Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Umbau am Herzmuskel stoppen

24.11.2005


Wie sich die chronische Herzschwäche nach einem Infarkt verhindern lässt, untersucht Dr. Alexander Deten vom Carl Ludwig-Institut für Physiologie der Universität Leipzig. Ihn zeichnet die Nürnberger Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung mit einem Graduierten-Stipendium in Höhe von 8000 Euro aus.


Auf der Sitzung der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig am 24. 11.2005 überreicht ein Vertreter der Nürnberger Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung Dr. Alexander Deten vom Carl Ludwig-Institut für Physiologie der Universität Leipzig ein Graduierten-Stipendium in Höhe von 8 000 Euro für die Weiterführung seiner Untersuchungen zum Verlauf der chronischen Herzschwäche nach einem Infarkt.

Herztransplantation ist oft die einzige Rettung


In späten Stadien verläuft die chronische Herzschwäche dramatisch: Die Patienten können kaum noch atmen und sich fast nicht mehr bewegen. Sie liegen oder sitzen Tag und Nacht, in ihren Lungen sammelt sich Wasser. Am Ende vermag sie oft nur eine Herztransplantation zu retten. Wie sich die Erkrankung nach einem Infarkt entwickelt und welche Gegenmaßnahmen erfolgreich sein können, beleuchtet Dr. Alexander Deten von der Universität Leipzig. Seine Arbeiten unterstützt die Nürnberger Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung mit einem Graduierten Stipendium.

Dass ein besseres Verständnis des Krankheitsprozesses nötig ist, machen die neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes deutlich. Gut 368.000 Deutsche starben 2004 an Herzkreislauf-Erkrankungen - darunter viele an der chronischen Herzschwäche (Insuffizienz). Klar ist: Nach einem Infarkt vernarbt das abgestorbene Gewebe. Damit das Herz trotzdem wieder ausreichend pumpen kann, wächst das lebende Gewebe und baut sich um. "Eigentlich eine gute Sache", wie Deten sagt, "die aber irgendwann ins Gegenteil umschlägt." Denn das Herz wächst immer weiter. Nach einigen Jahren sind die Muskelzellen so groß, dass die Wege für die Sauerstoff-Versorgung zu weit werden. Überdies erweitert sich das Herz stark und bildet vermehrt Bindegewebe, das die Pumpbewegungen zusehends behindert. "Beide Prozesse führen zur Insuffizienz", erklärt der Preisträger.

Beteiligung von Interleukinen am Umbau des Herzgewebes klären

Unklar ist, welche molekularen Prozesse dabei ablaufen. Allerdings bekommen die Mediziner langsam eine Ahnung. Im Verdacht haben sie unter anderem bestimmte Moleküle der Entzündungsreaktion: Wachstumsfaktoren wie TGF-beta3 und Zytokine wie Interleukin-1 oder Interleukin-6. Sie könnten Studien zufolge beispielsweise die Bildung des Bindegewebes regulieren. Schon in den ersten Stunden nach einem Infarkt, das haben die Leipziger Forscher herausgefunden, finden sich Interleukine im geschädigten Herzmuskel. Darüber hinaus wird auch TGF-beta3 über sehr lange Zeit in der Infarktnarbe gebildet. Anders als früher gedacht, "scheinen gerade hier Schlüsselprozesse stattzufinden, die den Umbau des Herzgewebes und letzten Endes die Insuffizienz einleiten", betont Alexander Deten. Ob auch die Interleukine daran beteiligt sind, will der Physiologe mit der finanziellen Unterstützung durch die Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung weiter untersuchen.

Ausschaltung von TGF beta3 kann möglicherweise Umbau stoppen

Langfristiges Ziel: Die möglicherweise entscheidenden Moleküle wie TGF- beta3 genau dann mit Medikamenten auszuschalten, wenn das Herz nach dem Infarkt wieder ausreichend pumpt, um den fortlaufenden Umbau des Herzens zu stoppen. "Damit ließe sich vielleicht die Entwicklung der Insuffizienz verhindern", erklärt der Physiologe - oder zumindest verzögern. Ähnliche Effekte erhoffen sich Mediziner von der Therapie mit Stammzellen nach Infarkt. Allerdings ist der Nutzen dieses Ansatzes bislang umstritten. Nun wollen die Leipziger Forscher Versuche weiter vorantreiben, die Sinn oder Unsinn dieser noch experimentellen Behandlung beleuchten sollen. Denn, so Deten: "Wir brauchen da dringend Klarheit."

Über die Novartis Stiftung für therapeutische Forschung

Die Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung in Nürnberg gehört zu den ältesten und größten Unternehmensstiftungen im medizinischen Bereich in Deutschland. Die Stiftung verfügt über ein Stammkapital von 12 Millionen Euro. Die Förderaktivitäten werden aus den Zinserträgen dieses Kapitals bestritten und belaufen sich gegenwärtig auf jährlich etwa 650.000 Euro. Der Hauptteil der Fördermittel fließt in die Unterstützung von Forschungsprojekten, des weiteren finanziert die Stiftung Graduiertenstipendien an zehn deutschen Universitäten zur Förderung besonders qualifizierter junger Wissenschaftler. In zweijährigem Turnus veranstaltet die Stiftung interdisziplinäre Symposien zu Themen aus der medizinischen Grundlagenforschung.

Mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln will - und kann - die Stiftung staatliche Förderung nicht ersetzen, vielmehr will sie sie dort ergänzen, wo es notwendig, sinnvoll und möglich erscheint. Sie ist deshalb bestrebt, ihre bereits über 35 Jahre währende gute Zusammenarbeit mit den Forschungseinrichtungen in Deutschland auch zukünftig erfolgreich fortzuführen.

Über Novartis

Novartis AG (NYSE: NVS) ist ein weltweit führendes Unternehmen in den Bereichen Pharma und Consumer Health. Im Jahr 2004 erzielte der Konzern einen Umsatz von USD 28,2 Milliarden und einen Reingewinn auf Pro-forma-Basis von USD 5,6 Milliarden. Der Konzern investierte rund USD 4,1 Milliarden in Forschung und Entwicklung. Novartis hat ihren Sitz in Basel (Schweiz). Die Novartis Konzerngesellschaften beschäftigen rund 91’700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in über 140 Ländern.

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Berichte zu: Herzschwäche Infarkt Insuffizienz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Neueste Entwicklungen in Forschung und Technik

25.06.2018 | Veranstaltungen

Wheat Initiative holt Weizenforscher aus aller Welt an einen Tisch

25.06.2018 | Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schnelle Wasserbildung in diffusen interstellaren Wolken

25.06.2018 | Physik Astronomie

Gleisgenaue Positionsbestimmung für automatisierte Bahnanwendungen

25.06.2018 | Informationstechnologie

Neueste Entwicklungen in Forschung und Technik

25.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics