Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mittel gegen Impotenz hilft Patienten mit schweren Durchblutungsstörungen

23.11.2005


Studienergebnisse der Homburger Kardiologischen Universitätsklinik von Professor Michael Böhm finden in der amerikanischen Fachpresse große Resonanz.



Erstmalig konnte in einer Studie der Homburger Klinik für Kardiologie und Angiologie gezeigt werden, dass Sildefanil, der Wirkstoff des Potenzmittels Viagra, bei Patienten mit einer besonderen Form von schweren Durchblutungsstörungen, dem so genannten Raynaud-Phänomen, zu einer deutlichen Besserung ihrer Beschwerden führt: Der Wirkstoff Sildenafil optimiert die Durchblutung kleiner Blutgefäße.



Unter dem meist durch Kälte ausgelösten Raynaud-Phänomen versteht man eine anfallsartige Durchblutungsstörung der Finger- oder Zehenarterien, die sich aber nach einer gewissen Zeit selbständig wieder reguliert und keine bleibenden Schäden verursacht. Hinter dem zumeist harmlosen Raynaud-Phänomen können sich aber auch schwer wiegende Grunderkrankungen verbergen, so dass eine exakte Diagnostik notwendig ist. In schweren Fällen kann das Raynaud-Syndrom die Bildung von Geschwüren an Fingern und Zehen verursachen. Hiervon sind weltweit drei bis fünf Millionen Menschen betroffen.

Bei den Patienten der Studiengruppe handelte es sich um ein sekundäres Raynaud-Syndrom, das mit einer Bindegewebserkrankung, der Sklerodermie, einhergeht. Hierbei kommt es längerfristig zu einer Verhärtung der Blutgefäße (Arterien). Durch Verengungen kann es zu Durchblutungsstörungen oder auch zum Absterben von Gewebe kommen. "Die 16 Studienteilnehmer, zumeist Frauen, litten an schweren Bindegewebserkrankungen (Sklerodermie) mit nicht mehr therapierbarem Raynaud-Phänomen. Erstmalig konnte gezeigt werden, dass diese schwerkranken Patienten, die einen hohen Leidensdruck haben, weil kein Medikament mehr wirkt, sich deutlich besser bezüglich ihrer Durchblutung der kalten und zum Teil abgestorbenen Extremitäten fühlen", erläutert Professor Michael Böhm, Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin des saarländischen Universitätsklinikums.

An der Studie nahmen 16 Patienten teil. Eine Gruppe erhielt vier Wochen lang zweimal täglich 50 mg Sildenafil, die andere Gruppe ein Placebo. Danach wurde für weitere vier Wochen gewechselt. Die Symptome des Raynaud-Syndroms wurden kontinuierlich dokumentiert und die Blutflussgeschwindigkeit in den Kapillargefäßen gemessen. Bei der Einnahme von Sildenafil waren die Raynaud-Attacken bedeutend schwächer und kürzer, ebenfalls war die Belastung für diese Patienten deutlich niedriger. Patienten, die mit Sildefanil behandelt wurden, hatten im Schnitt 35 Raynaud-Attacken, die mit Placebo 52. Die Gesamtdauer aller Anfälle betrug im Schnitt mit Sildenafil 581 Minuten, mit Placebo hingegen 1046 Minuten. Während der Sildenafil-Behandlung hat sich die Fließgeschwindigkeit des Blutes in den Kapillargefäßen mehr als vervierfacht. Die Patienten hatten weniger Schmerzen, chronische Wunden an Fingern und Zehen begannen zu heilen.

Gerhild Sieber | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Berichte zu: Durchblutungsstörung Placebo Raynaud-Phänomen Sildenafil

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Grundlagen der Funktionen von Glutaredoxin-Proteinen im Eisenstoffwechsel und der Signalübertragung aufgeklärt
10.07.2020 | Universität Greifswald

nachricht Internationale Empfehlungen für nicht-tuberkulöse Mykobakterien
08.07.2020 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Im Focus: The spin state story: Observation of the quantum spin liquid state in novel material

New insight into the spin behavior in an exotic state of matter puts us closer to next-generation spintronic devices

Aside from the deep understanding of the natural world that quantum physics theory offers, scientists worldwide are working tirelessly to bring forth a...

Im Focus: Im Takt der Atome: Göttinger Physiker nutzen Schwingungen von Atomen zur Kontrolle eines Phasenübergangs

Chemische Reaktionen mit kurzen Lichtblitzen filmen und steuern – dieses Ziel liegt dem Forschungsfeld der „Femtochemie“ zugrunde. Mit Hilfe mehrerer aufeinanderfolgender Laserpulse sollen dabei atomare Bindungen punktgenau angeregt und nach Wunsch aufgespalten werden. Bisher konnte dies für ausgewählte Moleküle realisiert werden. Forschern der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen ist es nun gelungen, dieses Prinzip auf einen Festkörper zu übertragen und dessen Kristallstruktur an der Oberfläche zu kontrollieren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature erschienen.

Das Team um Jan Gerrit Horstmann und Prof. Dr. Claus Ropers bedampfte hierfür einen Silizium-Kristall mit einer hauchdünnen Lage Indium und kühlte den Kristall...

Im Focus: Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis

Forschende der Universität Bielefeld stellen beschleunigtes Verfahren vor

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten dauert aktuell mehr als zwei Stunden – und so kann ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erster Test für neues Roboter-Umweltmonitoring-System der TU Bergakademie Freiberg

10.07.2020 | Informationstechnologie

Binnenschifffahrt soll revolutioniert werden: Erst ferngesteuert, dann selbstfahrend

10.07.2020 | Verkehr Logistik

Robuste Hochleistungs-Datenspeicher durch magnetische Anisotropie

10.07.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics