten könnte.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ox.ac.uk
http://content.nejm.org
http://www.nature.com

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